Pueblo-Kultur bestätigt berühmte Wirtschaftsthese - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Pueblo-Kultur bestätigt berühmte Wirtschaftsthese

Mesa Verde
Häuser der Pueblo-Kultur in Mesa Verde.(Bild: dszc/ iStock)

Ein neuer Blick auf die Pueblo-Kultur im Süden Nordamerikas verrät einiges auch über unsere heutige Zeit – und die Effekte der Urbanisierung. Denn die Entwicklung dieser Kultur zeigt, dass ihr Wohlstand mit wachsender Siedlungsgröße zunahm. Genau diesen Zusammenhang von Bevölkerungsdichte, Handelsmöglichkeiten und materieller Entwicklung postulierte schon im 18. Jahrhundert der Wirtschaftswissenschaftler Adam Smith.

Eine der prägenden Merkmale der heutigen Gesellschaften ist das wirtschaftliche Wachstum – eine durchschnittliche Zunahme der Produktivität, des Wohlstands und des Lebensstandards. „Diese Kennwerte sind vor allem seit der industriellen Revolution schnell angestiegen, weshalb viele davon ausgehen, dass es davor nur vernachlässigbares wirtschaftliches Wachstum gab“, erklären Scott Ortman von der University of Colorado und José Lobo von der Arizona State University.

Adam Smiths Diktum des wirtschaftlichen Wachstums

Aber inzwischen mehren sich die Belege dafür, dass sich die materiellen Bedingungen auch in vielen Phasen der präindustriellen Vergangenheit schon verbessert haben. Das wirft die Frage auf, welche Faktoren dafür verantwortlich waren. Während diese Art des wirtschaftlichen Wachstums in der modernen Gesellschaft meist mit technologischem Fortschritt, neuen Methoden der Energiegewinnung oder der Informationsvermittlung verknüpft ist, gilt dies für frühe Kulturen nicht zwangsweise. So stellte der Wirtschaftswissenschaftler Adam Smith schon im 18. Jahrhundert die These auf, dass die Größe des Markts ein entscheidender Motor für die wirtschaftliche Entwicklung ist.

„Die Standardinterpretation von Smith‘ berühmtem Diktum ist, dass große Märkte zu einer vermehrten Produktion führen, was wiederum ein erhöhtes Maß an Arbeitsteilung erfordert“, erklären Ortman und Lobo. Diese wiederum macht die Produktion effizienter und ermöglicht es so eher, Überschüsse zu erwirtschaften – als Folge steigt der allgemeine Wohlstand. Dieser Effekt der Marktgröße und damit der Größe der Siedlungen und Bevölkerungsdichte einer Gesellschaft ist jedoch in der Gegenwart kaum von technischen Einflussfaktoren zu trennen. Deshalb war es bislang schwer, Smiths Theorie empirisch zu bestätigen.

Je größer die Siedlung, desto höher der Wohlstand

Aus diesem Grund haben Ortman und Lobo nun archäologische Daten und eine vergangene Kultur als Beweishilfe herangezogen. „Wir haben Indikatoren für die Bevölkerungsdichte von Siedlungen und die materielle Produktivität der Pueblo-Kultur betrachtet, die bis zum 17. Jahrhundert im nördlichen Einzugsbereich des Rio Grande lebte – dem Gebiet das heute New Mexico ist“, so die Forscher. Zwischen 1250 und dem Beginn des spanischen Kolonialismus gab es in dieser Gegend hunderte Siedlungen der Pueblo-Indianer, deren Größe von wenigen Dutzend Einwohnern bis zu Großsiedlungen mit mehr als 3000 Menschen variierte. Wichtig dabei: In der gesamten Zeit blieb das technische Niveau dieser Kultur gleich und die Lebensweise der Bewohner änderte sich nicht.

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Das erlaubte es den Wissenschaftlern, Smiths These ohne Störfaktoren zu überprüfen. Anhand von Raumgrößen in den Pueblos und der Art und Menge der Gefäßfragmente in diesen Siedlungen schätzten sie dafür den jeweiligen Wohlstand und Lebensstandard dieser Siedlungen ein. Dabei zeigte sich: Je größer und bevölkerungsreicher die Siedlungen wurden, desto stärker mehrten sich die Hinweise auf eine verbesserte Produktivität und einen höheren Lebensstandard. „Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass das agglomerationsgetriebene oder ‚Smithsche‘ Wachstum der dominante Faktor hinter diesen Verbesserungen der materiellen Bedingungen in dieser Kultur waren“, sagen Ortman und Lobo.

Zusammenhang auch heute noch gültig

Dabei folgte dieser Zusammenhang einem klaren Muster: Jedes Mal, wenn eine Siedlung sich in ihrer Einwohnerzahl verdoppelte, deuten die ökonomischen Indikatoren auf ein Wirtschaftswachstum um rund 16 Prozent hin, wie die Forscher berichten. Zwar gelte dieser konkrete Wert nicht in allen Gesellschaften. Dennoch deuten diese Resultate nach Ansicht der beiden Wissenschaftler darauf hin, dass Smiths Theorie auch in der heutigen Zeit noch ihre Gültigkeit hat – wenngleich sie hier oft von anderen Faktoren überdeckt ist. „Wenn alles andere gleichbliebe, sollte die Urbanisierung daher auch heute noch zu Verbesserungen der materiellen Bedingungen führen“, sagt Ortman. „Wir vermuten, dass genau aus diesem Grund der Trend zur Verstädterung weltweit bislang ungebrochen ist – trotz aller damit verbundener Probleme.“

Quelle: University of Colorado Boulder; Fachartikel: Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.aba5694

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