Meißel aus Mammut-Elfenbein - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Meißel aus Mammut-Elfenbein

Die „Meißel“ aus Mammut-Elfenbein wurden vor etwa 38.000 Jahren vermutlich zu verschiedenen Zwecken genutzt. (Bild: Maria Malina, Universität Tübingen)

Einsatz vor 38.000 Jahren: Drei Meißel aus Mammut-Elfenbein vom berühmten Fundort „Hohler Fels“ geben Einblicke in die Werkzeugtechnik der altsteinzeitlichen Elfenbeinwerkstatt am Rande der Schwäbischen Alb. Das Archäologenteam, das die Weltkulturerbestätte erforscht, hat die drei zusammen entdeckten Werkzeuge nun der Öffentlichkeit präsentiert und zum Fund des Jahres 2019 erkoren.

Seit dem 19. Jahrhundert ist die Karsthöhle Hohler Fels eine Goldgrube der Archäologie – es handelt sich um eine der bedeutendsten archäologischen Fundorte des Jungpaläolithikums in Mitteleuropa. Der Hohle Fels beherbergte offenbar eine Art Elfenbeinwerkstatt: Große Mengen an Spänen und Splittern von Mammutstoßzähnen und Schnitzarbeiten wie die berühmte „Venus vom Hohle Fels“ wurden dort geborgen. In den vergangenen Jahren haben die Archäologen um Nicholas Conard von der Universität Tübingen weitere faszinierende Artefakte entdeckt, wie etwa Flöten oder einen Lochstab, der zur Herstellung von Seilen diente.

Ein Werkzeug-Satz aus der Altsteinzeit

Drei im vergangenen Jahr entdeckten Werkzeuge könnten nun genaueren Aufschluss darüber geben, wie die Menschen vor 38.000 Jahren bei der Herstellung ihrer Artefakte vorgingen, sagen die Wissenschaftler. „Wir konnten in den vergangenen Jahren schon gelegentlich Gegenstände als Werkzeuge identifizieren, die aus Knochen, Geweih oder Elfenbein gemacht waren“, sagt Conard. Doch nun förderten die Forscher gleich drei auf einmal zutage: „Eine solche Konzentration von Werkzeugen haben wir jedoch noch nie entdeckt – es ist ein regelrechter Werkzeug-Satz“, so der Archäologe.

Wie er und seine Kollegen berichten, sind die drei konisch flach zulaufenden Stäbe aus Mammut-Elfenbein zwischen 14 und 22 Zentimeter lang und bis zu vier Zentimeter breit. Den Datierungen zufolge wurden sie vor mehr als 38.000 Jahren aus den härtesten Bestandteilen von Mammutstoßzähnen hergestellt. Wie die genaueren Untersuchungen ergaben, weisen die Stäbe charakteristische Absplitterungen und Ausfransungen an den Enden auf, die von einer intensiven Nutzung als Werkzeug stammen.

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Vermutlich multifunktionaler Einsatz

Die Elfenbeinexpertin Sibylle Wolf vom Senckenberg Centre SHEP in Tübingen hat die Fundstücke unter dem Mikroskop untersucht und kommt zu dem Schluss, dass sie wahrscheinlich zunächst als Spitze und später umgearbeitet als Meißel, Keil, Stößel und Schlagwerkzeug zum Einsatz kamen. „Die Abnutzungen sprechen dafür, dass die Werkzeuge mit großer Wucht verwendet wurden“, sagt Wolf. „Denkbar wäre, dass einerseits mit dem schlanken Ende Materialien gespalten wurden und dass andererseits das dicke Ende als Schlagwerkzeug oder eine Art Stößel diente, etwa um andere Materialien zu zerkleinern“, so die Expertin.

„Wir sprechen wegen der charakteristischen Form der Funde von Meißeln“, sagt Conard. “Wie es aussieht, wurden sie als Multifunktionswerkzeuge benutzt, um unterschiedliche organische Materialien wie Elfenbein, Holz, Knochen oder Geweih zu bearbeiten.”. Welche Funktionen die Werkzeuge genau gehabt haben, sollen nun weitere Analysen und Experimente klären, kündigt das Team an. „Diese Funde könnten uns eine bessere Vorstellung von den handwerklichen Prozessen der Eiszeit geben und damit auch davon, wie die eiszeitlichen Kunstwerke entstanden“, sagt die Direktorin des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren Stefanie Kölbl. Dort werden die drei Werkzeuge nun als „Fund des Jahres 2019“ bis Anfang Januar 2021 ausgestellt.

Das Museum veranschaulicht das eiszeitliche Leben der Jäger und Sammler am Rand der Schwäbischen Alb vor 40.000 Jahren. Prominentestes Exponat ist das Original der „Venus vom Hohle Fels“. „Die Werkzeuge führen uns nun einmal mehr vor Augen, welch technische Meisterleistungen die Menschen damals erbrachten – ganz ohne elektrische Sägen, Bohrer oder Fräsen“, sagt Kölbl.

Quelle: Universität Tübingen

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