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Meilenstein für den Kulturerhalt

Pergamon: Konservierung der Roten Halle abgeschlossen

Rote Halle
Blick in den Südturm der Roten Halle. (Bild: Martin Bachmann / DAI Istanbul)

Die Rote Halle in Pergamon zählt zu den monumentalsten Bauwerken, die die römischen Kaiser außerhalb Roms in Auftrag gaben. Nachdem Archäologen dieses antike Heiligtum bis 2005 erforscht haben, ist nun auch die Konservierung der Roten Halle abgeschlossen. Das rund 1900 Jahre alte Bauwerk in der heutigen Türkei wird damit nun auch für Touristen zugänglich und erfahrbar.

Das nahe der türkischen Ägäisküste gelegene Pergamon ist wahrscheinlich schon seit dem zweiten Jahrtausend vor Christus besiedelt. Doch eine prominente Rolle erhielt die befestigte Stadt vor allem in der griechischen und römischen Antike. Im 3. bis 1. Jh. vor Christus war die Stadt ein politisches, aber auch kulturelles und religiöses Zentrum der antiken Welt. Sie besaß eine bedeutende Bibliothek, beeindruckende Bau- und Kunstwerke und das über die Region hinaus frequentierte Heiligtum des Asklepios. Zeitweilig diente Pergamon als Hauptstadt der römischen Provinz Asia, verlor aber dann gegenüber den Hafenstädten Smyrna und Ephesos an Bedeutung.

Großbau von Kaiser Hadrian

Weil das Gebiet nicht durch moderne Besiedlung überbaut wurde, sind in Pergamon eindrucksvolle Reste der römischen, aber auch der byzantinischen Epoche erhalten. Schon seit 135 Jahren arbeiten auch deutsche Archäologen daran, die antiken Überreste der Stadt und ihre Strukturen aufzudecken und zu erforschen. Zu den prominenten Spuren aus der Römerzeit gehört ein antiker Großbau, den einst der Kaiser Hadrian im zweite Jahrhundert nach Christus zur Verehrung ägyptischer und einheimischer Gottheiten errichten ließ. Es handelt sich um eine Basilika aus gebrannten Ziegeln, denen sie ihren modernen Namen Kızıl Avlu („Rote Halle“) verdankt.

Flankiert von zwei Rundtürmen grenzte die Rote Halle an eine riesige Platzanlage, für deren Errichtung ein Fluss auf einer Länge von über 200 Metern kanalisiert wurde. Damit zählt die Rote Halle zu den monumentalsten Bauwerken, die römische Kaiser außerhalb der Hauptstadt Rom in Auftrag gaben. Sie stand ab dem Jahr 2002 im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts von Archäologen des Deutschen Archäologischen Instituts unter Leitung von A. Hoffmann. Das Team führte umfassende Untersuchungen der Roten Halle und ihrer Baugeschichte durch. Nachdem die wissenschaftliche Erforschung des Heiligtums im Jahr 2005 beendet worden war, wurde bereits im darauffolgenden Jahr mit Konservierungsarbeiten begonnen.

Konserviert und museal aufbereitet

Jetzt ist es soweit: Am 3. Oktober 2020 wurde das umfangreiche Projekt zur Konservierung der Roten Halle abgeschlossen. Es hatte zum Ziel, Baudenkmalpflege und touristische Präsentation miteinander zu verbinden. In insgesamt 14 Arbeitskampagnen von jeweils zweimonatiger Dauer wurde dafür zunächst der südliche Rundturm konserviert und museal gestaltet, ein monumentales Götterbildnis in Originalgröße rekonstruiert, das Kellergeschoss der Anlage gesichert und als Depot für archäologisches Fundmaterial hergerichtet und schließlich die über 16 Meter hohe Südwand des Heiligtums wiederhergestellt. Bereits in antiker Zeit hatte man diese gewaltige Mauer mit zwei Stützpfeilern gesichert, die jetzt ihrerseits einzustürzen drohten. Dort konnten Ende September die letzten rekonstruierten Bogensteine versetzt werden.

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Parallel zu den Arbeiten des Deutschen Archäologischen Instituts wurden die Basilika selbst und der nördliche Rundbau vom türkischen Ministerium für Kultur und Tourismus restauriert. Das langjährige Projekt könne daher als Musterbeispiel deutsch-türkischer Kooperation gelten, so das DAI. Mit der Konservierung der Roten Halle werde nicht nur ein wichtiger Beitrag zur touristischen Aufwertung der UNESCO-Welterbestätte Bergama-Pergamon geleistet. Die langjährige Baustelle war im Sinne einer Bauhütte auch zugleich Ausbildungsstätte für ungelernte Arbeiter, die zu Steinmetzen ausgebildet wurden. Auf diese Weise wurden nachhaltige Kompetenzen für die Sicherung des Kulturerbes durch künftige Generationen geschaffen und zugleich die beruflichen Chancen der Auszubildenden verbessert.

Quelle: Deutsches Archäologisches Institut

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