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Geschichte|Archäologie

Nachbau eines römischen Lastschiffs im Test

Erfolgreicher Segelversuch auf der Mosel. (Foto: Ralf Kreutzfeld)

Deutsche Forscher haben Einblicke in die römische Binnenschifffahrt gewonnen: Durch Testfahrten mit einem Nachbau eines sogenannten Prahms auf der Mosel fanden sie Hinweise darauf, dass dieser in der Antike weitverbreitete Schiffstyp nicht nur wie bislang angenommen durch Treideln oder mit Stangen fortbewegt wurde, sondern auch durch Segel.

Sie bauten wuchtige Handelsschiffe, waffenstarrende Galeeren und prunkvolle Palastschiffe: Die Römer waren exzellente Schiffsbauer. Neben diesen spektakulären Konstruktionen wirken die Transportschiffe der Binnengewässer zwar bescheiden, doch ihre Bedeutung für die Infrastruktur und Logistik des römischen Reiches war enorm. Die raffiniert-einfach konstruierten Prahme brachten ständig Güter auf Flüssen und Seen von A nach B. Erstaunlicherweise ist dennoch wenig über ihren Einsatz und ihre Funktionsweise bekannt – nicht einmal über ihren Antrieb. Wissenschaftler der Universität Trier sind nun Fragen rund um diesen Schiffstyp durch Testfahrten mit einem Nachbau auf der Mosel nachgegangen.

Das Schiff „Secundinia“ ist eine Rekonstruktion eines römischen Prahm anhand von Informationen aus einem Fund eines Wracks aus Bevaix am Lac de Neuchâtel. Lehrer und Schüler der Berufsbildenden Schule Wittlich haben es in einem Projekt im Maßstab 1:2 angefertigt und der Universität Trier zur Verfügung gestellt. Die Secundinia ist 10 Meter lang und 1,70 Meter breit. Das Team um Christoph Schäfer und Karl Hofmann von Kap-herr von der Hochschule Trier wollte klären, wie effektiv die drei Fortbewegungsarten Staken, Treideln (Ziehen vom Ufer aus) und Segeln bei einem römischen Prahm eingesetzt werden konnten. Dafür fertigten sie Messeinrichtungen an und installierten sie auf dem  Schiff.

Überraschend gute Segeleigenschaften

„Mit Blick auf die Konstruktion des Schiffes war eher davon auszugehen, dass man es nicht segeln konnte“, sagt Schäfer. Doch war das denn wirklich so? Dieser Frage sind er und seine Kollegen gezielt nachgegangen. Als erste Wissenschaftler haben sie einen Prahm dazu unter Segel gesetzt. Die Messfahrten belegten, dass die Schiffe durchaus auch segeltüchtig waren und nicht nur von Treidlern an Land gezogen oder mit langen Bootsstangen angestoßen (gestakt) werden konnten. „Wir waren überrascht, dass der Prahm sogar erstaunlich gute Segeleigenschaften zeigte. Daraus lässt sich zuverlässig ableiten, dass die Römer diesen Schiffstyp auch durch Segeln angetrieben haben. So konnte Fracht über Hunderte von Kilometern transportiert werden“, sagt Schäfer.

Verblüfft waren die Wissenschaftler außerdem über die Schnelligkeit der Secundinia auf der Mosel: „5,7 Knoten bei halbem Wind sind ein sehr beachtlicher Wert“, erklärt Hofmann von Kap-herr. Auch das Verhalten im Wasser war überraschend stabil. „Wir hatten vorsorglich Seitenschwimmer zur Stabilisierung des Bootes gebaut, die wir aber nach der ersten Versuchsfahrt wieder entfernen konnten, da keine Kentergefahr bestand“, berichtete von Kap-herr.

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Ihre experimentelle Forschung kann Historikern ein besseres Verständnis des Binnentransports, des Handels sowie der Versorgung von Truppen und der Bevölkerung ermöglichen, sagen die Trier Wissenschaftler. Auch Untersuchungen zur regionalen Geschichte können von den Testergebnissen mit dem Prahm-Nachbau profitieren. Sie könnten beispielsweise neue Erklärungen liefern, wie es den Römern gelang, die rund 18.000 Tonnen Material für den Bau eines heutigen UNESCO-Welterbes zu bewegen: der Römerbrücke in Trier.

Quelle: Universität Trier
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