"Materiale Textkulturen": Vom antiken Papyri bis zur beschrifteten Hundeleine - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

„Materiale Textkulturen“: Vom antiken Papyri bis zur beschrifteten Hundeleine

Gegenüberstellung von Schutz­zauber (Gemme) und Vernichtungszauber (Feind­fi­gür­chen) (2./3. Jh. n.Chr. und undatiert). (Foto: Tina Schöbel)

Schrifttragende Artefakte aus unterschiedlichen Epochen und Kulturen sind in einer Ausstellung zu sehen, die das Universitätsmuseum Heidelberg noch bis Anfang März 2015 präsentiert. Gezeigt werden Objekte, an denen Wissenschaftler des Sonderforschungsbereichs „Materiale Textkulturen – Materialität und Präsenz des Geschrieben in non-typographischen Gesellschaften“ der Universität Heidelberg forschen. Unter den Exponaten befinden sich zwei Bleitäfelchen aus dem alten Ägypten, antike Papyri oder auch die Nachbildung einer beschrifteten Hundeleine aus Leder, wie sie in der Erzählung „Titurel“ des mittelalterlichen Dichters Wolfram von Eschenbach beschrieben wird.

Im Mittelpunkt der Arbeiten am Sonderforschungsbereich stehen Gegenstände, die in irgendeiner Form Schrift aufweisen. „Diese Objekte stammen aus Gesellschaften, die im technisch-modernen Sinne nicht über ,Massenmedien‘ verfügten oder bis heute verfügen, in der also keine Verfahren der massenhaften Produktion von schrifttragenden Artefakten zugänglich sind oder verbreitet waren“, erläutert der Mediävist Ludger Lieb vom Germanistischen Seminar, der Sprecher des Sonderforschungsbereichs „Materiale Textkulturen“ (SFB 933) ist.

Zeitlich reichen die Untersuchungen bis zu den ersten Keilschrifttafeln aus Mesopotamien zurück. Die rund 80 am SFB beteiligten Wissenschaftler arbeiten mit Gegenständen und Schriftzeugnissen, die vor allem aus dem Mittelmeerraum stammen, aber auch aus West- und Mitteleuropa, der arabischen Welt, Vorderasien, China, Japan und Bali.

„Die schrifttragenden Artefakte werden vor allem danach befragt, wie in einem bestimmten Handlungszusammenhang mit ihnen umgegangen und welche Bedeutung ihnen zugeschrieben wurde und wird. Ausgangspunkt ist hierbei die Materialität des Artefaktes und seine Machart“, betont Lieb. Die Präsentation der im Universitätsmuseum gezeigten Objekte reicht von der Ausstellung ausgewählter Originale bis zur digitalen Edition im vielfach verknüpften virtuellen Raum. Damit soll die Vielfältigkeit des Schreibens und Lesens, der schrifttragenden Artefakte sowie des Umgangs mit dem Geschriebenen sichtbar werden.

Die Ausstellung „Leben Dinge Texte“ wird vom 3. Februar bis zum 7. März 2015 im Universitätsmuseum Heidelberg, Grabengasse 1, gezeigt. Sie ist von Dienstag bis Samstag von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

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Quelle: Universität Heidelberg
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