Pharaonischer Überraschungsfund in Universitätssammlung - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Pharaonischer Überraschungsfund in Universitätssammlung

Luther Sousa mit den beiden Holz-Artefakten. (Courtesy University of Winnipeg)

Das ist die Kartusche der Hatschepsut! Ein junger Ägyptologe ist in der kleinen altägyptischen Sammlung der kanadischen University of Winnipeg auf Artefakte der legendären Frau auf dem Pharaonenthron gestoßen. Es handelt sich um eine Miniatur einer Hacke zur Bodenbearbeitung und Reste des Modells eines Arbeitsgeräts für Bauarbeiten. Vermutlich handelte es sich um symbolische Gegenstände, die vom berühmten Totentempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari stammen.

Davon träumen Archäologen und Historiker: Bei der Untersuchung eines Fundes wird plötzlich klar – das ist etwas Besonderes. So ist es Luther Sousa von der University of Winnipeg ergangen, als er sich mit den etwa 450 altägyptischen Artefakten beschäftigte, die seit etwa hundert Jahren in den Archiven der Universität schlummerten. Es handelt sich um eine bunte Zusammenstellung unterschiedlicher Gegenstände aus verschiedenen Dynastien. Für die hölzernen Miniaturen unter ihnen gibt es Sousa zufolge bereits andere Beispiele in altägyptischen Sammlungen. Das Besondere waren die Inschriften, die Sousa schließlich entziffern konnte: „Die Hieroglyphen legen nahe, dass diese Objekte der Königin Hatschepsut aus der 18. Dynastie der altägyptischen Könige gehörten“, berichtet Sousa. „Die Inschriften umfassen ihre Kartusche, sowie den Namen des Standorts des Hatschepsut-Tempels.“

Die Frau auf dem Pharaonenthron

Hatschepsut ist eine der schillerndsten Figuren des alten Ägypten: Sie hielt offiziell die Insignien der Macht in ihren Händen und herrschte von 1479 bis 1458 v. Chr. über das Reich am Nil. Erbfolgeprobleme der 18. Dynastie hatten sie auf den Thron gebracht: Nach dem Tod ihres Vaters Pharao Thutmosis I. erbte zunächst ihr Halbbruder Thutmosis II. die Krone und Hatschepsut wurde wie damals üblich seine Gemahlin. Sie gebar ihrem Halbbruder allerdings keinen Thronfolger und so wurde nach dem Tod Thutmosis II. der Sohn einer seiner Nebenfrauen zum neuen Pharao ernannt. Thutmosis III. war allerdings erst drei Jahre alt und so übernahm Hatschepsut für ihn die Regentschaft. Doch bei der Stellvertreterrolle blieb es nicht: Hatschepsut wurde schließlich als einzige rechtmäßige Herrscherin Ägyptens dargestellt, inklusive aller Machtinsignien. Ihr Stiefsohn Thutmosis III. rückte während ihrer 20-jährigen Herrschaft in den Hintergrund. Erst nach ihrem Tod übernahm er die Rolle als Pharao. Anschließend wurde das Andenken seiner Vorgängerin systematisch getilgt: Statuen umgearbeitet, Inschriften gelöscht. Aus diesem Grund gibt es nur vergleichsweise wenige Funde, die mit ihrem Namen verknüpft sind.

Rituelle Beigaben beim Bau des Totentempels

Ein besonders eindrucksvolles Monument Ägyptens lässt sich allerdings eindeutig der geheimnisvollen Pharonin zuordnen: Ihr riesiger Totentempel in Deir el-Bahari. Von hier stammen vermutlich auch die Artefakte aus der Sammlung der University of Winnipeg. Erstaunlicherweise lässt sich dies nicht mit Sicherheit sagen, denn die Herkunft der Gegenstände ist nebulös. Klar ist, dass sie altägyptisch sind und bei Lieferungen im Jahr 1903 und 1925 in die Sammlung gekommen waren. Woher sie allerdings genau stammten, ist unbekannt. Zu der fraglichen Zeit fanden jedoch Ausgrabungen am Totentempel der Hatschepsut statt und so gehen die Experten davon aus, dass die beiden Holzartefakte von dort stammen. Vermutlich handelte es sich um rituelle Beigaben beim Bau des Tempels: Es war üblich, solche symbolische Gegenstände dem Fundament beizulegen – sie sollten dem Gebäude Beständigkeit verleihen. Sousa beschäftigt sich nun mit der weiteren Entzifferung der Inschriften und versucht, die Artefakte in einen genaueren Kontext einzuordnen.

Grundsätzlich wird an dem aktuellen Fund nun erneut ein charakteristischer Aspekt der Ägyptologie deutlich: Was Ausgrabungen einst zutage gefördert haben, landete teils auf krummen Wegen in vielen unterschiedlichen Sammlungen überall auf der Welt. Demzufolge könnten in ihnen noch einige unentdeckte Schätze schlummern, wie der Fund in der Sammlung des der University of Winnipeg nun gezeigt hat.

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Quelle: University of Winnipeg
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