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Ottonenzeit

Palatium der Königspfalz Helfta entdeckt

Die Grundmauern eines mittelalterlichen Prachtbaus kommen ans Licht. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Robert Prust

Die lange verschollene Königspfalz Helfta in Sachsen-Anhalt hat weitere Geheimnisse preisgegeben: Nach der Wiederentdeckung der Radegundiskirche im vergangenen Jahr, sind die Archäologen nun auf die Reste des Hauptgebäudes der mittelalterlichen Anlage gestoßen. In diesem sogenannten Palatium aus dem 10. Jahrhundert residierten offenbar der ostfränkische König und römische Kaiser Otto I. und sein Nachfolger Kaiser Otto II. bei ihren Reisen durch das Reich, berichten die Experten.

Die Gebäude waren völlig verschwunden und sogar der Standort war in Vergessenheit geraten: Dass sich einst im Bereich des heutigen Helfta nahe der Lutherstadt Eisleben ein bedeutender Ort der Geschichte befunden hat, war lange nur aus historischen Schriften bekannt. Darin wird von der „Helphideburg“ berichtet, die im 10. Jahrhundert schließlich zu einer Königspfalz avancierte. Dabei handelte es sich um die Stützpunkte der mittelalterlichen Herrscher, die nicht von einer Hauptstadt aus regierten, sondern in ihrem Reich umherzogen – von Pfalz zu Pfalz. In Helfta residierten besonders prominente Herrscher: Es sind Aufenthalte Ottos des Großen (912 bis 973) – des Königs des Ostfrankenreiches und ab 962 römisch-deutschen Kaisers – sowie seines Sohnes Otto II. (955 bis 983), belegt.

Unterirdische Spuren einstiger Pracht

In späterer Zeit verlor der Ort dann allerdings seine Bedeutung und so wurden alle oberirdisch sichtbaren Bauelemente recycelt – Pfalz, Burg und Siedlung verschwanden völlig von der Bildfläche und aus dem Gedächtnis der Menschen. Doch im Untergrund blieben Spuren der Anlage erhalten. Auf sie stießen Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) dann vor einigen Jahren durch geophysikalische Untersuchungen. Es zeichnete sich ab, dass sich einst ein ausgedehnter Siedlungs- und Befestigungskomplex auf einem Areal erstreckte, dessen Zentrum die Anhöhe „Kleine Klaus“ nahe dem heutigen Ort Hefta bildete. Seit Anfang Mai 2021 führt das LDA dort Grabungen durch. Dabei stießen die Archäologen bereits auf die Spuren eines 30 Meter langen Sakralbaus. Es handelte sich dabei offensichtlich um die von Otto dem Großen erbaute Radegundiskirche, die zuvor nur aus historischen Quellen bekannt war.

Nun berichtet das LDA von der neusten Entdeckung an dem geheimnisvollen Fundort: Die Archäologen haben in den vergangenen Monaten die Reste des Palatiums freigelegt, das das eigentliche Zentrum des ottonischen Pfalzkomplexes bildete. Denn in diesem Gebäude wohnten die Herrscher und empfingen Gäste, während sie auf ihrer Reise durch ihr Reich in Helfta Station machten. Der für die damalige Zeit eindrucksvolle Steinbau thronte nicht weit von der Radegundiskirche auf einer Anhöhe. Es handelte sich den Untersuchungsergebnissen zufolge um ein mindestens 20 Meter langes und sieben bis zwölf Meter breites Gebäude aus vermörtelten Sandsteinmauern.

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Wo Kaiser Hof hielten

Den Befunden zufolge besaß das Palatium zwei Stockwerke, eine Reihe von Räumen mit verputzten Wänden und mehrere Eingänge – darunter eine in ein Souterrain führende Treppe. Für den Wohnkomfort der herrschaftlichen Gäste sorgte vor rund 1050 Jahren eine für die damalige Zeit aufwendige Heizungsanlage, berichten die Archäologen. „In einer Zeit, in der Wohngebäude gemeinhin aus Holz und Lehm errichtet wurden und Pfosten- sowie kleine Grubenhäuser das Bild der Siedlungen bestimmten, muss das Palatium mit seinen Ausmaßen und seinen steinernen Mauern großen Eindruck gemacht haben“, schreibt das LDA. Die Experten gehen deshalb nun davon aus, dass das entdeckte Gebäude das Zentrum jenes kaiserlichen Hofes (curtis imperialis) zu „Helpidi“ bildetete, der am 6. Juni 969 in einer in Azzano in Umbrien (Italien) ausgestellten Urkunde Ottos des Großen erwähnt wurde.

Wie das LDA weiter berichtet, gewährte die aktuelle Ausgrabungskampagne auch mehrere Einblicke in die Bebauung, die Befestigung, die Wirtschafts- und Siedlungsstrukturen der ottonischen Pfalz. Die Bedeutung des Machtstützpunktes unterstreichen zudem Funde von Schmuckgegenständen, Münzen und Keramiken. Interessanterweise stießen die Archäologen auch auf Spuren, die weiter in die Besiedlungsgeschichte des Ortes zurückreichen: Von der Befestigung der frühmittelalterlichen Helphideburg stammen Reste eines Holz-Erde-Walls und eines Befestigungsgrabens von fast sechs Metern Tiefe und gut 15 Metern Breite. Außerdem tauchten Spuren aus der vorrömischen Eisenzeit ab etwa 750 v. Chr. auf. Weitere Einzelfunde belegen sogar noch ältere Aktivitäten seit der Jungsteinzeit. „Wir erhalten damit einen eindrucksvollen Aufschluss über die jahrtausendelange Besiedlung der Anhöhe“, schreibt das LDA.

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

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