Makaberes Zeugnis des Untergangs Pompejis - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Makaberes Zeugnis des Untergangs Pompejis

Ein dramtischer Fall! (Foto: Parco Archeologico di Pompei)

Ein bizarrer Fund, der die tragischen Geschehnisse vor rund 2000 Jahren geradezu filmreif veranschaulicht: Archäologen haben in Pompeji die Überreste eines offenbar hinkenden Mannes entdeckt, dessen Kopf und Oberkörper bei der Katastrophe von einem Steinblock zertrümmert worden war.

Bis zum Brustkorb sind die Knochen sichtbar – doch der vermutlich zermalmte Rest des Skeletts steckt noch unter einem großen Bruchstück einer antiken Baustruktur, das offenbar im Rahmen des Untergangs Pompejis auf das Opfer gestürzt ist. Auf diesen außergewöhnlich drastisch wirkenden Fund sind italienische Archäologen im Rahmen eines aktuellen Ausgrabungsprojekts in den Überresten der berühmten römischen Ruinenstadt gestoßen.

Tragisches Ende im Inferno

Wie der Archäologische Park von Pompeji des italienischen Ministeriums für Kulturgüter und Tourismus berichtet, zeichnet sich in Merkmalen des Fundes und seines Umfeldes ab, welches Schicksal den Mann im Jahre 79 n. Chr. ereilt hat. Offenbar spielte sich das Drama ab, als der sogenannte pyroklastische Strom die Stadt erfasste. Es handelte sich dabei um den letzten Akt der Zerstörung: Das heiße Feststoff-Gas-Gemisch raste nach dem Ausbruch des Vesuvs von den Hängen des Vulkans hinab und erreichte schließlich auch mit enormen Druck die Stadt Pompeji. Wer sich in der vorhergehenden Phase des Ausbruchs nicht in Sicherheit gebracht hatte, wurde nun durch den pyroklastischen Strom getötet. So war es wohl auch im aktuellen Fall. Wie die Experten erklären, kam aber ein zweiter makaberer Schlag hinzu.

Ihnen zufolge hatte der Mann die erste Phase des Ausbruchs offenbar überlebt und versuchte dann über eine Straße aus der Stadt zu entkommen. Wahrscheinlich war sie bereits dicht mit vulkanischen Steinchen (Lapilli) bedeckt, die der Vesuv zuvor auf die Stadt gespuckt hatte. Bei seinem Fluchtversuch erfasste den Mann dann allerdings die pyroklastische Strömung, die nun über die Stadt hereinbrach. Der gewaltige Druck warf ihn offenbar zu Boden, gefolgt von Schlag Nummer zwei: Ein gewaltiger Steinblock, den die vulkanische Wolke aus einer nahen Gebäudestruktur gelöst hatte, krachte auf seinen Kopf und Oberkörper.

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Hatten ihn Schmerzen zurückgehalten?

Die vorläufigen Analysen des Skeletts haben zudem bereits einige Informationen über das Opfer geliefert. Es handelte sich demnach um einen ungefähr 30 Jahre alten Mann, der vermutlich hinkte: Läsionen an einem seiner Beinknochen legen nahe, dass er unter einer schmerzhaften Knocheninfektion litt, die ihm vermutlich erhebliche Gehschwierigkeiten bereitet hat. Möglicherweise ist dies ein Grund dafür, dass er nicht schon wegen der vorhergehenden Zerstörungen im Rahmen des Ausbruchs das Weite gesucht hatte.

„Es handelt sich um einen wirklich außergewöhnlichen Fund“, sagt Massimo Osanna vom Parco Archeologico di Pompei. Er passt ihm zufolge in interessanter Weise zu einem früheren: Dabei handelte es sich um die Überreste eines ebenfalls humpelnden Menschen, der möglicherweise wegen dieser Behinderung in der Stadt zurückgeblieben war. „Jenseits der emotionalen Aspekte solcher Funde, geben sie uns einen Einblick in das Fluchtverhalten und Schicksal der Bewohner Pompejis“, resümiert der Archäologe.

Quelle: Parco Archeologico di Pompei

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