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Geschichte+Archäologie

Maya: Salzgewinnung in großem Stil

Salzsieden
Schon die Maya praktizierten das Salzsieden (Foto: Polawat Klinkulabhirun/ iStock)

Ob aus dem Meerwasser, aus dem Untergrund oder aus Solequellen: Die Salzgewinnung hat in vielen Kulturen eine lange Tradition. Wie sich nun zeigt, gilt das auch für die Maya. Denn in Belize haben Archäologen die Überreste einer mehr als 1000 Jahre alten Salzgewinnungsanlage entdeckt. In fast industriellem Maßstab wurde dort Salz aus Meerwasser gewonnen und zum Einsalzen und Konservieren von Fisch und anderen Meeresfrüchten genutzt, wie Gebrauchsspuren an Werkzeugrelikten belegen.

Salz galt in vielen Kulturen als das weiße Gold – ein wertvolles Handelsgut und wichtiges Lebensmittel. Denn das Mineral ist nicht nur ein essenzieller Nährstoff für den menschlichen Körper, es hilft auch dabei, Lebensmittel zu konservieren. Schon im alten China, im römischen Reich und in anderen frühen Kulturen wurde daher Salz teils über weite Entfernungen hinweg transportiert und gehandelt.

Überreste von gut hundert Siedehütten

Eine große Salzgewinnungsanlage der Maya haben nun Forscher um Heather McKillop von der Louisiana State University in Belize entdeckt. Die Paynes Creek Salzfabrik erstreckt sich über ein rund fünf Quadratkilometer großes Gebiet am Ufer einer Küstenlagune, die im Sommer durch die Verdunstung sehr salziges Wasser enthielt. Heute ist dieses Gebiet überflutet und Teil eines Mangrovensumpfes, wie die Forscher berichten. Doch gerade das saure Milieu des zwischen den Mangrovenwurzeln abgelagerten Sediments trug dazu bei, hölzerne Überreste von Gebäuden und Werkzeugen bis heute zu erhalten.

Bei ihren Ausgrabungen stießen die Archäologen auf mehr als 4000 Holzpfosten, die einst die Dächer der Siedehütten trugen. Im Sediment dieser Hütten fanden sich Überreste von Tongefäßen, die dicht an dicht aufgereiht standen. Nach Ansicht der Forscher muss es sich bei diesen Gefäßen um Siedepfannen für die Salzgewinnung handeln. „Die Maya gewannen das Salz, indem sie das Meerwasser in diesen hölzernen Siedehütten in Töpfen über Feuern kochten“, berichten McKillop und ihre Kollegen. Beim Kochen verdampfte das Wasser und das Salz kristallisierte aus.

Salz und eingesalzenen Fisch für den Handel

Nach Schätzungen der Archäologen wurde in Paynes Creek Salz in fast industriellem Maßstab produziert: „Wenn man von einem Salzbedarf von acht Gramm pro Tag und Person ausgeht, hätte allein eine Salzküche in Paynes Creek genügend Salz für täglich 7087 Menschen produziert“, berichten die Forscher. „25 dieser Salzküchen konnten 88.594 Menschen mit dem Tagesbedarf an Salz versorgen.“ Die einheitliche Größe vieler in der Salzfabrik gefundener Siedegefäße spreche zudem dafür, dass die Maya das Salz in Paynes Creek gezielt für den Handel herstellten. „Die Abbildung eines Salzhändlers mitsamt der Glyphe für Salz zwischen anderen Händlern und Waren auf einem Gebäude in Calakmul in Mexiko belegt, dass Salz zu den Waren gehörte, die auf den Märkten der Maya gehandelt wurden“, erklären die Archäologen.

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Steinwerkzeuge
Maya-Steinmesser und -schaber für die Fischverarbeitung (Foto: Louisiana State University)

Doch das Salz war nicht das einzige, das die Salzfabrik von Paynes Creek für die Maya-Märkte lieferte: Bei ihren Ausgrabungen stießen die Wissenschaftler auch auf Werkzeuge aus Holz und Feuerstein, deren mikroskopische Gebrauchsspuren ihre Nutzung verrieten. „Ich war überrascht, dass die meisten dieser Werkzeuge offenbar zum Schneiden und Schaben von Fisch oder Fleisch genutzt worden sind“, sagt McKillop. „Das Einsalzen von Fisch könnte demnach eine wichtige Aktivität in der Salzfabrik gewesen sein. Der Fisch wurde geputzt, gesalzen und dann auf die Märkte des Inlands transportiert.“

Diese Konservierung könnte erklären, warum Archäologen auch in weit im Inland gelegenen Maya-Städten Überreste von Fisch und Meeresfrüchten gefunden haben. „Knochen von Meeresfischen wurden sowohl in zeremoniellen Zusammenhängen als auch in kleineren Abfallgruben von Inlandgemeinden entdeckt“, berichten die Forscher. Die Salzgewinnungsanlage von Paynes Creek war für die Maya der klassischen Periode demnach nicht nur eine Quelle wertvollen Salzes, sie war auch ein wichtiges Zentrum der Fischverarbeitung im Maya-Reich.

Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences, doi: 10.1073/pnas.1803639115

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