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Geschichte+Archäologie

Mensch erreichte Arabien schon vor 120.000 Jahren

Fußabdruck
Der erste am Alathar-See entdeckte menschliche Fußabdruck und das dazugehörige digitale Höhenmodell (Bild: Stewart et al., 2020)

Die Arabische Halbinsel bildet eine Brücke zwischen Afrika und Asien – diesen Verbindungsweg wussten auch schon unsere Vorfahren zu nutzen. Wann der Homo sapiens Arabien erreichte, ist jedoch unklar. Jetzt haben Forscher in einem alten Seebett in Saudi-Arabien 120.000 Jahre alte menschliche Fußabdrücke entdeckt – sie sind das bislang älteste Zeugnis unserer Vorfahren in dieser Region. Neben den Menschenspuren sind im Sediment auch hunderte Abdrücke von Tieren wie Elefanten, Kamelen und Pferden konserviert. Sie belegen, dass diese heute trockene Wüstengegend damals wasserreich und fruchtbar genug war, um Mensch und Tier zu ernähren.

Die Arabische Halbinsel ist heute eine von Trockenheit und Wüsten gekennzeichnete, eher unwirtliche Region. Unter anderem deshalb ist ihre Frühgeschichte bislang kaum erforscht. So gibt es inzwischen zahlreiche Fossilfunde, die belegen, dass der Homo sapiens schon vor mehr als 130.000 Jahren aus Afrika bis in die Levante gelangt sein muss. Ob unsere Vorfahren aber auch über Arabien in Richtung Asien zogen und ob diese Region damals überhaupt lebensfreundlich genug war, blieb lange unklar. Inzwischen gibt es jedoch ausreichend Indizien dafür, dass die Arabische Halbinsel in der Zeit vor 120.000 bis 80.000 Jahren mehrere Phasen mit einem milden, feuchten Klima durchgemacht hat. ‚“Es gab immer wieder Zeiten in der Vergangenheit, in der sich die Wüsten in ausgedehntes Grasland mit Süßwasserseen und Flüssen verwandelten“, erklärt Richard Clark-Wilson von der Royal Holloway University. „Während dieser Perioden des klimatischen Aufschwungs drangen auch menschliche und tierische Populationen in das Innere der Halbinsel vor, wie die archäologischen und fossilen Aufzeichnungen zeigen.“ Die bislang ältesten Zeugnisse dafür waren rund 100.000 Jahre alt.

Fußspuren im prähistorischen Seegrund

Doch jetzt gibt es noch ältere Spuren – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Clark-Wilson, Mathew Stewart vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena und ihre Kollegen haben in der Nefud-Wüste in Saudi-Arabien hunderte von versteinerten Fußspuren entdeckt, die aus der Zeit vor rund 120.000 Jahren stammen. Unter den rund 370 Abdrücken sind zahlreiche Spuren großer Pflanzenfresser wie Elefanten, Kamele, Pferde oder Antilopen. „Wir erkannten sofort das Potenzial dieser Funde“, sagt Stewart. „Fußabdrücke sind eine einzigartige Form fossiler Beweise, da sie Momentaufnahmen aus der Vergangenheit liefern, die typischerweise nur einige Stunden oder Tage abbilden, eine hohe Auflösung, die wir von anderen Aufzeichnungen gewöhnlich nicht erhalten.“ Der Fund zahlreicher Fußabdrücke an einem einzigen Ort und weitere Funde in den Sedimenten des Sees lassen vermuten, dass sich die Tiere um den See herum versammelten, als anhaltende Trockenheit zu einer abnehmenden Wasserversorgung führte.

Unter den vielen Tierspuren entdeckten die Forscher auch sieben Abdrücke von Menschen. Aufgrund ihrer Form und Größe und ihrer Datierung schließen sie, dass es sich um die Spuren unserer Vorfahren handeln muss. „Es gibt Hinweise, dass Neandertaler erst nach der letzten Zwischeneiszeit und mit der Rückkehr kühlerer Bedingungen in die Region zogen“, sagt Stewart. „Die Fußabdrücke, die wir gefunden haben, stammen deshalb höchstwahrscheinlich von Angehörigen unserer Spezies, Homo sapiens.“ Vier der menschlichen Fußabdrücke liegen nahe beieinander am südwestlichen Rand des Urzeitsees. „Angesichts ihrer gleichen Ausrichtung, ihrer Abstände voneinander und der unterschiedlichen Größen gehören sie wahrscheinlich zu zwei oder drei Individuen, die gemeinsam hier entlanggingen“, erklären die Wissenschaftler.

Frühester Beleg für die Präsenz des Menschen

Diese Fußspuren sind der bislang früheste datierte Beweis für eine menschliche Präsenz in diesem Teil der Welt. „Die Anwesenheit großer Tiere, wie Elefanten und Flusspferde, sowie offenes Grasland und große Wasservorkommen könnte Nordarabien zu einem besonders attraktiven Ort für Menschen gemacht haben, die zwischen Afrika und Eurasien hin und her zogen“, sagt Co-Autor Michael Petraglia vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. Was diese Menschen damals an diesem See taten, ob sie Wasser schöpften, nach Nahrung suchten oder einfach nur rasteten, ist allerdings unklar. „Wir wissen zwar, dass Menschen den See besuchten, aber das Fehlen von Steinwerkzeugen oder Funde, die auf die Verwendung von Tierkadavern hinweisen, legen nahe, dass ihr Besuch am See nur kurz gewesen sein muss“, sagt Stewart.

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Insgesamt legen diese Funde nahe, dass die Arabische Halbinsel und auch ihr Norden während der letzten Zwischeneiszeit von Menschen besucht und genutzt wurde. Gleichzeitig bestätigen die Spuren, dass der Homo sapiens schon vor 120.000 Jahren Afrika verlassen hatte und sowohl in der Levante als auch in Arabien präsent war.

Quelle: Mathew Stewart (Max-Planck-Institut für chemische Ökologie, Jena) et al., Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.aba8940

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