Ötzis Innenleben - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Ötzis Innenleben

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Der Eisman gehört einem Zweig des europäischen Stammbaumes an, der heute als ausgestorben gilt. Bild: Professor Franco Rollo, University of Camerino
Ötzi, der vor 5.000 Jahren verstorbene Mann vom Hauslabjoch, hat keine heute noch lebenden Nachfahren mehr. Das zeigt ein Vergleich der Erbinformation heute lebender Menschen mit der der Gletschermumie, die 1991 an der österreichisch-italienischen Grenze im Eis der Ötztaler Alpen gefunden wurde. Ötzis sogenannte mitochondriale DNA ? der Teil des Erbgutes, der in den Mitochondrien , den Kraftwerken der Zelle, gespeichert ist ? unterscheidet sich messbar von der heutiger Europäer. Der gefrorene Mann scheint demnach einer genetischen Linie angehört zu haben, die mittlerweile ausgestorben ist. Die jetzt veröffentlichte Bausteinabfolge aus Ötzis Erbgut ist die älteste bekannte vollständige Sequenz der mitochondrialen DNA eines modernen Menschen.

Da die Leiche des Mannes aus der späten Jungsteinzeit schon kurz nach dessen Tod eingefroren war, blieb ein Großteil des Gewebes und damit die darin eingeschlossene Erbinformationen erhalten. Bei dem untersuchten Genmaterial handelt es sich um die in den Mitochondrien enthaltene DNA. Im Gegensatz zur DNA, die sich im Zellkern befindet, wird diese mitochondriale DNA praktisch ausschließlich mütterlicherseits über die Eizelle weitergegeben. Veränderungen werden daher nur durch zufällige, natürliche Mutationen ausgelöst und nicht durch eine Vermischung mit dem väterlichen Erbgut. So können Wissenschaftler die Verwandtschaft von verschiedenen Gruppen entlang der mütterlichen Linie verfolgen.

Die Forscher sequenzierten nun Proben, die im Jahr 2000 Ötzis Darmgewebe entnommen worden waren, und verglichen die Ergebnisse mit der DNA heute lebender Menschen. Deren mitochondriale DNA lässt sich in sogenannte Haplogruppen aufteilen. Individuen einer solchen Gruppe verfügen über gemeinsame Genombereiche, die ihnen von einem gemeinsamen Vorfahren vererbt wurden. Ötzi gehörte genau wie acht Prozent der heutigen Europäer der Haplogruppe K1 an. Allerdings lässt sich die DNA der Mumie keiner der drei bisher bekannten Untergruppen dieser Linie zuordnen. Demnach scheint Ötzi einem Zweig des genetischen Stammbaumes der Gruppe K1 anzugehören, der heute nicht mehr existiert oder zumindest extrem selten geworden ist. Die Forscher bezeichnen diesen Abzweig inoffiziell als „Ötzis Zweig“ und nennen die bisher unbekannte Haplo-Untergruppe entsprechend „K1ö“.

Luca Ermini (Universität Camerino) et al.: Current Biology, Bd. 18, Nr. 21 ddp/wissenschaft.de ? Stefan Pröll
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