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Bayern

Römischer Friedhof mit Glas-Urne entdeckt

In einem Grab kam eine gläserne Urne zum Vorschein. © Martina Pauli, BLfD

Einblicke ins Leben und Sterben der Römer im heutigen Bayern: Ausgrabungen bei Erding haben die Spuren eines etwa 2000 Jahre alten Friedhofs aufgedeckt. Er gehörte offenbar zu einem römischen Landgut, das zuvor in der Nähe entdeckt worden war. In einem der bisher zwölf gefundenen Urnengräber stießen die Archäologen auf ein spezielles Bestattungsgefäß: eine gläserne Urne. Außerdem fanden sie eine verwitterte Grabfigur sowie die Spuren eines Scheiterhaufens, der einst der Einäscherung gedient hat. Die Funde beleuchten damit, wie die Bewohner der Region in der Römerzeit mit ihren Toten umgingen, sagen die Archäologen.

Wo heute im Erdinger Stadtteil Eichenkofen Kies abgebaut wird, erstreckte sich vor etwa 2000 Jahren ein römisches Landgut, wie aus früheren Funden bereits bekannt war. Diese Villa Rustica befand sich östlich der Römerstraße, die einst die Region durchquerte. Im Jahr 2019 verdeutlichten weitere Funde, dass das Anwesen eine ausgesprochen komfortable Ausstattung besaß: Es wurden die Fundamente von mindestens zwei Steingebäuden ausgegraben, die auf eine römische Badeanlage hindeuten.

Begräbnisplatz der Villa Rustica

Wie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BlfD) nun berichtet, haben neue Entdeckungen auf dem Areal das Bild vom Leben der alten Römer im heutigen Erding um den Aspekt des Todes erweitert: Die Archäologen sind in der Nähe des Grabungsareals der Villa Rustica auf zwölf römische Urnengräber gestoßen. Offenbar handelte es sich demnach um den Bestattungsplatz des einstigen Anwesens. Wie das Team erklärt, war es im Römischen Reich vor etwa 2000 Jahren üblich, die Verstorbenen auf einer Art Scheiterhaufen, der sogenannten Ustrina, einzuäschern. Anschließend wurden die Überreste in Urnen gelegt, die dann bestattet wurden.

Diese Gefäße bestanden in der Regel aus Keramik, es sind allerdings auch speziellere Materialien aus dem Römischen Reich bekannt. Im Fall eines der Gräber in Eichenkofen stießen die Archäologen nun auf ein Beispiel für eine Urne aus geblasenem Glas. Der Datierung zufolge stammt sie aus der mittleren Kaiserzeit. Die Urne stand ursprünglich in einer Grube, die mit Ziegelplatten ausgekleidet und abgedeckt war. Es gelang den Experten, das außergewöhnlich gut erhaltene Gefäß komplett mit seinem Inhalt zu bergen. Wie das Team betont, gelingt dies bei derart zerbrechlichen Objekten selten.

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Ein geflügelter Löwe bewachte die Grabstelle

Im Vordergrund der mutmaßliche Verbrennungsplatz, am linken Bildrand die römische Glas-Urne. © Martina Pauli, BLfD

Wie das BlfD berichtet, besitzt die Grabstelle weitere interessante Aspekte: Offenbar war sie einst mit einem eindrucksvollen Grabmonument ausgestattet. Dazu gehörte eine vollplastisch ausgearbeitete Tierfigur, deren Material vermutlich aus dem alpinen Gebiet stammte. Der Kalkstein ist zwar stark verwittert und der Kopf fehlt, es sind aber Hinterläufe, der Rücken und Vorderläufe sowie Ansätze von Flügeln zu erkennen. Demnach könnte es sich um einen Löwengreif oder eine Sphinx gehandelt haben, sagen die Wissenschaftler.

Abgerundet wurden die Befunde von Spuren im nahen Untergrund, bei denen es sich vermutlich um die Ustrina handelt – also den Scheiterhaufen, auf dem die oder der Tote einst verbrannt worden war. Darauf weisen die zahlreichen Ascheschichten in der Grube hin sowie für den Grabritus verwendete Gefäße wie Räucherkelche, erklärt das Team. Außerdem stießen die Archäologen auf Eisennägel, die vermutlich von der Bahre oder dem Scheiterhaufen stammen.

Wie das BlfD abschließend berichtet, sollen die Untersuchungen nun weitergehen: Die geborgene Glas-Urne soll demnach in den Restaurierungswerkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege genau analysiert werden – unter anderem durch Röntgenaufnahmen. Auch die Beigaben, die das Grabungsteam am Bestattungsplatz ebenfalls bereits gefunden hat, sollen näher untersucht werden. Darunter befinden sich Teller, Schüsseln, Öllämpchen, Räucherkelche und ein Armreif. Das Team hofft damit weiter Hinweise auf die Geschichte zu erhalten, die der römische Bestattungsplatz in Erding zu erzählen hat.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

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