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Geschichte|Archäologie

Mord auf Eiderstedt

1841, in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober, wurde im Kirchspiel Oldenswort auf Eiderstedt (Halbinsel im Kreis Nordfriesland, Schleswig-Holstein) ein Raubmord verübt: Carsten Hinz, selbst aus der Gegend gebürtig, war des Nachts in das Gehöft des Bauern Hamann eingebrochen, um nach verstecktem Geld zu suchen. Hinz wurde von Hamann, dessen Frau und einer Magd überrascht und erschlug daraufhin den Bauern kaltblütig mit einem Beil. Der Magd fügte er schwere Verletzungen zu.

1844 erschien ein Bericht mit dem Titel „Das Leben, das Verbrechen und die Bekehrung des Mörders Carsten Hinz, von ihm selber aufrichtig erzählt“. Herausgegeben hatte diesen Text Pastor Gustav Schumacher aus Tönning, der Hinz in seiner dortigen Haft seelsorgerisch betreut hatte.

Dass der wenig gebildete Sohn eines Tagelöhners ausführlich sein Leben erzählt, ist schon bemerkenswert genug. Ganz im Sinne der damals populären Ideen der Gefängnisreform hatte Pfarrer Schumacher Hinz zur Abfassung seiner Lebensgeschichte gedrängt; er erhoffte sich läuternde Wirkungen davon. Der Leser erfährt von einem Leben in Armut, von ersten Diebstählen, Schlägereien, Verurteilungen, Hafterfahrungen.

Im zweiten Teil des Berichts wird minutiös die „Bekehrung“ des zunächst als völlig verstockt beschriebenen Hinz zu einem gläubigen Christen geschildert. Sieben Jahre hatte dieser seine Tat geleugnet, bis er durch die Bekehrung des Pastors endlich geständig war. Der Delinquent wurde so zum lebenden Beispiel eines gelingenden „Besserungsstrafvollzugs“, der den Kriminellen nicht nur verwahren, sondern dessen Seele retten wollte.

Mit der dramatischen Schilderung der Bekehrung verbindet Schumacher scharfe Kritik an den bestehenden Strafanstalten, erst sie hätten aus Hinz einen Schwerkriminellen gemacht. Und wirklich kann man lesen, wie Hinz im Stockhaus (Gefängnis) in Tönning rauschende Trinkgelage mit dem Wärter veranstaltete, aber auch schwere Knutenhiebe einstecken musste.

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Wegen der Schwere der Tat entging Hinz trotz Geständnis und Bekehrung nicht dem Richtbeil: Am 1844 wurde er auf dem „Robbenberg“ in Tönning enthauptet. Dies war die letzte Hinrichtung auf Eiderstedt überhaupt. Vor den mehr als 1000 Schaulustigen hatte Hinz zuvor noch eine ergreifende Abschiedsrede gehalten. Es ist das Verdienst von Manfred-Guido Schmitz, diesen spannenden Text der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht zu haben.

Literatur: Gustav Schumacher, Der „Mordfall Carsten Hinz“ und die letzte Hinrichtung auf Eiderstedt. Hrsg. von Manfred-Guido Schmitz. Nordstrand / Nordsee 2010.

Quelle: Dr. Heike Talkenberger
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