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Geschichte+Archäologie

Neue Funde in der versunkenen Stadt Thonis-Herakleion

Funde aus Thonis-Herakleion
In Thonis-Herakleion entdeckte Grabbeigaben aus dem 5.- 4. Jh. v. Chr. (Bild: Christoph Gerigk, Franck Goddio/ Hilti Foundation)

In der Bucht von Abukir in Ägypten haben Unterwasserarchäologen weitere Überreste der versunkenen Hafenstadt Thonis-Herakleion entdeckt. Darunter ist eine unter Lehmschichten gut erhaltene ptolemäische Galeere aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus, deren Bauweise eine Mischform von griechischer und ägyptischer Schiffsarchitektur darstellt. An anderer Stelle der versunkenen Stadt stießen die Archäologen auf eine mit reichen Beigaben ausgestattete Grabstätte.

In der Bucht von Abukir, rund 20 Kilometer nordöstlich von Alexandria, lag einst die Hafenstadt Thonis-Herakleion. Sie war in der Zeit der griechischen Antike zwischen 550 und 331 vor Christus der wichtigste Seehafen Ägyptens. An den an der Mündung des kanopischen Nilarms gelegenen Kais wurde ein Großteil des Warenhandels zwischen Ägypten und Griechenland abgewickelt. Im Zuge dieser engen Handelsbeziehungen siedelten sich in der Stadt auch viele griechische Händler, Seefahrer und Söldner an und durften nahe des großen Amun-Tempels der Stadt ihre eigenen Heiligtümer errichten.

Galeere
Überreste einer ptolemäischen Galeere, die im 2. Jh. v. Chr. in Thonis-Herakleion sank. (Bild: Christoph Gerigk, Franck Goddio/ Hilti Foundation)

Galeere unter Tempeltrümmern

Doch ab 331 v. Chr. kam es immer wieder zu schweren Erdbeben und Überschwemmungen. Das auf mehreren Inseln errichtete Thonis-Herakleion und sein Hafen wurden dadurch nach und nach zerstört und versanken in der Spätantike endgültig in den Fluten. Flutwellen und Bodenverflüssigungen ließen ein 110 Quadratkilometer großes Gebiet des Nildeltas im Meer versinken und mit ihm die Städte Thonis-Herakleion und Kanopus. Sie liegen heute rund sieben Kilometer von der Küste entfernt am Grund des Mittelmeers. Erst vor gut 20 Jahren wurden die Überreste dieser Orte von Archäologen um Franck Goddio vom Europäischen Institut für Unterwasserarchäologie (IEASM) wiederentdeckt. Die bei diesen Ausgrabungen entdeckten Inschriften belegten, dass es sich bei dem ägyptischen Thonis und dem griechischen Herakleion um dieselbe Stadt handelte.

Bei den diesjährigen Ausgrabungen in Thonis-Herakleion haben die Archäologen weitere spannende Funde gemacht. Unter ihnen sind die Überreste einer rund 25 Meter langen ptolemäischen Galeere. Sie war zum Zeitpunkt ihres Untergangs im zweiten Jahrhundert vor Christus offenbar an einem Steg auf der Südseite des Amun-Tempels vertäut und versank gemeinsam mit diesem bei einem Erdbeben in den Fluten. Geschützt durch eine fünf Meter dicke Lehmschicht und Trümmerteile des Amun-Tempels hat das Schiff die Jahrtausende jedoch so gut überdauert, dass die Forscher mithilfe eines Sedimentecholots sogar Details seiner Bauweise erkennen konnten.

Ägyptisch-griechische Mischbauweise

„Ein solcher Fund ist extrem selten“, erklärt Goddio. „Das einzige andere bekannte Schiff dieser Art ist das Marsala-Boot aus dem Jahr 235 v. Chr., das 1969 vor der Küste Siziliens entdeckt wurde.“ Wie die Aufnahmen enthüllen, weist die Galeere aus Thonis-Herakleion einige Besonderheiten auf. Einerseits entspricht die Technik ihrer Rumpfkonstruktion denen des klassischen Schiffsbaus. So waren die Planken des Rumpfs durch Schlitz- und Zapfenverbindungen mit großen Zungen verbunden. Andererseits weist das Schiff aber auch einige typische Merkmale der ägyptischen Schiffsarchitektur auf, wie die Archäologen berichten.

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„Das Schiff hatte einen flachen Boden und Kiel, was für die Schifffahrt auf dem Nil und im Delta von Vorteil war. Diese Merkmale sowie die Hinweise auf wiederverwendetes Holz deuten darauf hin, dass es wahrscheinlich in Ägypten gebaut wurde“, so Goddio. Zudem war die Galeere zwar darauf ausgerichtet, von Ruderern vorangetrieben zu werden. Gleichzeitig muss sie aber auch mit einem großen Segel ausgestattet gewesen sein, wie ein Mastfuß von beträchtlichem Ausmaß beweist. All dies spricht nach Ansicht des Archäologenteams dafür, dass diese Galeere in mehrerer Hinsicht in einer Mischbauweise hergestellt wurde.

Auch in einem anderen Teil der versunkenen Stadt Thonis-Herakleion wurden die Unterwasserarchäologen bei den aktuellen Ausgrabungen fündig. Am nordöstlichen Kanaleingang stießen sie auf die Überreste einer griechischen Begräbnisstätte mit kostbaren Grabbeigaben. Zu den auf Anfang des 4. Jhs. v. Chr. datierten Funden gehören einige aus Griechenland importierte Keramiken und eine goldene Reliefdarstellung der Gottheit Bes, die als Beschützer im Alltag und als Schutzgott der Schwangeren galt.

Quelle: European Institute for Underwater Archeology (IEASM)

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