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Geschichte+Archäologie Gesellschaft+Psychologie

Mikroben an Sohlen könnten Täter entlarven

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Credit: Thinkstock
„Sie waren am Tatort und zuvor in der Wohnung des Opfers – das belegen Bakterien an ihren Schuhen!“ Beweisführungen dieser Art werden vielleicht eines Tages Täter im Gerichtsaal ins Schwitzen bringen: Die sogenannte mikrobielle Forensik könnte zukünftig die Aufenthaltsorte und Wege von Verdächtigen aufdecken, legt eine experimentelle Studie nahe.

Wir sind niemals ganz allein – in, auf und um uns herum leben Myriaden von Mikroorganismen. Ergebnisse des sogenannten „Home Microbiome Projects“ haben 2014 bereits spannende Einblicke in die Beziehung des Menschen mit dieser artenreichen Mikroben-Gesellschaft gegeben. Einzelne Menschen, Familien, Wohnräume und Gegenstände besitzen demnach eine mikrobielle Signatur, die sich in der Zusammensetzung der Bakterienarten in charakteristischer Weise unterscheidet. Diesen lebendigen Fingerabdruck stempeln wir Gegenständen und Personen bei Kontakt auf. Aber auch umgekehrt kann unsere Umwelt mikrobielle Spuren auf uns und unseren persönlichen Gegenständen hinterlassen.

Mikrobielle Forensik heißt das Stichwort

Diese Zusammenhänge sind nicht nur aus gesundheitlicher Sicht interessant, sondern auch für die Spurensuche bei Kriminaldelikten, sagen Simon Lax von der University of Chicago und seine Kollegen. „Die menschlichen Mikroben-Fingerabdrücke wurden bereits verwendet, um Personen mit Gebrauchsgegenständen in Verbindung zu bringen, wie beispielsweise Computertastaturen“, erläutert Lax. „Wir wollen nun herausfinden, wie sich die Spuren mikrobieller Interaktionen mit der Zeit verändern und ob sie verwendet werden können, um Bewegungen von Personen zu verfolgen“, so der Forscher.

Für die aktuelle Pilotstudie nahmen zwei Probanden über zwei Tage hinweg zu jeder vollen Stunde mit einem Wattetupfer Proben von den Sohlen ihrer Schuhe und dem Boden auf dem sie gingen. Zudem machten sie Abstriche von ihren Handys, um auch möglichen Spuren von Bewegungen auf diesen viel benutzten Objekten erfassen zu können. Alle Proben wurden anschließend in einem Labor untersucht, um die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaften zu jedem Zeitpunkt und bei jedem der Gegenstände beziehungsweise Oberflächen zu ermitteln.

Bakterien, die an Schuhsohlen kleben …

Die Auswertungen der Forscher ergaben: In der Mikrobenzusammensetzung auf den Schuhsohlen spiegelte sich klar diejenige des jeweiligen Bodens wider, auf dem die Probanden zu einem bestimmten Zeitpunkt gelaufen waren. Die Forscher waren überrascht, wie klar und charakteristisch sich die Signaturen auf den Schuhen im Zusammenhang mit den jeweiligen Standorten ablesen ließen, welche die Probanden besucht hatten. „Wir haben festgestellt, dass sogar wenn sich eine Person nur aus dem eigenen Zimmer in das eines Freundes begeben hat, dies bereits eine deutlich nachweisbare Verschiebung bei den Mikrobenzusammensetzungen zur Folge hatte“, sagt Lax. Im Gegensatz zu Schuhen eignen sich die Veränderungen der Mikrobengesellschaften auf Handys weniger, um Bewegungen einer Person nachvollziehen zu können, zeigten die Auswertungen.

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„Die mikrobielle Forensik ist eine Disziplin in der Entwicklungsphase und viele weitere Studien sind nötig, um ihr Potenzial auszuloten“, sagt Simon Lax. Bei der aktuellen Untersuchung handelte es sich um eine Pilotstudie, betont er. „Nun ist es wichtig, bei großen Probandengruppen festzustellen, ob sich Personen mit Objekten eindeutig verknüpfen lassen“, so der Wissenschaftler.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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