Pharaonische Prominenz auf mysteriösem Fund - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Geschichte+Archäologie

Pharaonische Prominenz auf mysteriösem Fund

Dieses Stück eines Wandreliefs zeigt eine Herrscherin! (Credit: The Egypt Centre, Swansea University)

Das muss Hatschepsut sein! Ein Ägyptologe hat per Zufall eine der seltenen Darstellungen der geheimnisvollen Frau auf dem Pharaonenthron entdeckt. Es handelt sich um das bizarr wirkende Stück eines Wandreliefs, das unentdeckt in einer britischen Sammlung geschlummert hat. Seltsamerweise trägt es auf der Vorder- aber auch auf der Rückseite Gravuren. Vermutlich wurde es einst aus dem berühmten Totentempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari bei Luxor entwendet und anschließend manipuliert, erklärt der Experte.

Am Anfang der Entdeckungsgeschichte stand die Planung einer Lehrveranstaltung: Der Ägyptologe Ken Griffin von der Swansea University wollte mit seinen Studenten im Rahmen eines Seminars echte Funde untersuchen. Dazu forderte er archivierte Stücke aus dem Egypt Centre der Swansea University an, die bis dahin als wenig bedeutend eingestuft worden waren. Doch als die Lieferung ankam, entwickelte sich, wovon Historiker träumen: Bei der Untersuchung der Überbleibsel aus der Pharaonenzeit wurde klar: Eines der Artefakte ist etwas ganz Besonderes.

Es handelt sich um ein Stück aus zwei zusammengeklebten Fragmenten eines Reliefs. Auf der Vorderseite ist der Kopf einer Figur zu erkennen, deren Gesicht fehlt. Außerdem sind Teile eines Fächers sowie Hieroglyphen sichtbar, die sich aus der Kombination der beiden Stücke ergeben. Doch seltsamerweise trägt auch die Rückseite des oberen Fragments eine Gravour: Es handelt sich um das Gesicht eines Pharaos mit kurzem Bart, das den unvollständigen Kopf auf der Vorderseite zu komplementieren scheint. Diese Kombination wirkte zunächst absurd und unerklärlich.

So beschäftigten sich Griffin und die begeisterten Teilnehmer seines Seminars intensiv mit diesem geheimnisvollen Stück. Über die ursprüngliche Herkunft oder den Fundort des Objekts gab es keine Informationen, berichtet der Ägyptologe. Bekannt war nur, dass es aus dem Nachlass des Sammlers Sir Henry Wellcome (1853 bis 1936) stammte. 1971 war es in den Besitzt des Egypt Centre der Swansea University gelangt, wo es unbeachtet im Archiv verschwand.

Anzeige

Die Darstellung einer Herrscherin

Wie Griffin berichtet, hatte ihn der Stil der Darstellung sofort an Reliefs erinnert, die er in Deir el-Bahari in Ägypten gesehen hatte. Die Kobra auf der Stirn der abgebildeten Person machte eindeutig klar, dass es sich um eine Herrscherpersönlichkeit Ägyptens gehandelt hat. Den entscheidenden Hinweis gab dann die Analyse der Hieroglyphen über dem Kopf auf der Vorderseite. Es handelt sich zwar nicht um einen Namen, sie repräsentieren aber eine weibliche Bezeichnung – die abgebildete Herrscherpersönlichkeit war also eine Frau. Nur eine Kandidatin kam damit in Frage: Hatschepsut.

Es handelt sich bei ihr um eine der prominentesten Figuren des alten Ägyptens: Als Frau hielt sie offiziell die Insignien der Macht in ihren Händen und herrschte von 1478 bis 1458 v. Chr. über das Reich am Nil. Der eigentliche Thronfolger Thutmosis III. war erst drei Jahre alt und so übernahm seine Stiefmutter Hatschepsut für ihn die Regentschaft. Doch bei der Stellvertreterrolle blieb es nicht: Hatschepsut wurde schließlich als einzige rechtmäßige Herrscherin Ägyptens propagiert. Zu Beginn ihrer Regierungszeit stellte man sie noch als Frau dar, später bekam sie männliche Merkmale verliehen – sie wurde auch mit einem Bart abgebildet. Nach ihrem Tod tilgten ihre Nachfolger systematisch die Spuren ihrer Herrschaft: Statuen wurden umgearbeitet, Inschriften gelöscht. Aus diesem Grund gibt es nur wenige Funde, die mit der Pharaonin verknüpft sind.

Rätsel der Rückseite geklärt

Die Rückseite des zusammengesetzen Relief-Stücks zeigt die seltsame Abbildung eines Gesichts. (Credit: The Egypt Centre, Swansea University)

Auch das Mysterium der seltsamen Abbildung auf der Rückseite des oberen Fragments konnte Griffin schließlich klären. Um den Wert des Stücks zu steigern, hatte ihm zufolge wahrscheinlich ein Antiquitätenhändler das obere Stück des Originals abgetrennt und eine Seite so zugeschnitten, dass sie in das fehlende Geschichtsstück des Unterteils passte. Anschließend wurde dort nachträglich das Gesicht eines Pharaos eingraviert, um das Abbild vollständig erscheinen zu lassen. Im Laufe der Geschichte dieses seltsamen Stücks hat dann allerdings irgendjemand entschieden, es in die ursprüngliche und korrekte Form zurückzuversetzen: Das manipulierte Fragment wurde wieder abgetrennt, gedreht und an die ursprünglich Stelle geklebt.

Wahrscheinlich stammt das Stück ursprünglich tatsächlich aus dem Totentempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari, sagt Griffin. Möglicherweise lässt sich sogar die Wandstelle identifizieren, an der es einst herausgeschlagen worden war. In der Zwischenzeit ist das ungewöhnliche Zeugnis der Herrschaft der Frau auf dem Pharaonenthron nun im Egypt Centre der Swansea University zu bewundern.

Quelle: Swansea University 

Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Ag|ro|ty|pus  〈m.; –, –ty|pen〉 aus Züchtung hervorgegangene Kulturpflanzensorte [<Agro… ... mehr

Hip|hop  auch:  Hip–Hop  〈m. 6; Mus.〉 Stilrichtung in der Popmusik, die Elemente der amerikan. Straßen– u. Subkultur enthält ... mehr

Ta|ges|kas|se  〈f. 19〉 Kasse (am Theater, Kino), bei der man für den gleichen Tag sowie für die nächsten Tage Eintrittskarten lösen kann

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige