Neue Entdeckungen rund um Stonehenge - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Neue Entdeckungen rund um Stonehenge

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Die Megalith-Anlage von Stonehenge (thikstock)
Der Steinkreis von Stonehenge ist vermutlich das bekannteste vorzeitliche Bauwerk Europas. Über keines wurde so viel spekuliert, fantasiert und geschrieben und bis heute ist man sich nicht einig, wozu dieser gewaltige Steinkreis tatsächlich diente. Dass Stonehenge nicht isoliert in der Landschaft herumstand, sondern Teil einer ganzen Ansammlung von megalithischen Bauwerken und Anlagen war, enthüllt nun eine neue archäologische Kartierung mit Hilfe von modernen Fernerkundungstechniken. Forscher entdeckten damit im Umfeld von Stonehenge hunderte Grabhügel, 17 bisher unbekannte rituelle Monumente und ganz neue Formen prähistorischer Anlagen.

„Obwohl Stonehenge geradezu die Ikone aller prähistorischen Monumente ist und es in einer der reichhaltigsten archäologischen Landschaften liegt, war der größte Teil dieser Umgebung bisher Terra incognita“, erklärt Vincent Gaffney von der University of Birmingham. Er und seine Kollegen des „Stonehenge Hiddden Landscapes“-Projekts haben daher in die letzten Jahre genutzt, um die Umgebung des rund 5.000 Jahre alten Steinkreises mit Hilfe von hochauflösenden Magnetometern und bodendurchdringenden Radargeräten gründlich abzutasten. „Dieses Projekt ist global einzigartig. Es revolutioniert nicht nur, wie Archäologen neue Technologien einsetzen, um die Vergangenheit zu interpretieren, es hat auch unsere Sicht auf Stonehenge und seine Landschaft komplett verändert“, so Gaffney.

Tatsächlich enthüllte die Durchmusterung unerwartet viele, zuvor unentdeckte Bauwerke und Anlagen. So stießen die Forscher auf Dutzende von Grabhügeln, darunter einem neolithischen Tumulus, einem langgestreckten Hügel aus der Zeit, noch bevor Stonehenge seine heute sichtbare Form erhielt. Er bestand aus einem Innenbau aus massiven Holzbalken, in dem die Menschen damals ihre Toten aufwändig präparierten, zunächst den Elementen aussetzten und dann entbeinten. Am Schluss wurde das Ganze von einem Erdhügel überdeckt, wie die Archäologen erklären. Die Untersuchung zeigte auch einen ganz neuen Typ von Bauwerk, eine Anzahl von prähistorischen Gruben, von denen einige so ausgerichtet waren, dass sie die Richtung des Sonnenuntergangs zur Sommersonnwende zu markieren scheinen.

Zusätzlicher Außenkreis am „Super-Henge“

Auch zu bereits bekannten Megalith-Bauwerken förderte die Kartierung Neues zutage. So auch zu der in der Nähe von Stonehenge gelegenen Steinzeitsiedlung Durrington Walls. Hier lebten vor rund 4.600 Jahren vermutlich bis zu 4.00 Menschen in rund 1.000 Wohngebäuden. Von diesen ist nur noch wenig erhalten, sichtbar ist heute vor allem ein Steinkreis, den Archäologen als „Super-Henge“ bezeichnen. Mit einem Durchmesser von rund 500 Metern gilt dieser als eine der größten dieser Art weltweit. Wie die Forscher nun feststellten, gab es offenbar eine frühe Bauphase dieses Bauwerks, bei dem 60 weitere aufrecht stehende Steine oder Holzpfosten den Kreis außen umgaben. Im Radarbild sichtbare Gruben zeugen von dieser unerwarteten Erweiterung. Ebenfalls neue Erkenntnisse gibt es zum sogenannten Cursus, einem 100 Meter breiten und drei Kilometer langen Graben nördlich von Stonehenge. Es galt bisher als eine Art Schutzgraben oder Barriere, jetzt jedoch enthüllten die neuen Messungen Unterbrechungen im Graben, die eine Art Zugangs-Tore zum Stonehenge-Monument gewesen sein könnten.

„Dieses Projekt hat enthüllt, dass das Gebiet rund um Stonehenge vor zuvor verborgener Archäologie nur so wimmelt“, sagt Gaffney. „Es wurden neue Monumente enthüllt und sogar ganz neue Arten von Bauwerken, die Archäologen vorher nicht kannten.“ Der Einsatz neuer Technologien hat selbst in einer der bestuntersuchten Landschaften der Erde wertvolle neue Erkenntnisse zutage gefördert.

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Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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satt  〈Adj.; –er, am –es|ten〉 1 befriedigt (von einem Genuss), insbes. nicht mehr hungrig 2 tief, kräftig (von Farben) ... mehr

pha|ryn|gal  〈Adj.; Med.〉 den Pharynx betreffend, von ihm stammend, zu ihm gehörig

Nichtexistenz-Beweise sind in der Mathematik recht häufig (was selbst ausgebildete Mathematiker manchmal nicht wissen) und auch Preisgelder in Millionenhöhe für den Beweis einer Nichtexistenz gibt es gelegentlich. Beispielsweise hat das Clay Institute jeweils eine Million Dollar für verschiedene Nichtexistenz-Beweise ausgelobt: die Nichtexistenz von Nullstellen der Zetafunktion außerhalb der kritischen Geraden; die Nichtexistenz einfach zusammenhängender geschlossener 3-Mannigfaltigkeiten, die nicht homöomorph zur Sphäre sind; die Nichtexistenz von nicht-deterministisch, aber nicht deterministisch in polynomieller Zeit lösbaren Problemen; …

Die Stadt Bielefeld hat nun eine Million Euro für den Beweis der Nichtexistenz Bielefelds ausgelobt, hier ist der Link zum Wettbewerb.

Das wirft gewisse Fragen wegen der Selbstreferentialität auf: wenn nun bewiesen wird, dass es Bielefeld gar nicht gibt, darf die dann nichtexistierende Stadt aber das Preisgeld trotzdem noch auszahlen?

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