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Geschichte|Archäologie

Mittelalterliche Warmluftheizung entdeckt

Reste des Schürkanals, in dem das Feuer für die Steinspeicherheizung entzündet wurde. (Foto: LWL/ R. Klostermann)

Archäologen haben im Kloster Wedinghausen in Arnsberg die Reste einer Warmluftheizung aus dem 12. Jahrhundert entdeckt. Es handelte sich offenbar um ein sogenanntes Steinspeicher-Heizungssystem – eine besonders raffinierte Version der Warmluftheizung, die bisher als eine Entwicklung des Spätmittelalters galt.

Für uns sind Heizungen in allen Räumen heute selbstverständlich – doch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein waren erwärmte Räume etwas Besonderes. Oft war in einem Gebäude nur ein Raum im Winter warm: die Küche. „Dass Heizungen gerade im Mittelalter regelrechter Luxus waren, kann man sich vor diesem Hintergrund gut vorstellen. Welchen hohen technischen Stand die mittelalterlichen Heizungsanlagen bereits erreichen konnten, dokumentiert nun der Fund im Kloster Wedinghausen“, sagt Wolfram Essling-Wintzer vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Zu der Entdeckung hatten Umbauarbeiten im Klostergebäude geführt, berichten die Archäologen. Dabei tauchte unter dem Fußboden eines Nachbarraums des Kapitelsaals, dem klösterlichen Versammlungsraum, Mauerwerk mit Ruß- und Brandspuren auf. Im Laufe der anschließenden Ausgrabung legten die Archäologen einen 2,70 Meter langen und 1,65 Meter breiten Raum sowie einen Vorraum frei. Es sind die Reste einer Heizungsanlage, erklären die Experten. Funde von zahlreichen Steinen belegen, dass es sich wohl um eine bestimmte Bauform einer Luftheizung gehandelt hat: eine Steinspeicherheizung.

Clevere Technik des Mittelalters

Bei einer Steinspeicherheizung brannte das Feuer in einem kellerartigen Raum mit einer gewölbten Ziegeldecke. Auf ihr lagerten Fluss-Steine, an welche die Hitze übertragen wurde. Darüber befand sich wiederum ein Gewölbe, auf dem ein Fußboden lag, der mit verschließbaren Öffnungen versehen war. Wenn sie geöffnet wurden, strömte durch die Zugwirkung Frischluft durch das darunter liegende System, erwärmte sich an den Steinen und gelangt in den Raum. Auf diese Weise konnte schon im 12. Jahrhundert eine lang anhaltende Wärme von über 20 Grad bei Außentemperaturen nahe Null gewährleistet werden.

Bei dem beheizten Raum im Erdgeschoss des Ostflügels des Klosters Wedinghausen handelte es sich vermutlich um eine Wärmestube (Kalefaktorium) in der sich die Mönche erholen, baden oder auch arbeiten konnten. Starke Rußniederschläge deuten darauf hin, dass die Steinspeicherheizung über lange Zeit in Betrieb war. Der Datierung zufolge stammt sie aus der Gründungszeit des Klosters um 1170/73. „Das ist ein für diese Zeit enorm kniffliges, technisch wie handwerklich anspruchsvolles System“, resümiert Essling-Wintzer.

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Grundsätzlich sind frühe Versionen von Luftheizungen schon aus dem 10. Jahrhundert bekannt. „Nach heutiger Forschungslage kennen wir Steinspeicherheizungen aber erst aus dem späteren 13. Jahrhundert“, sagt Essling-Wintzer. Der Fund in Arnsberg scheint nun zu widerlegen, dass es sich um eine Entwicklung des Spätmittelalters handelt. „Nicht nur für die Geschichte der Klöster in Westfalen, auch für die überregionale Kultur- und Technikgeschichte ist dieser Fund von besonderer Bedeutung,“ sagt Hans-Werner Peine, Leiter des LWL-Referats für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie.

Quelle: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)
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