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Gethsemane

Ritualbad aus der Zeit Christi entdeckt

Ritualbad
Stufen des Ritualbads in Gethsemane. (Bild: Yaniv Berman/ Israel Antiquities Authority)

Der Garten Gethsemane vor den Toren Jerusalems gilt als der Ort, an dem Jesus Christus von Judas verraten wurde. Jetzt haben Archäologen dort erstmals Relikte aus der Zeit Christi entdeckt. Bei Ausgrabungen stießen sie unter anderem auf ein jüdisches Ritualbad. Seine Existenz liefert einen ersten Hinweis darauf, dass damals an dieser Stelle tatsächlich ein zur Herstellung rituellen Öls genutzter Olivenhain lag.

Nach den Erzählungen des Neuen Testaments ist das vor den Toren Jerusalems gelegene Gethsemane der Ort, an dem Jesus von seinen Jüngern Abschied nahm und von Judas verraten wurde. Dieser Hang jenseits des Kidron-Tals soll damals ein Garten oder ein Ölbaumhain gewesen sein. „Gethsemane ist eine der wichtigsten heiligen Stätten Israels, denn dieser Ort gilt traditionell als der Ort, an dem Jesus vor seiner Auslieferung zum letzten Mal betete“, erklärt Francesco Patton, Franziskaner-Kustos für das Heilige Land. „Jedes Jahr besuchen Millionen von Pilgern diesen Ort.“

2000 Jahre altes jüdisches Ritualbad

Ziel der Pilger ist dabei meist die 1919 bis 1924 erbaute Gethsemane-Kirche, die heute am Fuß des Ölbergs an der Stelle steht, an sich die biblischen Ereignisse vor gut 2000 Jahren abgespielt haben sollen. Um diese Stätte für Touristen und Pilger attraktiver zu machen, sollen dort künftig ein Besucherzentrum und ein Tunnel von der Kirche ins Kidron-Tal gebaut werden. Während der Bauarbeiten jedoch stießen die Arbeiter auf antike Relikte. Deshalb wurde umgehend eine Bergungsgrabung unter Leitung von Amit Re ‚em und David Yeger von der Israelischen Antikenbehörde und unter Mitwirkung von Wissenschaftlern des Studium Biblicum Franciscanum begonnen.

Im Rahmen dieser Ausgrabungen stießen die Archäologen im Dezember 2020 auf eine unterirdische Kaverne, die sich bei näherer Untersuchung als der Überrest eines alten jüdische Ritualbads entpuppte. Dieses für religiöse Reinigungen genutzte Bad stammt den Forschern zufolge aus der Zeit des Zweiten Tempels und damit aus der Zeit, in der auch Jesus gelebt haben soll. Während schon früher Relikte aus der Zeit der Kreuzzüge und der byzantinischen Ära in diesem Gebiet gefunden worden sind, ist dies der erste Fund aus der Zeit vor 2000 Jahren, wie die Archäologen berichten. „Diese Ausgrabungen bestätigen damit die christlichen Traditionen und Überlieferungen, die mit diesem Ort verknüpft sind“, sagt Patton.

Indiz für die Ölproduktion in Gethsemane

Wie Ausgrabungsleiter Amit Re’em erklärt, stützt der Fund des Ritualbads die Annahme, dass in Gethsemane zur Zeit Jesu Olivenöl für religiöse Zwecke gewonnen wurde. „Die meisten rituellen Bäder aus dieser Zeit wurden in Privathäusern und öffentlichen Gebäuden gefunden, aber einige auch nahe landwirtschaftlicher Einrichtungen“, so Re’em. „Denn den jüdischen Vorschriften nach mussten sich die Arbeiter, die an der Öl- und Weinproduktion beteiligt waren, einer Reinigung unterziehen.“ Die für diese Zwecke gedachten Ritualbäder lagen meist nicht in einem Gebäude, sondern befanden sich meist unter freiem Himmel – so wie auch das jetzt in Gethsemane entdeckte jüdische Ritualbad.

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„Die Entdeckung dieses einst im Freien gelegenen Ritualbads spricht daher dafür, dass vor 2000 Jahren an diesem Ort eine landwirtschaftliche Produktionsstätte für Öl oder Wein existierte“, so Re’em. Das könnte auch den Namen Gethsemane erklären, was von Gat Shemanim – Ölkelter oder Ölpresse abgeleitet ist. Nach Ansicht der Archäologen stützt der Fund dieses jüdischen Ritualbads damit die traditionelle Annahme, dass an diesem Hang vor den Toren der Stadt einst Öl für religiöse Zwecke hergestellt wurde.

Ruinen eines byzantinischen Gotteshauses

Neben dem 2000 Jahre alten Ritualbad haben die Archäologen bei ihren Ausgrabungen im Kidron-Tal auch die Überreste einer byzantinischen Kirche entdeckt. Der mit feinziselierten Reliefs verzierte Bau wurde den Datierungen nach im sechsten Jahrhundert erbaut und bis ins achte Jahrhundert hinein als Gotteshaus genutzt. Damit war diese Kirche selbst dann noch in Gebrauch, als Jerusalem schon unter islamischer Herrschaft stand. Erst im 12. Jahrhundert wurde der Bau zerstört, wahrscheinlich im Zuge der Eroberung Jerusalems durch den Ayyubiden-Sultan Saladin. Er soll die Zerstörung der Kirchen und anderen Gebäude am Ölberg angeordnet haben und die Steine zur Ausbesserung der Stadtmauern eingesetzt haben.

„Die Ausgrabungen in Gethsemane sind ein hervorragendes Beispiel für die vielschichtige Archäologie Jerusalems, in der verschiedene Traditionen und Glaubensrichtungen zusammenkommen“, sagt Re’em. Wie er erklärt, sollen die neuen Funde in das im Bau befindliche Besucherzentrum integriert werden und damit auch für Pilger und Touristen zugänglich sein.

Quelle: Friends of the Israel Antiquities Authority

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