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Antike Funde auf dem „Heiligen Berg des Sauerlandes“

Rituell zerstörte Waffen

Teile der Neufunde aus den Jahren 2018 bis 2020. (Bild: LWL-Archäologie für Westfalen/Hermann Menne)

Verbogen, abgestumpft und zertrümmert: Archäologen haben auf der Wallburg Wilzenberg im Sauerland militärische Gegenständen entdeckt, die dort vermutlich vor etwa 2000 Jahren im Rahmen von kultischen Handlungen zerstört wurden. Wahrscheinlich handelte es sich um die Waffen von zuvor besiegten Feinden, sagen die Experten.

Er ist auch als der „Heilige Berg des Sauerlandes“ bekannt: Der Wilzenberg ist ein beliebtes Ausflugsziel sowie Wallfahrtsort am Rand des Rothaargebirges im Osten Nordrhein-Westfalens. Dort befindet sich eine Wallfahrtskapelle aus dem Jahr 1633, sowie der Wilzenbergturm von 1891 und ein 28 Meter hohes Hochkreuz. Bekannt ist zudem, dass der Berg auch schon für die Menschen vor über 2000 Jahren eine wichtige Bedeutung besaß: Auf der Kuppe des Berges befinden sich mehrere noch sichtbare Strukturen, bei denen es sich um die Überreste einer Anlage aus Holz, Stein und Erde gehandelt hat. Man nimmt an, dass diese sogenannte Wallburg zwischen 300 v. Chr. und Christi Geburt auf dem Berg thronte.

Blick auf den Wilzenberg. (Bild: LWL-Archäologie für Westfalen/Michael Baales)

Wie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) berichtet, wurden bereits im Jahr 1950 zwei eiserne Schwerter und vier Lanzenspitzen auf dem Wilzenberg entdeckt, die einen ungewöhnlichen Zustand aufwiesen: Die Schwerter waren stark verbogen – fasst wie eingerollt – und auch die Spitzen zeigten deutliche Beschädigungsspuren. Der neue Komplexfund zeigt nun, dass dies keine Einzelfälle waren. Es handelt sich um insgesamt rund 40 Spitzen von Speeren und Lanzen, Bruchstücke von Schildbuckeln und Pferdegeschirrteile sowie Werkzeuge. Sie wurden in den vergangenen drei Jahren durch Begehungen mit dem Metalldetektor im Bereich der Wallburg auf Wilzenberg entdeckt, berichtet der LWL.

Kultische Handlungen zeichnen sich ab

Viele dieser Fundstücke sind teils stark deformiert und beschädigt. „Diese Schäden entstanden aber eindeutig nicht während eines Kampfes, und folglich ist der Wilzenberg auch kein Schlachtplatz“, sagt LWL-Archäologe Manuel Zeiler. Wie er und seine Kollegen berichten, zeichnet sich hingegen ab, dass die Metallobjekte gezielt zerstört wurden. Aus den Merkmalen des Fundbereichs und der geringen Tiefe geht zudem hervor, dass sie nicht vergraben wurden, sondern eher im Lauf der Jahrhunderte sedimentierten und dadurch ins oberflächliche Erdreich gelangten.

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„Denkbar ist nach aktueller Forschungslage, dass im Umfeld des Wilzenbergs ein Kampf stattfand und die Sieger ihren Triumph vollendeten, indem sie die erbeuteten Waffen, Gürtel und Pferdegeschirre auf die Wallburg brachten“, sagt Zeiler. Dort stumpften sie dann die Schneiden der Lanzen- und Speerspitzen ab oder verbogen sie, zerbrachen die eisernen Schildbuckel und ließen die Objekte dann einfach liegen. Diese Vermutungen stützen sich auf Funde in Frankreich, die darauf hinweisen, dass die rituelle Zerstörungen der Waffen unterlegener Gegner im eisenzeitlichen Europa vor allem in der keltischen Kultur und an ihrer Peripherie üblich waren. Da die Waffen vom Wilzenberg allerdings nicht genau datierbar sind, ist nicht klar, ob dort über Jahrhunderte hinweg immer wieder Waffen beschädigt und niedergelegt wurden oder ob die Funde die Überreste eines einzelnen Ereignisses repräsentieren.

Präzisions-Trense für einen Streitwagen

Neben den Hinweisen auf die rituellen Waffenzerstörungen heben die Archäologen auch ein Fundstück aus der neuen Kollektion besonders hervor: Es handelt sich um den Teil einer sehr seltenen Art von Pferdetrensen. Die vorhandenen Griffteile dienten offenbar zum Führen eines Pferdes und das Gebissstück ließ eine sehr präzise und direkte Lenkung des Tieres zu. Die Experten vermuten deshalb, dass diese Trensenart bei Pferden verwendet wurde, die einen Streitwagen zogen. Sie könnten einem Krieger demnach im Gewimmel einer Schlacht eine besonders gute Kontrolle über das Zugtier ermöglicht haben.

Abschließend sagt der LWL-Archäologe Michael Baales zu Bedeutung des Komplexfundes auf dem Wilzenberg: „Dieser Waffenhort ist der größte seiner Art in Nordrhein-Westfalen, verknüpft das Sauerland mit komplexen Entwicklungen im eisenzeitlichen Europa und beleuchtet zudem die kultischen Handlungen eisenzeitlicher Krieger nach einer gewonnenen militärischen Auseinandersetzung“, resümiert der Archäologe die verschiedenen Aspekte dieser archäologischen Entdeckung.

Quelle: Landschaftsverband Westfalen-Lippe

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