Ötzis mütterliche Abstammungslinie verschwand - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Ötzis mütterliche Abstammungslinie verschwand

Neue Erbgutanalysen haben Forschern Einblicke in die Abstammungsgeschichte von Ötzi ermöglicht: Es scheint demnach heute keine Nachfahren seines mütterlichen Familienzweigs mehr zu geben. Ötzis Mutter gehörte vermutlich einer kleinen, lokalen Alpenbevölkerung an, erklären die Forscher. Die genetische Linie des Vaters existiert hingegen bis heute.

Der weltberühmte Mann, der vor etwa 5300 Jahren durch einen Pfeilschuss in den Ötztaler Alpen umkam und dann zur Eismumie wurde, hat bereits viele spannende Geheimnisse preisgegeben. Auch mit dem Erbgut Ötzis haben sich Forscher schon intensiv beschäftigt, um mögliche genetische Besonderheiten aufzudecken. Die Analysen ergaben beispielsweise, dass er braune Augen hatte, eine Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker aufwies und die Blutgruppe Null besaß. Auch die Abstammungsverhältnisse Ötzis standen schon im Fokus der Forscher. Die bisherigen Untersuchungen führten zu der Vermutung, dass die mütterliche Abstammungslinie Ötzis ausgestorben sein könnte. Doch für eindeutige Aussagen war die Zahl der Vergleichsproben zu gering. Wissenschaftler der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) haben sich deshalb nun erneut der genetischen Familiengeschichte des Geltschermanns gewidmet.

Genetische Einblicke in Ötzis Familiengeschichte

Im Rahmen ihrer Studie beschäftigten sie sich mit dem Erbgut der Mitochondrien Ötzis. Neben dem Zellkern tragen auch diese Energiekraftwerke der Zellen ihr eigenes Erbgut. Es lässt gezielt Rückschlüsse auf die mütterliche Vererbungslinie zu, denn die mitochondriale Erbsubstanz wird ausschließlich von den Müttern an die Nachkommen weitergegeben und verändert sich nur sehr langsam. „Die mitochondriale DNA kann uns, gemeinsam mit dem Y-Chromosom, die genetische Geschichte eines Menschen erzählen“, sagt EURAC-Forscherin Valentina Coia. Für ihre Studie verglichen sie und ihre Kollegen nun das Erbgut von Ötzis Mitochondrien mit 1077 Proben heute lebender Menschen unterschiedlicher Herkunft.

Ergebnis: In ihrer Untersuchung konnten die Wissenschaftler weder die genetische Mitochondrien-Linie Ötzis noch mit ihr verwandte Linien bei heute lebenden Menschen finden. Damit sehen sie die Hypothese gestärkt, dass die mütterliche Abstammungslinie Ötzis tatsächlich ausgestorben ist. Die genetische Linie des Vaters findet sich hingegen auch noch in heutigen Bevölkerungsgruppen, wie man seit 2012 aus der Analyse des gesamten Genoms der Gletschermumie weiß.

Warum starb die mütterliche Linie aus?

Doch warum verschwand die mütterliche Abstammungslinie, die väterliche aber nicht? Auf diese Frage warfen weitere Untersuchungsergebnisse der Forscher Licht: Sie verglichen das Erbgut der Gletschermumie dazu mit DNA-Daten zahlreicher anderer archäologischer Funde aus der Jungsteinzeit. Dabei zeigte sich: Die väterliche Linie Ötzis war damals in ganz Europa verbreitet. Die mütterliche Linie kam hingegen offenbar nur im Alpenraum vor – sie wurde wohl nur von einer kleinen lokalen Population weitergegeben. Bestimmte Bevölkerungsentwicklungen der damaligen Zeit führten demnach offenbar dazu, dass aus der mütterlichen Linie Ötzis keine Nachfahren bis in unsere Zeit überlebt haben, erklären die Forscher.

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Quelle: European Academy of Bozen/Bolzano (EURAC)
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