Römische "Boxhandschuhe" entdeckt - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Römische „Boxhandschuhe“ entdeckt

Die Boxhandschuhe werden ab dem 20. Februar 2018 im Museum in Vindolanda zu sehen sein. (Foto: The Vindolanda Trust)

In den Überresten eines römischen Militärlagers am Hadrianswall haben britische Archäologen zwei Lederobjekte gefunden, bei denen es sich offenbar um die antike Version von Boxhandschuhen handelt.

Dass die Römer Boxwettkämpfe schätzten, ist klar: Überlieferungen, antike Abbildungen und sogar Statuen zeugen von dieser Kampfsportart. Sie belegen auch, dass die Männer damals bereits ihre Faust durch eine Lederstruktur schützten, die als Cestus bezeichnet wurde. Exemplare dieser antiken Version der Boxhandschuhe sind aber wegen der Vergänglichkeit des Materials nicht erhalten geblieben – so dachte man jedenfalls bisher. Zwei Stücke haben aber offenbar doch die Jahrhunderte überdauert und zwar in den Überresten des römischen Militärlagers Vindolanda in Nordengland.

In Vindolanda wurde geboxt

Seit Jahren führen britische Archäologen dort Ausgrabungen durch und haben schon viele interessante Funde zutage gefördert, die das Leben in dem Lager veranschaulichen. Die dortige Besatzung war für Überwachungsaufgaben im Bereich des Hadrianswalls verantwortlich. Auch Ledergegenstände wie Schuhe haben die Archäologen schon gefunden, denn am Fundort herrschen günstige Bedingungen im Untergrund, die auch eine Erhaltung von leicht vergänglichen Materialien ermöglichten. In der letzten Ausgrabungssaison von 2017 stießen die Archäologen allerdings auf zwei seltsame Lederobjekte. Die genaue Untersuchung ergab, dass es sich um Boxhandschuhe gehandelt haben muss. Offenbar bildeten sie aber kein Paar – sie gehörten einst zu zwei verschiedenen Garnituren, sagen die Forscher. Ihres Wissens nach repräsentieren sie die einzigen bekannten erhaltenen Exemplare der Boxutensilien aus der Römerzeit.

Im Gegensatz zu heutigen Versionen handelte es sich bei den antiken Stücken eigentlich nicht wirklich um Handschuhe. Es waren eher breite Schutzriemen oder Schlagringe, die eng an den Fingerknöcheln anlagen, um sie vor Stößen zu schützen. Das Leder war zu einem Ring zusammengenäht, so dass man sie über die Hand stülpen konnte. Von innen waren die Ringe mit Fasern unterfüttert, um eine zusätzliche Dämpfung beim Aufprall zu gewährleisten.

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Gebrauchsspuren zeugen von Schlägen

Dass die Schlagringe einst auch tatsächlich auf dem Körper oder Gesicht der Gegner landeten, legen Gebrauchsspuren nahe, sagen die die Archäologen. Vor allem der größere der beiden ist stark abgenutzt und wurde offenbar auch einmal repariert. Der kleinere trägt hingegen noch deutlich die Abdrücke der Knöchel des einstigen Trägers, zeigten die Untersuchungen. Wie die Experten erklären, handelte es sich vermutlich um Trainings-Versionen der Boxutensilien, denn sie waren überraschend weich konzipiert. Von den bei Schaukämpfen benutzten Schlagringen ist hingegen bekannt, dass sie mit Metall verstärkt waren, um den Gegner besonders hart zu treffen.

„Ich kannte Darstellungen römischer Boxhandschuhe von Bronzestatuen, Abbildungen und Skulpturen. Nun zwei echte lederne Beispiele betrachten zu dürfen, ist mir eine große Freude“, sagt Ausgrabungsleiter Andrew Birley vom Vindolanda Trust. „Was Vindolanda wirklich einzigartig macht, sind die Objekte aus organischen Materialien, die wir finden. Sie bringen uns in besonderer Weise den Menschen näher, die vor fast 2000 Jahren hier gelebt haben, vor allem wenn es sich um so etwas Besonderes wie Boxhandschuhe handelt“, sagt der Archäologe.

Quelle: The Vindolanda Trust

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