Richentals Chronik neu übersetzt - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Richentals Chronik neu übersetzt

Ulrich Richentals Augenzeugenbericht vom Konstanzer Konzil ist in die heutige Sprache übersetzt worden. (Foto: Theiss Verlag)

Wer über das Konstanzer Konzil berichten will, kommt an der Chronik Ulrich Richentals nicht vorbei. Der Konstanzer Bürger – geboren wohl um 1360, gestorben 1437 – war kein klassischer Geschichtsschreiber, eher glich er einem heutigen Journalisten: Er beobachtete, recherchierte und hielt Kontakt zu Informanten, beispielsweise den Herolden. Zum 600-jährigen Jubiläum des Konzils ist im Theiss Verlag eine Übersetzung der Konstanzer Handschrift der Chronik erschienen: „Augenzeuge des Konstanzer Konzils. Die Chronik des Ulrich Richental“ (248 Seiten, 24,95 Euro). Henry Gerlach und Monika Küble haben den Originaltext ins Neuhochdeutsche übertragen und weisen den Leser zudem mit erläuternden Fußnoten unter anderem auf Fehler hin, die dem Chronisten in seinem Bericht unterlaufen sind.

Noch bis zum 21. September ist im Konstanzer Konzilgebäude die Große Landesausstellung „Das Konstanzer Konzil. Weltereignis des Mittelalters 1414 –1418“ zu sehen. Die Schau, die das Konzil als bis heute nachwirkendes mittelalterliches Gipfeltreffen präsentiert, wurde vom Badischen Landesmuseum in Karlsruhe erarbeitet und gestaltet. Das Geschichtsmagazin DAMALS ist Kooperationspartner der Ausstellung.

Ulrich Richental tritt in seinen Aufzeichnungen auch selbst als Akteur auf, etwa als er König Sigismund ins Haus der Familie einlud. Richentals Vater Johannes war Stadtschreiber. Ursprünglich stammte die Familie aus dem Ort Richental im Schweizer Kanton Luzern. Der Sohn dürfte sich einiges beim Vater abgeschaut haben. Ulrich war juristisch ausgebildet und konnte Latein. Ein öffentliches Amt wie sein Vater bekleidete er nicht, stattdessen betätigte er sich als Kaufmann. Aufträge kamen auch aus dem Umfeld des Konzils.

Als Chronist war Ulrich Richental freischaffend tätig. Er war immer nah am Puls des Geschehens. Seine Informationen erhielt er nach eigenen Angaben „aigentlich von huß ze hus“. Eine ziemliche Untertreibung, denn er scheint sehr eng in das Netzwerk des Konzils eingebunden gewesen zu sein.

Zwischen 1420 und 1430 fasste Richental seine Notizen zusammen. Eine „Urchronik“ blieb aus dieser Zeit nicht erhalten. Es könnte auch von Beginn an mehrere Versionen gegeben haben. Von den heute noch erhaltenen 16 Abschriften, deren Texte teilweise voneinander abweichen, wurden die frühesten zwischen 1460 und 1470 angefertigt. Die reichbebilderte Konstanzer Handschrift, die um 1464/65 entstand, wird heute im Rosgartenmuseum in Konstanz aufbewahrt.

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Quelle: Theiss Verlag
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