Mongolei: Käse und Quark schon vor 3300 Jahren - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Mongolei: Käse und Quark schon vor 3300 Jahren

Mongolische Milchwirtschaft
Das Melken von Tieren wird in der Mongolei seit mehr als 3000 Jahren praktiziert. (Foto: Christina Warinner)

Die Nomadenvölker der Mongolei leben noch heute vom Fleisch und der Milch ihrer Tiere. Doch wann ihre Vorfahren damit begannen, Nutztiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder nicht nur zu schlachten, sondern auch zu melken und Milchprodukte herzustellen, war bisher unklar. Jetzt haben Forscher die bisher ältesten Belege für eine Milchweidewirtschaft in der Mongolei entdeckt. Demnach erzeugten Menschen dort schon vor 3300 Jahren Käse und Quark – ohne dass Einwanderer aus dem Westen diese Kulturtechniken mitbrachten.

Nicht erst seit Dschingis Khan eroberten Reiternomaden aus der zentralasiatischen Steppe immer wieder weite Teile Europas und Asiens. Diese Kulturen waren dank ihrer Naturweidewirtschaft mobil und flexibel: Bei der Eroberung neuer Gebiete nahmen sie ihre Herden von Schafen, Ziegen, Rindern mit und verfügten so immer über genügend Nachschub an Fleisch und Milchprodukten. „Milchprodukte sind eine reichhaltige Nährstoff- und Wasserquelle und bilden daher in kalten, trockenen Steppenumgebungen eine gut angepasste Überlebensstrategie“, erklären Choongwon Jeong vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena und seine Kollegen.

Spurensuche in der Hirschstein-Khirigsuur-Kultur

Für den Beginn der Milchwirtschaft bei den Nomadenkulturen im Westen der eurasischen Steppe gibt es zahlreiche archäologische Belege: Sie begannen wahrscheinlich schon im zweiten Jahrtausend vor Christus damit, die Milch von Schafen, Ziegen und Rindern zu verarbeiten. Doch wann die Mongolenvölker im Osten der eurasischen Steppe mit der Milchwirtschaft begannen, war bisher unklar. Um das zu ändern, haben Jeong und sein Team nun 22 Tote aus der bronzezeitlichen Hirschstein-Khirigsuur-Kultur in der nördlichen Mongolei näher untersucht.

„Der Hirschstein-Khirigsuur-Komplex ist bekannt für seine monumentale Architektur, darunter aufrechte Steine mit Hirsch- und anderen Motiven, und große Steinhügel, die oft mit einem oder mehreren Gräbern von Menschen zusammenhängen“, erklärt Jeongs Kollegin Shevan Wilkin. Gleichzeitig ist diese Kultur die erste, die archäologisch mit der Naturweidewirtschaft in der Mongolei verbunden ist. Bereits im 13. Jahrhundert v. Chr. findet man an ihren Lagerstätten Knochen von Schafen, Ziegen, Rindern und Pferden. Doch ob diese Nutztiere auch gemolken wurden und aus ihrer Milch Quark oder Käse gemacht wurde, war unbekannt. Im Zahnstein von neun Toten aus dieser Zeit haben die Forscher deshalb nach Spuren von Milchproteinen gesucht und zusätzlich die Herkunft der Toten mittels DNA-Analysen geklärt.

Milchwirtschaft von Nachbarn abgeguckt

Dabei zeigte sich: Bereits vor etwa 3300 Jahren hatte sich die Haltung von Rindern, Schafen und Ziegen als Milchvieh in der nördlichen Mongolei etabliert. Denn im Zahnstein von sieben von neun Individuen wiesen die Forscher typische Proteine aus Quark und Molke nach. Diese stammten aus der Milch von Schafen, Ziegen und Rindern, wie die Forscher berichten. Das bestätige, dass in dieser Kultur Milchprodukte bereits 1300 v. Chr. konsumiert wurden. Bei den Proben handelt es sich damit um die bislang ältesten direkten Belege für Milchwirtschaft in der Mongolei.

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Interessanterweise jedoch etablierte sich die Kulturtechnik der Milchwirtschaft offenbar nicht durch Einwanderer – wie es bei der Einführung der Landwirtschaft in Europa der Fall war. Denn Genvergleiche der Hirschstein-Khirigsuur-Toten mit Steppennomaden aus den westlicher liegenden Gebieten der eurasischen Steppe ergaben kaum Übereinstimmungen. „Wir sehen keine Belege für die Art von großflächigem Bevölkerungsersatz durch Hirten der westlichen Steppe, wie sie im bronzezeitlichen Europa oder in der nahegelegenen Altai-Sayan-Region beobachtet wurde“, berichtet Jeong.

Stattdessen schauten sich die Nomaden der Mongolei die Milchwirtschaft offenbar von ihren westlichen Nachbarn ab. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass benachbarte westliche Steppenhirten den Milchpastoralismus direkt oder indirekt vor allem durch einen kulturellen Austausch in die einheimische Bevölkerung eingeführt haben“, erklärt Jeong.

Quelle: Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, Fachartikel: Proceedings of the National Academy of Sciences, doi: 10.1073/pnas.1813608115

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