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Psychologen: Tratschen ist eine Überlebensstrategie

Über andere Leute reden ist gut und sogar unentbehrlich für ein gesundes Leben. Tatsächlich sagen Fachleute, dass was man weiß und wie viel man weiß eine Reflexion des Selbst sein könnte. Einige Psychologen glauben sogar, das Überleben der menschlichen Spezies hänge von dem althergebrachten und manchmal garstigem Tratschen ab.

Tratschen gibt uns Informationen, wie wir am besten mit anderen Menschen umgehen, sagt Frank McAndrew, Professor für Psychologie am Knox College in Galesburg in Illinois. „Wenn wir lesen, wie jemand gehandelt hat oder davon hören, hören wir sogleich auch die Meinung der Anderen über dieses Verhalten.“ Dadurch wird das Handeln in einer komplizierten gesellschaftlichen Welt vereinfacht. Je mehr man über die Reaktionen Anderer auf ein Verhalten weiß, umso besser kann man sich auf der sozialen wie gesellschaftlichen Leiter hinauf, herab, neben oder weg von ihr bewegen.

McAndrew hat das Tratschen und dessen Einfluss auf die Beziehungen zwischen Personen untersucht. Er zeigte Testpersonen Meldungen aus der Boulevardpresse und bat sie darum, ihr Interesse an jeder Erzählung einzuordnen. In einer anderen Studie gab er den Testpersonen Szenarien vor und bat sie wieder, ihr Interesse an den Geschichten einzuordnen. Er fand heraus, dass die Leute am meisten an Erzählungen interessiert waren, die von bekannten Personen in ihrem Alter handelten. Zudem bevorzugten die Testpersonen Geschichten, in denen Personen, die sie für mächtiger als sich selbst hielten, mit Schmutz beworfen wurden.

Man lerne, was akzeptiert wird, was als eigenartig oder schlecht gilt oder sogar welche Arten von Aktionen den Status verbessern, spekuliert der Psychologe. Dadurch helfen Gerüchte über unpassendes Verhalten, eine gesellschaftliche Orientierung zu bauen. „Gutes Gerede behält Leute auf dem richtigen Weg“, so McAndrew. „Wenn Leute über gute Dinge reden, die andere tun, wollen wir dieses gute Verhalten nachahmen. Es ist ein schöner Weg der gesellschaftlichen Steuerung von Personen.“

Am Arbeitsplatz kann Gerede jedoch Vor- und Nachteile bringen. „Gerede spiegelt die Kultur der Gesellschaft wieder“, sagt Nigel Nicholson, Autor des Buches „Executive Instinct: Managing the Human Animal in the Information Age“. „In Firmen, in denen kein oder wenig Vertrauen herrscht, hat das Gerede die Bedeutung von Krieg. Vage Ängste werden durch das Gerede zu wirklichen Bedrohungen gemacht“, sagt Nicholson. „Sie hören, dass Ihre Arbeitskollegen Dinge wie „er wird entlassen werden“ oder Ähnliches sagen.“ In einer Umgebung, in der es offene Kommunikation gibt, ist Gerede jedoch harmlos und erfüllt die Funktion Beziehungen zu bilden.

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Nicole Waschke
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