Magenkranke Mumien - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Geschichte+Archäologie

Magenkranke Mumien

mumie02.jpg
Rund 700 Jahre alt sind die mexikanischen Mumien, in denen Forscher nun das Bakterium Helicobacter entdeckten. Foto: Yolanda Lopez Vidal and Gonzalo Castillo-Rojas.
Schon die Ureinwohner des heutigen Mexiko litten unter Infektionen mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori. Forscher der Nationalen Universität in Mexico City konnten durch molekularbiologische Methoden DNA des Bakteriums im Magengewebe von mumifizierten Körpern nachweisen. Die gut erhaltenen Mumien stammen etwa aus dem Jahr 1350. Somit gab es auf den amerikanischen Kontinenten bereits vor der Ankunft von Kolumbus durch Bakterien verursachte Magengeschwüre.

Die Forscher untersuchten Überreste des Magens, der Zunge, des weichen Gaumens und der Hirne der Mumien eines Jungen und eines Mannes. Die Körper waren durch die klimatischen Verhältnisse im Inneren der Höhle, in der sie lagen, auf natürliche Weise mumifiziert worden und dadurch gut erhalten geblieben. Über die sogenannte Polymerase-Kettenreaktion (PCR) konnten die Wissenschaftler im Magengewebe der Mumien Fragmente der DNA von Helicobacter pylori nachweisen.

Hinweise auf Vorkommen von Helicobacter pylori im Amerika aus der Zeit vor Kolumbus hatte es bereits zuvor gegeben. So hatten Forscher das Magenbakterium schon in den Überresten menschlichen Kots aus den Anden aus dem Jahre 300 nach Christus nachgewiesen. Die neuen Ergebnisse aus Mexiko liefern den Forschern zufolge aber erstmals den Beweis dafür, dass das Bakterium auch Infektionen ausgelöst hatte, da es nun direkt im Magengewebe der Mumien gefunden wurde.

Infektionen mit Helicobacter pylori werden für eine Reihe von Magenerkrankungen verantwortlich gemacht. Neben Magengeschwüren kann das Bakterium auch Entzündungen der Magenschleimhaut und des Zwölffingerdarms sowie Magenkrebs hervorrufen. Übertragen wird es vermutlich durch die Aufnahme von Nahrung oder Wasser, das mit Fäkalien verschmutzt ist. „Eine Infektion entsteht nur dann, wenn der Mikroorganismus die Magenschleimhaut durchquert und eine lokale Entzündung auslöst“, sagt Yolanda Lòpez-Vidal, einer der beteiligten Forscher, „Bei einer normalen Besiedlung mit dem Bakterium wird diese Antwort des Körpers nicht ausgelöst.“

Gonzalo Castillo-Rojas (Nationale Universität in Mexico City) et al.: „BMC Microbiology“ (Bd. 9, S. 404). ddp/wissenschaft.de ? Michael Böddeker
Anzeige
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Liken und keine News mehr verpassen!

Anzeige

"Wolkenfraß" gibt Rätsel auf

Forscher entdecken neuartigen, seltsam geradlinigen Wolkenschwund vor Afrikas Westküste weiter

Schadet Handystrahlung dem Gedächtnis?

Studie findet Einbußen im figuralen Gedächtnis bei vieltelefonierenden Jugendlichen weiter

Pseudo-Fachjournale auf dem Vormarsch

Mehr als 5.000 deutsche Forscher haben schon in "Predatory Journals" publiziert weiter

Simples Rezept gegen Kurzsichtigkeit?

Invertierter Text könnte das lesebedingte Augapfel-Wachstum hemmen weiter

Wissenschaftslexikon

Roh|ling  〈m. 1〉 1 roher Mensch 2 〈Tech.〉 unpoliertes Guss(eisen)stück ... mehr

schul|me|di|zi|nisch  〈Adj.〉 die Schulmedizin betreffend, zu ihr gehörig

Kör|per  〈m. 3〉 1 Gesamtheit des Organismus eines Lebewesens, bes. des Menschen, Leib 2 äußere Gestalt, Erscheinung eines Menschen od. Tieres (~bau, ~größe) ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige