Landwirtschaft entstand an mehreren Orten - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Landwirtschaft entstand an mehreren Orten

Blick auf die Landschaft im Zagrosgebirge (Courtesy Fereidoun Biglari)

Offenbar gab es nicht ein einzelnes „Ur-Bauern-Volk“, wie bisher angenommen: Der Übergang zur Landwirtschaft fand in benachbarten, aber unterschiedlichen Populationen statt, geht aus einer genetischen Studie hervor. Ein bislang unbekanntes Ackerbau-Volk existierte demnach im östlichen Teil des „Fruchtbaren Halbmondes“, einer Region, die Teile Südostanatoliens, des Irans, Iraks und Syriens umfasst. Diese Menschen gehörten nicht zu den Vorfahren der ersten Bauern Europas, zeigten Vergleiche von fossilem Erbgut. Die Menschen aus dem Zagrosgebirge (im heutigen Iran) bildeten hingegen Vorfahren der meisten modernen Südasiaten.

Ackerbau und Viehzucht entwickelten sich vor über 10.000 Jahren im „Fruchtbaren Halbmond“. Etwa 2000 Jahre nach der sogenannten neolithischen Revolution taucht die neue Lebensweise auch in Südosteuropa auf und kurz darauf in Zentraleuropa und im europäischen Mittelmeerraum. „Bisher nahm man an, dass die ersten Bauern aus einer genetisch homogenen Bevölkerung entstammten. Wir haben nun allerdings festgestellt, dass es tiefe genetische Unterschiede bei diesen frühen landwirtschaftlich lebenden Menschen gab, was auf deren unterschiedliche Herkunft verweist“, resümiert Garrett Hellenthal vom University College London das Ergebnis der Studie.

Die Ergebnisse basieren auf Analysen sogenannter Fossiler DNA. Mit modernen genetischen Methoden ist es möglich, Jahrtausende alten Funden noch Erbgut zu entlocken, das sich für Vergleiche eignet. So zeichnete sich ab: Eine der ersten steinzeitlichen Kulturen, die Ackerbau betrieben, lebte im Zagrosgebirge, einer Region im heutigen Iran, die im östlichen Teil des Fruchtbaren Halbmondes liegt. Diese Menschen unterschieden sich offenbar deutlich von den anderen Pionieren der Landwirtschaft. „Es ist interessant, dass genetisch so unterschiedliche Menschen, die sehr wahrscheinlich anders aussahen und eine andere Sprache hatten, die landwirtschaftliche Wirtschafts- und Lebensform in zwei verschiedenen Regionen Anatoliens und des Nahen Ostens entwickelten beziehungsweise annahmen“, sagt Co-Autor Joachim Burger von der Universität Mainz.

Bauern wandern in zwei Richtungen

Während sich die ersten Bauern Westanatoliens und Europas nach Westen aufmachten, ist die Jungsteinzeit-Population aus dem Zagrosgebirge offenbar nach Osten gewandert: Die Wissenschaftler stellten anhand der Genomanalysen fest, dass diese Menschen die wichtigsten Vorfahren der heutigen Südasiaten sind. Viele Genomsegmente finden sich heutzutage bei Afghanen und Pakistani. Am ähnlichsten ist die 10.000 Jahre alte Erbsubstanz der Menschen aus dem Zagrosgebirge jedoch den Genen der modernen Zoroastriern aus dem Iran.

Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass zumindest zwei hoch unterschiedliche Gruppen die weltweit ersten Landwirte hervorbrachten. „Der Ursprung der Landbewirtschaftung und Viehhaltung ist genetisch gesehen komplexer, als wir dachten. Anstatt von einem einzelnen neolithischen Zentrum zu sprechen, sollten wir daher besser die Idee einer föderalen neolithischen Kernzone aufgreifen“, fasst Burger zusammen.

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Quelle: University College London / Universität Mainz
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