Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften: Wie man das Verhalten von Gruppen und Individuen analysiert - wissenschaft.de
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Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften: Wie man das Verhalten von Gruppen und Individuen analysiert

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James Heckman wurde 1944 in Chicago geboren. Er promovierte 1971 in Princeton und lehrte an der Columbia-Universität, der Yale-Universität und der Universität von Chicago.
Der diesjährige Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht an James J. Heckman von der Universität Chicago und an Daniel L. McFadden von der Universität von Kalifornien, Berkeley. Die beiden Wissenschaftler arbeiten auf dem Gebiet der Mikroökonometrie, einer Disziplin, die im Grenzbereich zwischen Ökonomie und Statistik anzusiedeln ist. Ihre Methoden verbesserten die Auswertung von sozial und wirtschaftlich relevanten Daten und sind mittlerweile zum Standard geworden.

In der Mikroökonometrie befasst man sich beispielsweise mit der Frage, wie man Informationen über Gruppen oder Individuen statistisch so analysieren kann, dass möglichst unverzerrt Aufschluss darüber gewonnen wird, wie sich diese Personen etwa im Falle von wirtschaftlichen Anreizen oder Sanktionen verhalten.

James Heckman hat sich vor allem mit dem Problem der selektiven Stichproben beschäftigt: Bei selektiven Stichproben, etwa zur Frage, wie gut eine Ausbildungsförderung in einer bestimmten Region angenommen wird, kommen auch so genannte unbeobachtbare Unterschiede zwischen den Individuen zum Tragen. Es könnte zum Beispiel sein, dass eine Zielgruppen ein Förderprogramm aus kulturellen Gründen nicht wahrnimmt. Oder es könnten sich für einige Individuen plötzlich andere Lebensumstände ergeben haben, die dazu führen, dass das staatliche Angebot nicht angenommen wird. Überdies stehen die Analytiker häufig vor dem Problem, dass die Entscheidungen oder Motive von Nicht-Teilnehmern einer Maßnahme oder eines Programms schlichtweg nicht zugänglich sind. Was bewegt die, die sich zu etwas nicht angemeldet haben?

Diese unbeobachtbaren Unterschiede können bei der Bewertung der Wirksamkeit einer staatlichen oder privatwirtschaftlichen Initiative zu verzerrten Ergebnissen führen. Heckman hat statistische Methoden entwickelt, mit denen selektive Stichproben in einer angemessenen Weise behandelt werden können.

Daniel McFaddens Spezialgebiet sind so genannte diskrete Wahlentscheidungen. Damit sind die Entscheidungen gemeint, die ein Individuum in einer bestimmten Situation treffen kann. So kann etwa jemand, dessen Arbeitsplatz 50 Kilometer vom Wohnort entfernt liegt, mit dem Auto oder mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zur Arbeit fahren. Es gibt aber nicht unendlich viele Möglichkeiten: Den meisten wäre der Weg zu Fuß oder mit dem Fahhrad zu lang.

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Während in der Psychologie solche diskreten Wahlentscheidungen naturgemäß immer eine Rolle spielen und sie dort auch wissenschaftlich untersucht wurden, waren sie vor McFaddens Forschungen in den Wirtschaftswissenschaften kaum beachtet. Die von McFadden entwickelten Methoden haben die empirische Wirtschaftsforschung maßgeblich verändert. McFadden selbst hat seine Methoden für das Design des lokalen Bahnverkehrs in San Francisco genutzt.

Doris Marszk

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