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Geschichte|Archäologie

Münzen bringen Licht in rätselhaften Todesfall

Die Tomografie-Aufnahme der jüngsten mit Prägejahr versehenen Münze, zeigt das Jahr 1629. (Foto: Empa)

Ungewöhnlicher Toter: In einem mittelalterlichen Friedhof bei Bern machten Archäologen 2013 einen rätselhaften Fund. Unter den Toten befand sich ein Mann, der bäuchlings im Grab lag und noch seine Geldbörse bei sich trug. Sowohl Position als auch Geld deuteten auf äußerst ungewöhnliche Todesumstände hin. Jetzt hat eine Analyse der Münzen mit modernster Computertomografie mehr Licht in diesen historischen Todesfall gebracht.

Der geheimnisvolle Tote war 2013 im Dorf Schüpfen im Berner Oberland entdeckt worden, als Bauarbeiter auf die Überreste eines mittelalterlichen Friedhofs stießen. In anschließenden Ausgrabungen fanden Archäologen insgesamt 342 Tote, die zwischen dem 8. und 17. Jahrhundert dort beerdigt wurden.

Bäuchlings und mitsamt seiner Geldbörse

Doch einer dieser Toten gab Rätsel auf: Er wurde etwas von den anderen abgesondert gefunden und war offenbar bäuchlings, mit dem Gesicht nach unten, ins Grab gelegt worden. „Das ist ziemlich ungewöhnlich“, sagt Christian Weiss, Numismatiker beim Archäologischen Dienst des Kantons Bern. Neben dem Skelett fanden die Archäologen zudem ein Messer und mehrere miteinander verklumpte Münzen – offenbar die Reste einer Geldbörse.

Diese Funde erhärten den Verdacht, dass dieser Mann nicht unter gewöhnlichen Umständen ums Leben kam. Denn wäre der Tote vor der Beerdigung noch gewaschen worden, wie dies schon damals üblich war, hätte man den Geldbeutel gefunden und abgenommen. Grabbeigaben dagegen waren zu dieser Zeit nicht mehr gebräuchlich. Was war geschehen? Hatte der Mann eine ansteckende Krankheit und musste schnell begraben werden? Oder handelte es sich hier um einen Raubmord oder gar eine Vergeltungstat?

Münzen im Computertomografen

Um mehr über den Mann und seine Todesumstände herauszufinden, untersuchten die Forscher die Überreste der Geldbörse genauer. Doch die Münzen waren zu einem einzigen festen Block korrodiert, der sich durch Präparation nicht trennen ließ. Das Risiko, dabei die Münzen zu zerstören war zu groß. Auch herkömmliche Röntgentechnik brachte keine verwertbaren Informationen zutage, die übereinander liegenden Münzen führten zu stark überbelichteten Bildern.

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Abhilfe schaffte ein spezieller Computertomograf an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa. Dieses Gerät verfügt über besonders energiereiche Röntgenstrahlung und kann daher selbst die verklumpten Münzen problemlos durchdringen und ihre Oberflächen einzeln abbilden. „Wir wussten nicht genau, ob es funktioniert, denn das war unsere allererste Messung mit dem neuen Gerät“, berichtet Mathieu Plamondon, Röntgenspezialist an der Empa.

Tod eines Handlungsreisenden

Bereits die erste Röntgenaufnahme lieferte überraschend gute Bilder. Im Querschnitt waren 24 dünne Münzen zu erkennen – manche einseitig, andere beidseitig geprägt. Einige Münzen enthielten zwei verschiedene Metalle, eine der Münzen im Portemonnaie bestand komplett aus purem Silber. Durch Nachjustieren des Röntgenstrahls gelang es den Forschern, auch die Prägungen auf den Münzen sichtbar zu machen. Sie verrieten, dass die jüngste Münze aus der Geldbörse aus dem Jahr 1629 stammte. Demnach muss der Mann kurz nach diesem Zeitpunkt bestattet worden sein.

Auch wie der Mann gelebt hatte, geben die Münzen preis. „Es ist möglich, dass dieser Mann ein reisender Geschäftsmann war“, sagt Weiss, „denn in seiner Geldbörse befinden sich Münzen aus den Regionen Fribourg-Bern-Solothurn, Basel-Freiburg im Breisgau und Luzern-Schwyz.“ Jede dieser Regionen hatte damals ihr eigenes, regional zirkulierendes Geld.

Über die Todesumstände verraten die Münzen dagegen nur indirekt etwas: „Sämtliche Münzen entsprechen Kleingeld. Da ist nichts drin, was einer heutigen Hunderternote entsprechen würde“, berichtet Weiss. Seiner Ansicht nach ist es daher unwahrscheinlich, dass der Mann damals bei einem Raubmord starb. Nicht auszuschließen sei es aber, dass der Tote aus anderen Gründen ermordet wurde, beispielsweise aus Rache. Die ungewöhnliche Art seines Begräbnisses könnte für einen Mord sprechen. Ob der Tote aus dem Friedhof aber tatsächlich aus Rache getötet wurde, bleibt offen.

Quelle: Empa
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