Feldherr Prinz Eugen Pilgern mit dem Wander-Navi - wissenschaft.de
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Feldherr Prinz Eugen

Pilgern mit dem Wander-Navi

Auf zwei Jakobspilgerwegen durch Westfalen können sich Wanderer jetzt durch ihr Navigationsgerät oder Mobiltelefon leiten lassen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) stellt ab sofort im Internet entsprechende GPS-Tracks, das sind elektronische Routenbeschreibungen, kostenlos zur Verfügung.

Die Beschreibungen zeigen den Weg auf Computer-Programmen wie Google Earth oder Open Stree Map und in Navigationsgeräten, wie sie Wanderer oder Radfahrer benutzen. Auch auf intelligenten Mobiltelefonen (Smartphones) wie dem IPhone funktionieren die GPS-Tracks mit entsprechenden Anwendungen („Apps“).

Die beiden Strecken von Osnabrück über Münster und Dortmund nach Wuppertal-Beyenburg sowie von Höxter über Paderborn, Soest und Dortmund nach Bochum hat die Altertumskommission für Westfalen für den LWL erfasst. Bis 2011 soll ein GPS-Track für den Jakobsweg durch das Siegerland fertig sein, später werden die geplanten Routen durch Ostwestfalen und durch das Münsterland erfasst.

Die Tracks gibt es zum Herunterladen jeweils unterschiedlich für Fußpilger und Radfahrer in den Formaten gpx (für alle gängigen GPS-Navigationsgeräte und für Smartphones), kml (für Google Earth) und ovl (für amtliche Karten). „Das ist ein weiterer Service für Pilger, ergänzend zum Kartenmaterial in unseren Führern und zur Ausschilderung am Weg“, so LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch.

Die Routen sind entsprechend der Etappen in den drei Pilgerführern (Jakobswege. Von Osnabrück über Münster und Dortmund nach Wuppertal-Beyenburg, Band 6, Bachem-Verlag, und Jakobswege. Von Höxter über Paderborn und Soest nach Dortmund, Band 8, Bachem-Verlag, und Jakobswege. Von Dortmund nach Aachen, Band 9, unterteilt und auch für ältere GPS-Geräte geeignet. Insgesamt 211 Wegstationen (so genannte Waypoints), die der Numerierung der sehenswerten Punkte in den Büchern entsprechen, verweisen auf die Seitenzahl im jeweiligen Pilgerführer, so dass Hintergrundinformationen einfach zu finden und nachzulesen sind.

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Die Altertumskommission für Westfalen hat im Auftrag des LWL zwei Wanderwege für Jakobspilger zwischen Osnabrück und Wuppertal und von Höxter nach Bochum zunächst wissenschaftlich erforscht und dann ausgeschildert. Drei Führer beschreiben die historischen Wege, die über 1.000 Jahre alte Tradition der Pilgerreise nach Santiago de Compostela (Spanien) und die Sehenswürdigkeiten entlang der Trassen in Westfalen.

Die Wege sind nach Angaben von LWL-Expertin Ulrike Spichal weitgehend an historisch belegte Wegführungen angelehnt. Spichal: „Wir haben Reste von Hohlwegen gefunden, die sich durch die schweren Fuhrwerke ins Gelände eingegraben hatten. Auch Wachtürme an den Landwehrdurchlässen sind Zeugnisse der alten Wegetrasse.“

Dass auch tatsächlich Pilger die Wege benutzten, zeigen zahlreiche Funde von verlorenen Pilgerzeichen, nicht nur Jakobsmuscheln, sondern auch Zeichen anderer Wallfahrtsorte, die z.T. auf dem Weg nach Santiago lagen. Auch Hinweise auf Unterkünfte für mittelalterliche Pilger fanden sich in am Wegrand. Im noch heute bestehenden Pilgrim-Haus in Soest zum Beispiel, das direkt am Jakobitor mit gleichnamiger Kapelle lag, fanden Pilger bereits seit 1309 Unterkunft. Auch in Dortmund, dem Kreuzungspunkt des Hellweges mit der Nord-Süd-Strecke, befand sich seit dem 14. Jahrhundert ein Gasthaus, das sich der Unterbringung armer Pilger angenommen hat.

Zwei weitere Strecken in Westfalen – von Minden über Herford und Bielefeld nach Lippstadt (2011/12) und von Warendorf über Münster und Coesfeld an den Niederrhein (2013/14) – sind die nächsten Projekte der Altertumskommission für Westfalen. Das Projekt will die mittelalterlichen Wege und die Spuren der Jakobspilger in Westfalen möglichst genau rekonstruieren: Entgegen heutiger Vorstellung gab es für die Pilger in Westfalen und anderswo keine eigenen Wege, im Gegenteil: Sie suchten aus Angst vor Überfällen stark frequentierte, bekannte Trassen.

Die Pilgerfahrt zum Grab des Apostels Jakobus des Älteren im über 2.000 Kilometer entfernten nordspanischen Santiago de Compostela hat eine Tradition, die bis ins Mittelalter zurückgeht. Man versprach sich die Heilung von Körper und Seele als Lohn für den Besuch der Kultstätte. Seit dem 10. Jahrhundert kamen aus ganz Europa Pilger, Männer und Frauen aus allen Schichten, nach Spanien, zu Fuß oder zu Pferd. Als Beleg und Erkennungszeichen diente die Jakobsmuschel, die jeder Pilger in Santiago erstehen konnte und deutlich sichtbar an der Kleidung oder Umhängetasche trug.

Über Jakobspilger, die aus Westfalen stammen, ist insgesamt nur wenig bekannt. Ein er der bekanntesten westfälischen Pilger ist Bischof Anno aus Minden, der sich in den Jahren 1174 und 1175 auf den Weg nach Santiago de Compostela machte, das damals als Pilgerort gleichrangig neben Rom und Jerusalem stand.

Durch eine Pilgerreise konnten Verbrecher auch ihrer Strafe entgehen, wenn ein Gericht sie dazu verurteilte. „Bettler, Räuber und Steuerhinterzieher im Pilgergewand haben zusammen mit den Strafpilgern die Pilgerfahrt im Laufe der Zeit in Verruf gebracht. Jakobsbrüder wurden vielerorts mit Gesindel gleichgestellt. In Herford, einer wichtigen Sammelstation für Pilger in Westfalen, soll die Jakobikirche 1530 wegen der Jakobspilger, die den Status für ihre Zwecke ausgenutzt haben, geschlossen worden sein“, erläutert Spichal. Für mittellose Menschen war jedoch eine Pilgerreise oft die einzige Möglichkeit, die Heimat zu verlassen. Wohlhabende konnten das Pilgern auch delegieren und einen Berufspilger mieten.

Quelle: LWL
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