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Tübingen

Langhäuser der frühesten Bauern entdeckt

Langhaus
Rekonstruktion eines linearbandkeramischen Langhauses. (Bild: M. Steffen/ Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart)

In der Nähe von Tübingen haben Archäologen schon vor einiger Zeit jungsteinzeitliche Siedlungsreste entdeckt, erhalten schien aber nur wenig. In diesem Jahr ist es dem Forscherteam nun gelungen, die Reste mehrerer Langhäuser aus dem sechsten Jahrtausend vor Christus zu identifizieren und die Relikte eines dieser Häuser näher zu untersuchen. Die Ergebnisse belegen zweifelsfrei, dass dort einst eine Siedlung der Linearbandkeramiker lag – der ersten Bauern Süddeutschlands.

Nordwestlich des Tübinger Ortsteils Unterjesingen wurden schon im Jahr 1926 vereinzelte prähistorische Relikte entdeckt, die auf die Existenz einer prähistorischen Siedlung rund 500 Meter nördlich des heutigen Ammerverlaufs hindeuteten. Weil damals aber nur wenige Einzelfunde gemacht wurden, konnten Forscher nur wenig über das Areal herausfinden. Die Existenz einer jungsteinzeitlichen Siedlung an diesem Ort blieb zunächst eine Vermutung.

Umrisse jungsteinzeitlicher Langhäuser

Das hat sich nun geändert. Denn im Zuge eines gemeinsamen Forschungsprojekts zur frühen Jungsteinzeit im Ammertal haben Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart und der Universität Tübingen das Areal in diesem Jahr erneut untersucht. „Ziel des Forschungsprojektes ist es, die zeitliche Abfolge der verschiedenen frühneolithischen Siedlungen genauer zu erfassen und mit Hilfe naturwissenschaftlicher Untersuchungen Umweltbedingungen und Lebensweise und damit den Landschaftswandel durch den Beginn der Landwirtschaft im 6. Jahrtausend zu untersuchen“, erläutert Raiko Krauß.

Den Anfang machten im Frühjahr 2021 geophysikalische Messungen, bei denen Wissenschaftler mittels Magnetfeld-Kartierungen des Untergrunds verborgene Strukturen sichtbar machen konnten. Die Messungen ergaben erste deutliche Hinweise darauf, dass an dieser Stelle einst tatsächlich eine jungsteinzeitliche Siedlung existiert haben musste. Denn sie enthüllten die Fundament-Umrisse mehrerer Gebäude, die in ihrer Form und Größe dem charakteristischen Langhaus der linearbandkeramischen Kultur entsprachen, wie das Team berichtet. Diese um das 6. Jahrtausend v. Chr. in Mitteleuropa etablierte Kultur markiert den Übergang von Jägern und Sammlern zur bäuerlichen Lebensweise.

Reste von Pfosten und Geflecht

Aus Ausgrabungen von prähistorischen Linearbandkeramiker-Siedlungen an anderer Stelle ist bereits bekannt, dass die bis zu 45 Meter langen, rechteckigen Langhäuser dieser ersten bäuerlichen Kultur Süddeutschlands aus massiven, in mehreren Reihen stehenden Holzpfosten bestanden, die das Dach trugen. Die Wände der Häuser wurden von dünneren Pfosten gebildet, deren Zwischenräume von einem lehmverputzten Flechtwerk geschlossen wurden. Ob die bei Tübingen entdeckten Gebäudegrundrisse diesem Haustyp entsprechen, haben die Archäologen im Frühherbst 2021 in einer vierwöchigen Grabungskampagne unter Leitung von Veronika Stein von der Universität Tübingen, näher untersucht.

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Das Team führte dazu Grabungen an verschiedenen Stellen eines der Hausgrundrisse durch. Und tatsächlich: „Verfärbungen im Boden lassen die Standspuren der ehemaligen Pfosten der Hauskonstruktion erkennen, ebenso wie Gräbchenstrukturen, die als letzte Hinweise auf Wände des Hauses zu deuten sind“, berichtet Jörg Bofinger vom Landesamt für Denkmalschutz. Nach Ansicht der Wissenschaftler bestätigt dies zweifelsfrei, dass an diesem Ort einst ein Siedlungsplatz der Linienbandkeramischen Kultur lag. Damit ist in dieser Gegend nun ein weiteres Dorf dieser ersten Bauern bekannt. Schon früher wurden südlich von Entringen sowie nordöstlich von Pfäffingen Hausgrundrisse nachgewiesen, die auf linienbandkeramische Dörfer hinweisen.

Das Archäologenteam plant, die Relikte des neu entdeckten Dorfes weiter zu untersuchen, um unter anderem das Alter der Siedlung näher eingrenzen zu können. Dazu könnten unter anderem Radiokarbondatierungen sowie archäobotanische Analysen von Pflanzenresten beitragen. Letztere könnte auch näheren Aufschluss über die Lebens- und Wirtschaftsweise dieser frühen Bauern im Ammertal liefern.

Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen

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