Männerüberschuss schadet der Gesellschaft - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie Gesellschaft+Psychologie

Männerüberschuss schadet der Gesellschaft

Ein Überschuss an Männern kann eine Gesellschaft aus dem sozialen Gleichgewicht bringen. Das legt eine Studie von Wissenschaftlern aus Großbritannien und China nahe. Die ledigen Männer werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt, was zu erhöhter Aggressivität führen kann. Von einem solchen Männerüberschuss sind vor allem Indien und China betroffen.

Im Jahr 2004 waren 50,4 Prozent der globalen Bevölkerung Männer. In weiten Teilen Asiens und Nordafrikas jedoch haben die Traditionen das Geschlechterverhältnis zuungunsten der Frauen verschoben: Der Anteil der weiblichen Bevölkerung nahm ab, da mehr Mädchen abgetrieben und Töchter nach der Geburt schlechter medizinisch versorgt wurden. Allein in Indien und China fehlen daher rund 80 Millionen Frauen. Laut Hesketh und Xing wird es in diesen Ländern in den nächsten zwanzig Jahren einen Männerüberschuss von 12 bis 15 Prozent geben. Diese Männer können keine Familie gründen ? und das in Gesellschaften, in der der soziale Status stark von einer Heirat und einer Familie abhängt.

Gibt es zu wenige Frauen, können diese in die obere Schicht der Gesellschaft einheiraten. Den ledigen Männern aus niederen Schichten hingegen fehlt diese Möglichkeit. Sie werden an der Rand der Gesellschaft gedrängt und können ihre Sexualität nur sehr beschränkt ausleben. Diese Situation kann nach Ansicht von Hesketh und Xing zu vermehrtem asozialen Verhalten und Gewalt führen und letztlich die Stabilität und Sicherheit der ganzen Gesellschaft gefährden. Die Mehrheit der Gewaltverbrechen wird ohnehin von jungen, ledigen Männern der unteren Gesellschaftsschicht begangen, zeigen Statistiken. Das Potenzial zur organisierten Aggression steige zudem stark an, wenn solche Junggesellen zusammenkommen.

Ganz schwarz sehen die Forscher dennoch nicht: Gibt es weniger Frauen, steigt auch ihr sozialer Status. Mehr Paare werden sich daraufhin für eine Tochter entscheiden, was zu einem ausgeglicheneren Geschlechterverhältnis führen kann. Damit es jedoch soweit kommt, müssen laut Hesketh und Xing die Gleichberechtigung der Frau und das öffentliche Bewusstsein für die Gefahren eines Geschlechterungleichgewichts gestärkt werden. Erste Erfolgsmeldungen gibt es bereits aus China: So bevorzugen 37 Prozent der Chinesinnen kein Geschlecht, und für 45 Prozent besteht eine ideale Familie aus einem Jungen und einem Mädchen.

Therese Hesketh (University College, London) und Zuhu Wei Xing (Zhejiang Normal University, Jinhua): PNAS, Bd. 103 S. 13271. ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi
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