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Männliches Erfolgskonzept

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Männer manövrieren sich geschickter in Führungspositionen. Bild: Gerd Altmann/all-silhouettes.com / pixelio.de
Wenn es um die Besetzung von Führungspositionen geht, stellen Männer ihre Fähigkeiten deutlich übertriebener dar als Frauen. Diesen Zusammenhang konnte jetzt eine experimentelle Studie belegen, die das Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Zusammenarbeit mit internationalen Forschern durchgeführt hat. Den Wissenschaftlern zufolge trägt dieses unterschiedliche Verhalten beider Geschlechter maßgeblich zur Verringerung der Aufstiegschancen von Frauen bei. Über die Ergebnisse der Wissenschaftler um Ernesto Reuben von der Columbia University berichtet das IZA.

Grundlage für die Studie bildete ein Test bei dem BWL-Studenten der Universität Chicago unter Zeitdruck einfache Rechenaufgaben lösen mussten. Anschließend sollten sie versuchen, ihre Leistung möglichst objektiv zu bewerten. Für eine korrekte Selbsteinschätzung erhielten sie Geld, wer sich zu hoch oder zu niedrig einschätzte, ging hingegen leer aus. Mit diesem Test gewannen die Forscher Informationen sowohl über die tatsächlichen Leistungen als auch über die Fähigkeit der Probanden sich selbst einzuschätzen.

Im nächsten Schritt wurden die Teilnehmer in Gruppen aufgeteilt. Sie mussten einen Vertreter wählen, der im Wettbewerb mit anderen für die eigene Gruppe Geld bei Rechenspielen erwirtschaften sollte. Der gewählte Vertreter erhielt unabhängig von seinem Erfolg auch einen Extra-Geldbetrag. Für dieses gruppeninterne Auswahlverfahren gaben die Probanden gegenüber ihrer Gruppe eine erneute Einschätzung der eigenen Leistung im vorangegangenen Test ab. Hierbei konnten sie nun ungestraft besser darstellen, um ihre Chancen zu erhöhen.

Das Ergebnis: Durch den finanziellen Anreiz neigten beide Geschlechter dazu, ihre Leistungsfähigkeit zu übertreiben, um sich gegen die Mitbewerber durchzusetzen. Die Männer stellten allerdings ihre Leistung um rund 30 Prozent besser dar, die Frauen hingegen nur um weniger als 15 Prozent. Dieser Unterschied führte den Forschern zufolge dazu, dass die weiblichen Teilnehmer bei der Wahl zu den Gruppenrepräsentanten schlechter abschnitten: Sie waren in den Führungspositionen zu rund einem Drittel unterrepräsentiert.

Einen unterdrückenden Effekt durch die Männer gab es offenbar nicht: Die Forscher fanden keine Hinweise auf gezielte Diskriminierung. Auch dass Frauen den Wettbewerb eher scheuen als Männer, konnte das Experiment nicht bestätigen: Der Anteil derjenigen Teilnehmer, die ihre eigene Leistung bewusst untertrieben, um nicht im Wettbewerb antreten zu müssen, war bei Frauen und Männern etwa gleich hoch.

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„Die männliche Selbstüberschätzung ist nach unseren Beobachtungen der Hauptgrund dafür, dass Frauen trotz objektiv besserer Eignung vielfach die Führungsposition verwehrt bleibt. Darunter leidet dann der Erfolg der gesamten Gruppe“, erklärt Reuben. In der realen Arbeitswelt könne dies nur vermieden werden, wenn messbare Leistungskriterien verfügbar und für die Auswahl der Führungskräfte ausschlaggebend seien.

Pressemitteilung des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit dapd/wissenschaft.de ? Martin Vieweg
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