Osterinsel-Kultur endete doch nicht im Krieg - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Osterinsel-Kultur endete doch nicht im Krieg

Auf der Ostersinsel gefundene Obsidian-Werkzeuge der Rapa Nui. (Carl Lipo, Binghamton)

Nach gängiger Theorie lieferten sich die Bewohner der Osterinsel kurz vor dem Niedergang ihrer Kultur erbitterte Kriege. Doch neue Analysen enthüllen dies nun als Irrglauben. Denn die tausenden von Steinspitzen, die bisher als Kriegswaffen interpretiert wurden, wurden nicht zum Töten, sondern für friedliche Zwecke eingesetzt.

Blutiges Ende einer Kultur?

Die Kultur der Osterinseln gibt bis heute Rätsel auf. So ist bis heute nicht bekannt, wozu die monumentalen Steinstatuen, die Moai, den Menschen der Osterinsel einst dienten oder wen sie darstellen. Bekannt ist nur, dass die Insel spätestens seit dem 13. Jahrhundert besiedelt war, und dass die Rapa Nui die ursprüngliche Landschaft der Osterinsel stark veränderten – so stark, dass ihnen überlebenswichtige Ressourcen ausgingen.

Unter anderem deshalb nahm man bisher an, dass die Kultur der Rapa Nui schon vor Ankunft der ersten Europäer zu kollabieren begann. Heftige Konflikte und blutige Kriege dezimierten die Zahl der Bewohner, so glaubte man. Als wichtigstes Indiz dafür gelten tausende von sogenannten Mataa – dreieckig zurechtgehauene Spitzen aus Obsidian, die an vielen Stellen der Insel gefunden wurden. Man nahm an, dass es sich um Speerspitzen handelte, die die Rapa Nui bei ihren Kriegen gegeneinander einsetzten.

Doch keine Kriegswaffen

Carl Lipo von der Binghamton University und sein Team haben nun gut 400 dieser vermeintlichen Waffen mit modernen Methoden analysiert. Eine Software diente ihnen dazu, die Formen der Obsidian-Spitzen zu erfassen und quantitativ zu vergleichen. „Objekte, die als Waffen im Krieg genutzt wurden, haben typischerweise eine fast standardisierte, systematische Form“, erklärt Lipo. Schließlich hing von der Effektivität dieser Waffen das Überleben ihres Trägers ab.

Doch die Obsidian-Spitzen der Rapa Nui passten nicht in dieses Schema: „Wenn man sich die Form dieser Objekte genauer anschaut, sehen sie ganz und gar nicht wie Waffen aus“, erklärt der Anthropologe. Ihre Form und Formenvielfalt spreche eher für Allzweckwerkzeuge als für Waffen. „Man hätte mit den Mataa zwar jemanden verletzen können, aber tödlich wären sie sicher nicht gewesen.“

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„Nur eine europäische Interpretation“

Nach Ansicht der Forscher waren die auf der Osterinsel gefundenen Klingen daher keine Kriegswaffen, sondern dienten den Rapa Nui als Werkzeuge bei alltäglichen Verrichtungen wie der Verarbeitung von Pflanzennahrung oder als Hilfsmittel bei rituellen Handlungen wie dem Tätowieren. Daraus aber folgt, dass auch die vermeintlichen Kriege kurz vor Ankunft der Europäer möglicherweise gar nicht stattfanden.

„Das, was die Menschen traditionell über die Osterinsel als Ort eines kulturellen Kollapses denken, ist im historisch gesehen nicht wahr“, betont Lipo. „Für diese Geschichte gibt es einfach keine Belege.“ Die Einordnung der Mataa als Kriegswaffen sei eine europäische Interpretation, aber spiegele kein archäologisches Ereignis wider. Stattdessen spricht seiner Meinung nach einiges dafür, dass die Kultur der Rapa Nui bis zur Ankunft der Europäer durchaus erfolgreich war.

Quelle: Binghamton University, Fachartikel: Antiquity, doi: 10.15184/aqy.2015.189
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