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Geschichte+Archäologie

Mehr Anerkennung für Henning von Tresckow eingefordert

Er ist nicht der Sohn Henning von Tresckows, das stellte Wilfried von Tresckow gleich zu Beginn seines Vortrags am Abend des 17. Juli 2012 im Haus der Geschichte in Stuttgart klar. Die beiden Familienlinien trennten sich bereits im späten 14. Jahrhundert. Dennoch ist er seinem berühmten Vorfahren eng verbunden. Der 20. Juli 1944 sei ohne den Generalmajor von Tresckow nicht denkbar, er war „Kopf und Herz der Operation Walküre“, so die Bewertung des Referenten.

Bis ins Jahr 1336 reiche die Familie von Tresckow auf ihrem Gut im Ruppiner Land im Norden Brandenburgs zurück, berichtete der Nachfahre. Er betonte diesen Hintergrund preußischer Tugenden als einen der Motoren für den Widerstand innerhalb des Militärs, an dem zahlreiche adlige Offiziere beteiligt waren. Es seien gerade nicht die nationalistischen Landjunker Preußens gewesen, die das braune Regime stützten, vielmehr versuchten sie es – zuletzt durch den Tyrannenmord – zu stürzen, so die These von Tresckows, der lange Jahre Vorsitzender des Familienverbandes war. Kritische Worte richtete er an diejenigen „jüngeren Historiker“, die den Verschwörern vom 20. Juli „verzögerte Moral“ vorwerfen, oder gar vermuten, diese hätten den Krieg ohne Hitler gewinnen wollen.

In seinem 50-minütigen Vortrag ging von Tresckow auf die lange Vorgeschichte des 20. Juli 1944 ein. Der Stratege des militärischen Widerstandes Henning von Tresckow plante bereits 1943 drei Bombenanschläge, um die Nazi-Führung zu töten. Er warb unermüdlich Verbündete für die Umsturzpläne ein, die bereit waren, Hitler in einem Selbstmordattentat zu töten, darunter Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff, Axel von dem Bussche und schließlich Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Wie die Widerstandskämpfer innerhalb der Wehrmacht die Zeit nach Hitlers Tod geplant hatten, darüber geben elf 2006 in Moskau entdeckte Seiten Auskunft. In verschlüsselten Befehlen, die keine der beteiligten Personen nennen, werden die auf den Tod Hitlers folgenden Schritte minutiös geplant. Die Bögen wurden von Erika von Tresckow, der Ehefrau Hennings getippt und 1943 nach einem missglückten Bombenattentat durch den Mitverschwörer Oberst Joachim Kuhn nahe des Wehrmachtquartiers Wolfsschanze vergraben. Dort sollten sie bis zu dem Moment liegen, in dem der Putsch gelingen würde. Es sollte jedoch niemals so weit kommen. Nach der Einnahme Ostpreußens durch die Rote Armee gelangten die Pläne in die Hände der sowjetischen Spionageabwehr. Bis 2006 lagen die Bögen vergessen im Moskauer Archiv. Ihre Entdeckung offenbart, dass die Ausarbeitung des „Walküre-Befehls“ 1944 wesentlich auf diesen älteren Plan zurückging, der dem Geist Henning von Tresckows entsprang.

Henning von Tresckow und seinen Verbündeten sei es, so der Vorsitzende der Stuttgarter Stauffenberg-Gesellschaft, General a.D. Wolfgang Schneiderhan, in seinem Schlusswort, zu verdanken, dass „die Macht zu befehlen und die Pflicht zu gehorchen heute begrenzt sind.“

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Quelle: Ulrike Schröder
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