Orkneys: Trinkhalle der Wikinger entdeckt - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Orkneys: Trinkhalle der Wikinger entdeckt

Rionen der Wikingerhalle
Blick auf einige der schon ausgegrabenen Reste der Wikingerhalle in Skaill. (Bild: UHI Archaeology Institute)

Die Orkneyinseln waren vor rund tausend Jahren ein strategisch wichtiger Stützpunkt und Handelsplatz der Wikinger. Jetzt haben Archäologen ein neues Zeugnis ihrer Anwesenheit auf der Orkneyinsel Rousay entdeckt. Es handelt sich um die Ruinen einer Wikinger-Trinkhalle – eines von mächtigen Mauern umgebenen Festsaals, in dem die Nordmänner auf Steinbänken sitzend Trinkgelage abhielten. Sogar der erste Jarl der Orkneys, der spätere norwegische König Sigurd I., könnte einst auf diesen Bänken gesessen haben.

Den Überlieferungen nach könnten die Wikinger bereits im späten 8. Jahrhundert auf die Orkneyinseln gekommen sein. Zunächst waren es wahrscheinlich vor allem Rebellen und Piraten, die sich nicht den Königen von Norwegen unterwerfen wollten und die diese Inseln als Stützpunkt für Raubzüge und Angriffe nutzten. Gegen Ende des neunten Jahrhunderts soll dann König Harald Schönhaar diesem Treiben jedoch ein Ende gesetzt haben. Er setzte einen norwegischen Statthalter, einen Jarl, für die Inseln ein. Die Wikinger der Orkneys wurden damit offiziell Untertanen des norwegischen Königs. Unter den Jarls von Orkney war von 1093 bis 1103 auch Sigurd I., der später als König und Teilnehmer am ersten Kreuzzug Berühmtheit erlangte.

Skaill – ein Name als Indiz

Von der langen Geschichte der Wikinger auf den Orkneys zeugen bereits einige Ruinen und Wikingergräber. Ein weiteres Relikt der Wikingerkultur haben nun Forscher um Ingrid Mainland vom Archäologieinstitut der University of the Highlands and Islands (UHI) auf der Orkneyinsel Rousay entdeckt. Schon länger führen die Archäologen dort Ausgrabungen auf der Skaill-Farm durch, einem Gehöft aus dem 18. bis 19. Jahrhundert. Sein Name „Skaill“ jedoch sprach bereits dafür, dass dieser Siedlungsplatz bis auf die Wikinger zurückgehen könnte. Denn Skaill bezeichnet in der altnordischen Sprache unter anderem eine Fest- oder Trinkhalle.

Hinzu kommt: Die Gegend von Westness auf der Südseite der Insel wird in der Wikingerchronik Orkneyinga als Wohnstatt von Sigurd erwähnt. Diese im 12. Jahrhundert verfassten Aufzeichnungen berichten von den ersten Jarls auf den Orkneys. „Es war daher nicht unwahrscheinlich, dass es irgendwo in Skaill auch eine Siedlungsstätte der Wikinger gegeben hat“, heißt es in einer Mitteilung der UHI. Tatsächlich hatten die Forscher bereits in den vorhergehende Grabungssaisons Hinweise für Ruinen aus der Wikingerzeit unter der alten Farm von Skaill gefunden.

Festhalle mit Steinbänken

In diesem Jahr aber gelang den Archäologen der entscheidende Fund: „Die aufregende Neuigkeit aus dieser Saison ist, dass wir jetzt die Halle von Skaill gefunden haben“, berichtet Projekt-Co-Leiter Dan Lee. Die Ausgrabungen enthüllten die Überreste von einem Meter dicken Mauern, die eine Halle von fünf Metern Breite und mindestens 13 Metern Länge umschlossen. An der Innenseite der Mauern sind zu beiden Längsseiten Steinbänke angebracht, die den Wikingern als Sitze dienten. Aus den Ähnlichkeiten der Form und Bauweise der Halle und der Bänke mit anderen schon bekannten Festhallen der Wikinger schließen die Forscher, dass es sich auch bei diesem Gebäude um eine Fest- oder Trinkhalle der Wikinger gehandelt haben muss.

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Unter den Funden aus dem Inneren der Halle sind Töpferwaren, eine Knochenspindel und Fragmente eines Wikingerkamms, wie die Forscher berichten. Die Datierung ergab, dass die Mauern und Fundobjekte aus dem 10. bis 12. Jahrhundert stammen – und damit aus der Wikingerzeit der Orkneys. „Wer weiß, vielleicht saß der Jarl Sigurd einst höchstselbst auf einem der Steinbänke in dieser Halle und trank einen Becher Bier“, sagt Lee. Noch ist die Halle erst in Teilen ausgegraben. Doch schon jetzt sind die Archäologen begeistert von den bisherigen und noch kommenden Funden, die Auskunft über die frühe Phase der Wikingerzeit auf den Orkneyinseln geben.

Quelle: University of the Highlands and Islands (UHI), Archeology Orkney

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