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Geschichte|Archäologie

Münzfund datiert den Niedergang von Ephesos

Ephesos: Blick auf die Obere Agora mit der Fundstelle des Hortfunds. (Foto: ÖAW-ÖAI/Niki Gail)

In den 520er Jahren n. Chr. muss das Verwaltungszentrum der einst glanzvollen Metropole Ephesos bereits in Trümmern gelegen haben: Das schließen Archäologen aus den Umständen eines Münzfundes aus den Resten der Oberen Agora. Der Beutel mit den Talern aus dem frühen 6. Jahrhundert muss von oben in einer Spalte versteckt worden sein, was bedeutet, dass die dortige Säulenhalle zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend zerstört war.

Mächtig, reich und prachtvoll: Noch heute zeugen monumentale Überreste von der einstigen Bedeutung des antiken Ephesos. Auch eines der sieben Weltwunder hatte die Großstadt zu bieten: Den gigantischen Tempel der Artemis. Bis zum Ende der Antike dominierte die Metropole die Region im Westen Kleinasiens. Doch in den Wirren der Völkerwanderung und des Zusammenbruchs der Strukturen des römischen Reiches verlor Ephesos schließlich zunehmend seine Bedeutung. Plünderungen, die Pest und Erdbeben kennzeichneten die Zeit des Niedergangs der Stadt. ihr Zentrum verlagerte sich in dieser Ära – die antike Pracht verfiel und wurde als Steinbruch genutzt. Letztlich entwickelte sich aus Ephesos nicht wie im Fall anderer antiker Metropolen eine moderne Großstadt: Heute befindet sich in der Nähe der Ruinen nur der vergleichsweise kleine türkische Ort Selcuk.

Wie genau der Niedergang von Ephesos in der Spätantike ablief, ist rätselhaft: Es ist vor allem unklar, wann genau die Obere Agora ihre Funktion verloren hat. Es handelte sich um das Verwaltungszentrum der Stadt, das von prächtigen Bauten mit politischer und religiöser Bedeutung geprägt war. Es ist bekannt, dass die Gebäude schließlich als Quelle für Baumaterial dienten. Das Stadtzentrum verlagerte sich in die Hafengegend, wo sich auch Bauteile der oberen Agora wiederfinden. Wann dieser Abbauprozess begann, lässt sich nun anhand des ungewöhnlichen Münzfundes eingrenzen.

Ein Beutel Münzen – in Ruinen versteckt

Archäologen des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) haben in diesem Jahr während Ausgrabungen auf der Oberen Agora 160 Münzen entdeckt. Sie waren in den 520er Jahren n. Chr. in einem nicht mehr erhaltenen Beutel aus organischem Material in einem schmalen Mauerspalt der Säulenhalle (Stoa) des Platzes versteckt worden. „Die gefundenen Münzen datieren das Ende des kaiserzeitlichen Verwaltungszentrums der Stadt”, erklärt Grabungsleiterin Sabine Ladstätter. „Der Beutel kann nur von oben in der Spalte versteckt worden sein, was bedeutet, dass die Säulenhalle zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend abgetragen war. Wir können daher davon ausgehen, dass die obere Agora bereits um 520 n. Chr. in Ruinen stand und die ehemals repräsentativen Gebäude als Quelle für Baumaterial dienten”, sagt die Archäologin.

Wie die Forscher berichten, ermöglichen die Münzen neben der zeitlichen Zuordnung auch weitere interessante Einblicke in das Leben in der Stadt dieser Endzeit. „Die Zusammensetzung des Hortfundes belegt letztendlich intensive Handelsbeziehungen von Ephesos mit Nordafrika auch nach der vandalischen Eroberung. Nur so ist erklärbar, dass Münzen mit Porträts der Könige Thrasamund und Hildirich neben jenen der byzantinischen Kaiser Anastasius und Zeno zirkulierten”, berichtet Nikolaus Schindel, der sich mit der Analyse der Münzen befasst hat.

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Ephesos und die seine Obere Agora werden nun auch weiterhin im Fokus der Archäologie bleiben. Die aktuellen Ausgrabungen des ÖAI erfolgten im Rahmen einer Kooperation mit einem Projekt der Universität Regensburg unter der Leitung von Dirk Steuernagel. Ziel des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Projekts ist es, die Geschichte und Funktion der Oberen Agora zu erforschen.

Quelle: Österreichisches Archäologisches Institut
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