Lebensgroße Dromedar-Reliefs aus der Antike - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Lebensgroße Dromedar-Reliefs aus der Antike

Hochrelief eines antiken Dromedars. (Foto: CNRS/ MADAJ, R. Schwerdtner)

Im Nordwesten Saudi-Arabiens haben Archäologen mehrere rund 2.000 Jahre alte Kamelreliefs entdeckt. Die lebensgroßen Dromedar-Figuren sind als erstaunlich kunstfertige Reliefs aus in der Wüste aufragenden Felsspitzen herausgearbeitet. Ob diese weitab jeder Siedlung liegenden Felsfiguren zu einem heiligen Ort gehörten oder als Grenzmarkierung dienten ist bisher unklar.

Dromedare am Fels

Die in den Felsen gehauenen Tempel und Gräber von Petra in Jordanien oder Madain Salih in Saudi-Arabien zeugen davon, dass die Bearbeitung von Gesteinsformstationen bei den Bewohnern des Nahen und Mittleren Ostens eine lange Tradition hat. Auch Ritzzeichnungen von Tierfiguren wurden schon häufiger in Saudi-Arabien entdeckt, darunter einfache Ritzungen von Dromedaren, aber auch einige der ältesten Darstellungen von Menschen mit Hunden.

Jetzt jedoch haben Archäologen um Guillaume Charloux von der französischen Forschungsorganisation CNRS in der Provinz Al Jawf im Nordwesten Saudi-Arabiens eine ungewöhnliche Variante nahöstlicher Felskunst entdeckt. Denn an drei aus der Wüste aufragenden Felsnasen fanden sie die lebensgroßen Reliefs von Dromedaren. Den Angaben der Archäologen zufolge stammen diese Darstellungen aus der Zeit einige Jahrhunderte vor oder nach Christus.

Kunstfertige Reliefs

Zwar sind einige der Kunstwerke durch Erosion bereits beschädigt, dennoch konnten die Forscher rund ein Dutzend solcher Reliefs identifizieren. Ein Teil der Kamelfiguren ist als Basrelief in die Felsoberfläche hineingearbeitet, andere treten als Hochrelief aus der bearbeiteten Felsoberflächen hinaus, wie die Archäologen berichten. Die Ausführung dieser Felskunst gehe dabei weit über die bisher bekannten einfachen Ritzzeichnungen hinaus.

„Nähere Analysen und ein Stilvergleich dieser Kunstwerke deuten auf eine eigene arabische Tradition hin, die möglicherweise auf nabatäischen und parthischen Einflüssen beruht“, erklären Charloux und seine Kollegen. Besonders ungewöhnlich ist dabei ihren Angaben nach eine in den Felsreliefs dargestellte Szene: Sie zeigt ein Dromedar und einen Esel – ein nur extrem selten in Felskunst dargestelltes Tier. Neben der Ausführung ist damit auch der Inhalt dieser Felsbilder auffallend anders als die sonst aus dieser Gegend bekannte Felskunst.

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Zweck noch unklar

Warum die Menschen damals diese Dromedarbilder mitten in der kargen Wüste in diese Felsen kerbten, ist bisher unklar. „Dass dieser isolierte und scheinbar unbewohnbare Ort so kunstfertige Felsschnitzer anzog, ist ein klares Zeugnis für die Bedeutung dieses Orts für die Bewohner der umliegenden Gegenden“, sagen die Forscher. Denn bisher wurden in unmittelbar Nachbarschaft dieser Felsformationen keinerlei Spuren einer Siedlung entdeckt.

Die Archäologen vermuten daher, dass diese Felskunst eher für Reisende oder Pilger gedacht war. „Möglicherweise diente sie als Grenzmarkierung oder aber als Ort der Verehrung“, mutmaßen Charloux und seine Kollegen. In jedem Falle eröffnete dieser Ort bedeutende neue Belege für die Entwicklung der arabischen Felskunst.

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