Malta: Überraschend frühe Besiedlung - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Malta: Überraschend frühe Besiedlung

Malta hat eine wechselvolle Geschichte, die bis in die Jungsteinzeit zurückreicht. (Foto: Nanisimova/iStock)

Die Insel Malta wurde 700 Jahre früher besiedelt als bisher angenommen. Knochenfunde belegen, dass die ersten Menschen sich schon um 5900 vor Christus auf der Insel niederließen. Allerdings konnten sich diese ersten Malteser wegen Wassermangel nicht auf Dauer halten. Erst eine zweite Einwanderungswelle um 3850 v.Chr. führte zu einer längeren Besiedlung der Insel, wie Archäologen herausgefunden haben.

Malta hat eine wechselvolle Geschichte. Immer wieder wurde diese südwestlich von Sizilien gelegene Insel von verschiedensten Kulturen besucht und besiedelt – davon zeugen zahlreiche archäologische Funde. Die Spanne reicht von Resten jungsteinzeitlicher Megalithbauten über Keramikscherben und Gräber bis hin zu phönizischen, römischen und arabischen Fundstücken. Wann jedoch die ersten Menschen Malta erreichten, war bisher strittig. Die frühesten archäologischen Funde stammen aus der Zeit um 5000 v.Chr. und wurden in der Ghar Dalam-Höhle im Südosten der Insel entdeckt.

Neue Einblicke in die Frühgeschichte der Insel liefern nun Caroline Malone von der Queen’s University Belfast und ihr Team. Im Rahmen eines internationalen Projekts untersuchen die Archäologen seit gut fünf Jahren prähistorische Überreste auf Malta. Unter den Funden sind zehntausende menschlicher Knochen, die aus der Zeit vor 2350 v.Chr. stammen. Mithilfe von Radiokarbondatierungen und DNA-Analysen ist es den Wissenschaftlern gelungen, Herkunft und Alter dieser frühen Malteser zu bestimmen.

Die ersten Besiedler

Das Ergebnis: Schon um 5900 v. Chr. lebten erstmals Menschen auf Malta. „Die ersten Bewohner trafen damit rund 700 Jahre früher ein als bisher gedacht“, sagt Malone. Wie DNA-Vergleiche enthüllen, stammten sie aus verschiedenen Teilen des Mittelmeerraums, aber auch aus Nordafrika. Diese ersten Malteser blieben mehrere hundert Jahre auf der Insel, konnten sich aber nicht dauerhaft halten, weil ein Klimawechsel zu Wassermangel führte: „Als die Bedingungen zu schwierig wurden, mussten sie immer mehr zurückstecken“, erklärt Malone.

Als Folge dieses Klimawechsels blieb Malta mehrere Jahrhunderte lang nur dünn besiedelt. „Klimafluktuationen machten Malta im Laufe der Geschichte immer wieder vorübergehend unbewohnbar“, erklärt Malone. Wassermangel gekoppelt mit starker Bodenerosion erschwerte es den Menschen, auf dem kargen Eiland zu überleben. „Zwischen den ersten Siedlern und der nächsten Gruppe, die dauerhaft auf den maltesischen Inseln blieb, vergingen rund tausend Jahre.“

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Tempelbauer und Überlebenskünstler

Etwa um 3250 v.Chr. folgte dann eine zweite Einwanderungswelle – und führte zu einer Kultur, die 1500 Jahre lang auf Malta florierte. Diese Siedler kamen aus Sizilien, wie die DNA-Vergleiche zeigten. Ihnen verdankt Malta die Relikte der eindrucksvollen Megalith-Tempel, die bis heute erhalten sind. Unter den Knochenfunden identifizierten die Forscher die Überreste von mehr als 500 Menschen aus dieser Zeit. Isotopenanalysen enthüllen, dass sie Getreide und Hülsenfrüchte aßen, aber nur wenig Fleisch und kaum Fisch – vor allem in der Spätzeit ihrer Kultur.

Besonders eindrucksvoll finden die Archäologen aber die Fähigkeit dieser Siedler, trotz Wassermangel und Erosion effektiv zu wirtschaften. „Angesichts der begrenzten Landressourcen auf Malta ist es bemerkenswert, dass diese zweite Bevölkerung so lange überdauerte“, sagt Malone. „Diese Besiedlungs-Stabilität ist für Europa einzigartig. Es ist beeindruckend, wie diese Menschen trotz des immer stärker degradierenden Bodens so lange bleiben konnten.“ Erst als die Trockenheit extrem wurde, musste auch diese Bewohner Maltas aufgeben.

Quelle: Queen’s University Belfast

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