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Felsenstadt Petra

Nabatäische Wandmalereien im Blick

Rekonstruktion der Malerei in der ausgemalten Wohnhöhle von Wadi as-Siyyagh. Jede Wand im Raum war mit anderen geometrischen Mustern gestaltet. (Bild: Doris Botwen/Rebecca Tehrani/TH Köln)

Die aus dem Fels gemeißelte Architektur ist das Markenzeichen der berühmten Hauptstadt der Nabatäer – doch Petra hat weitere Besonderheiten zu bieten: Wissenschaftler berichten über die ungewöhnlich geometrisch gestalteten Wandmalereien in der geheimnisvollen Felsenstadt. Im Rahmen ihres Forschungsprojekts haben sie Einblicke in die Malereitechnik sowie die verwendeten Materialien gewonnen und konnten zudem wichtige Informationen für die Konservierung und Restaurierung der empfindlichen Kunstschätze liefern.

Ganze Bergwände haben sie zu Fassaden modelliert: In ihrer Hauptstadt Petra im heutigen Jordanien schufen die Nabatäer vor rund 2000 Jahren faszinierende Monumentalbauten und Kunstwerke. Lange waren vor allem die großen Fels-Mausoleen bekannt, doch dann wurden auch immer mehr Gebäude und Strukturen der antiken Stadt entdeckt. Unter ihnen befinden sich auch die prächtige Villa von ez-Zantur, die Wohnhöhle Wadi as-Siyyagh sowie Funde in al Baida, einem auch „Little Petra“ genannten Vorort der Nabatäerstadt. Der Erforschung dieser Ruinen widmet sich ein deutsches Forscherteam unter der Leitung der Technischen Hochschule Köln. Im Rahmen des „Petra Painting Conservation Projects“ liegt ihr Fokus dabei auf der Untersuchung der Malereien, die einst die Wände und Decken dieser Gebäude zierten.

Malerei der besonderen Art

„An den bisher ausgegrabenen nabatäischen Monumenten finden sich Spuren von Wandmalereien, die besonders durch ihre geometrischen Formen auffallen und für die eine präzise Planung nötig war. Römische oder ägyptische Wandmalereien aus dieser Epoche weisen keine vergleichbare geometrische Gestaltung auf. Auch die vergoldeten Verzierungen der Wände und die filigran gearbeiteten Stuckaturen sind einzigartig“, sagt Adrian Heritage von der TH Köln. „Die Nabatäer haben kaum Schrifterzeugnisse hinterlassen. Darum sind ihre Wandmalereien von ungemeiner historischer Bedeutung zum Verständnis dieser Kultur“, betont Heritage.

Um Einblicke zu erhalten, wie die Nabatäer diese Kunstwerke etwa ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. schufen, führten Heritage und seinen Kollegen umfangreiche Untersuchungen an den Wandmalereien durch: „Wir haben Trägermaterial, Putz, Malschicht, Pigmente und die verwendeten technischen Hilfsmittel analysiert. Denn der heutige Zustand der Wandmalereien lässt sich ohne dieses Wissen nicht verstehen“, erklärt Rebecca Tehrani von der TH Köln.

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Im Fall der Villa von ez-Zantur aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. konnten die Wissenschaftler zeigen: Die nabatäischen Künstler trugen zunächst mehrere Schichten Kalkputz auf und fertigten dann ihre Gemälde auf dem getrockneten Putz an. Es handelte sich dabei also um die sogenannte Seccotechnik, erklären die Forscher. Zur Konstruktion der geometrischen Formen kamen Unterzeichnungen, Zirkel und Ritzungen zum Einsatz, ergaben die Untersuchungen. Was die verwendeten Materialien betrifft, zeigte sich: Für die farbigen Effekte verwendeten die Nabatäer eine ganze Reihe verschiedener Pigmente: Kreide, roten Ocker, Eisenoxid, Zinnober, das mineralische „Ägyptisch Blau“, grüne Erde oder Kohlenstoff.

Wandmalereien in Gefahr

In diesem Zusammenhang deckten die Forscher auch problematische Folgen der Ausgrabungen auf: Es kann zu verfälschenden Pigmentveränderungen kommen. So zeigte der Vergleich von Aufnahmen, die kurz nach der Ausgrabung der Villa von ez-Zantur entstanden sind, mit aktuellen Fotos, dass eine ehemals hellrote Malschicht heute grau-grünlich erscheint. „Wir gehen davon aus, dass die organischen Bestandteile in der Farbe durch den Einfluss der UV-Strahlung verblasst sind und die bleihaltigen Pigmente durch die veränderten klimatischen Umgebungsbedingungen nach der Ausgrabung chemisch reagiert haben“, erklärt Tehrani.

Wie das Team berichtet, sind die antiken Strukturen aber auch durch weitere Faktoren bedroht. Vor allem kommt es demnach an mehreren Stellen zu sogenannten Salz-Ausblühungen – Minerale, die aus den Wänden nach außen dringen und die Farbschichten absprengen können. Durch ein Klimamonitoring im Rahmen des Projekts konnte das Team starke Schwankungen der Temperatur und Luftfeuchtigkeit zwischen Tag und Nacht nachweisen, die eine Entstehung von Ausblühungen begünstigen. „Zu manchen Objekten haben außerdem Tiere Zugang. In Wadi as-Siyyagh bewohnen Bienen den Putz und unterhöhlen diesen und in ez-Zantur findet sich Vogelkot auf den Malereioberflächen. Zuverlässige Gitter an Fenstern und Türen könnten diese Probleme verringern“, sagt Heritage.

Wie die TH Köln abschließend berichtet, hat das Team seine Ergebnisse und Erfahrungen auch bereits nutzbringend eingesetzt: Die Experten organisierten einen multidisziplinären Workshop mit rund 20 lokalen Fachkräften aus den Gebieten Archäologie, Konservierung und Tourismusmanagement. Die Teilnehmer erlernten dabei unter anderem die von den Wissenschaftlern eingesetzten Dokumentations- und Analysetechniken. Darüber hinaus beriet die TH Köln das Petra New Museum beim Umgang mit den dort ausgestellten Wandmalerei- und Stuckfragmenten. Dies alles soll dem Ziel dienen, die einzigartigen Kunstschätze Petras zu erhalten und zugänglich zu machen.

Quelle: Technische Hochschule Köln

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