Rom und Kleopatra im Bann eines Vulkans - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Erde+Klima Geschichte+Archäologie

Rom und Kleopatra im Bann eines Vulkans

Die zehn Kilometer breite Caldera auf Alaskas Insel Unmak entstand während des Okmok-Ausbruchs 43 v. Chr. (Bild: Kerry Key, Columbia University, New York, NY)

Im entlegenen Alaska befindet sich ein Ort, der das Schicksal der antiken Welt geprägt haben könnte, berichten Forscher: Dort kam es 43 v. Chr. zu einem gigantischen Vulkanausbruch, dessen klimatische Folgen zu wiederholten Missernten und Unruhen im Mittelmeerraum führten. Diese Effekte destabilisierten die Römische Republik sowie das Reich Kleopatras und prägten damit den Lauf der Weltgeschichte, sagen Historiker.

Es war eine Zeit des Umbruchs: Die Ermordung Julius Caesars im März 44 v. Chr. löste einen intensiven Machtkampf in der antiken Welt aus. Er führte zum Ende der Republik, zum Aufstieg des römischen Kaiserreiches und besiegelte auch das Schicksal der Dynastie der Ptolemäer: Der Versuch Kleopatras, Ägypten erneut als Großmacht im östlichen Mittelmeerraum zu etablieren, scheiterte. Zu den komplexen Faktoren dieser Entwicklungen gehört historischen Quellen zufolge auch das Klima. In der Zeit um Julius Cäsars Tod wurde es demnach plötzlich sehr kalt und nass in der Mittelmeerregion und die für die Fruchtbarkeit wichtigen Nil-Überschwemmungen fielen aus. Die Folgen waren Missernten, Hungersnöte, Seuchen und Unruhen, die in der instabilen politischen Lage dieser Ära eine wichtige Rolle spielten.

Es gab bereits Vermutungen, dass ein Vulkanausbruch die abrupte Klimaveränderung verursacht haben könnte. Doch wann und wo eine entsprechend große Eruption stattgefunden hat, blieb unklar. Die Forscher um Joe McConnell vom Desert Research Institute in Reno haben nun den Vulkan Okmok vor Alaska als Verantwortlichen identifiziert. Anhand von Simulationen verdeutlichen sie zudem, welche klimatischen Folgen der Vulkanausbruch auf die antike Welt gehabt haben könnte. „Es ist faszinierend, Belege dafür zu finden, dass die Eruption eines Vulkans auf der anderen Seite der Erde womöglich zum Untergang der Römischen Republik und Kleopatras beigetragen hat“, sagt McConnell.

Ein Vulkanausbruch mit Klimafolgen

Die Grundlage der Studie bildete die Analyse eines Eisbohrkerns aus Grönland: Die Wissenschaftler entdeckten darin eine Schicht von feinster Vulkanasche. Diesen Befund verglichen sie anschließend mit Ergebnissen von weiteren Bohrkernen aus Grönland sowie aus Russland. So zeichnete sich ab, dass sich im Jahr 43 v. Chr. einer der größten Vulkanausbrüche der letzten 2500 Jahre ereignet hat. Als Nächstes führten die Forscher eine geochemische Analysen der aus dem Eis extrahierten Asche durch, um Vergleiche mit dem Material von infrage kommenden Vulkanen zu ermöglichen. So konnten die Wissenschaftler den Okmok als Quelle identifizieren.

Anzeige

Wie sie berichten, passen die heutigen Merkmale dieses Vulkans zu der gigantischen Eruption vor rund 2000 Jahren: Sein Krater besitzt einen Durchmesser von zehn Kilometern. Wie aus den Modellrechnungen der Wissenschaftler hervorgeht, schleuderte der Vulkan schwefelhaltige Gase und Asche über 30 Kilometer hoch in die Atmosphäre. Dies hatte langanhaltende globale Folgen: Kleinste Schwefelsäure-Tröpfchen verblieben über zwei Jahre lang in der Atmosphäre und schirmten in der nördlichen Hemisphäre Teile des Sonnenlichts ab.

Nasskaltes Klima und ein Ausbleiben der Nilflut

Die Simulationen des Effekts auf das Klima zeigten: Sommer und Herbst der Jahre 43 und 42 v. Chr. fielen durchschnittlich um drei Grad Celsius und möglicherweise bis zu sieben Grad kälter aus als üblich. In Südeuropa wurde es zudem feuchter: Die Sommerniederschläge lagen zwischen 50 und 120 Prozent höher als gewöhnlich und im Herbst regnete es sogar viermal so viel wie normalerweise. Für die Landwirtschaft Europas hatte dieses nasskalte Wetter sicherlich katastrophale Folgen. Diesen Effekt bekamen die Kontrahenten im Bürgerkrieg nach der Ermordung Cäsars zu spüren, wie Texte des antiken Geschichtsschreibers Plutarch belegen.

Ägypten war hingegen in anderer Weise von den Folgen des Vulkanausbruchs betroffen, geht aus den Klimasimulationen hervor. Demnach verschob sich der Sommermonsun Ostafrikas in den Süden und so gelangte nur wenig Wasser in den Nil. Dadurch fiel in Ägypten die jährliche Sommer-Flut vollständig aus, was sich verheerend auf die Getreideproduktion auswirkte. „Wir wissen, dass der Nil 43 v. Chr. und 42 v. Chr. nicht über die Ufer getreten ist – und jetzt wissen wir, warum. Dieser Vulkanausbruch hatte große Auswirkungen auf den Einzugsbereich des Nils“, sagt Co-Autor Joseph Manning von der Yale University. In historischen Quellen wird auch von entsprechender Nahrungsmittelknappheit und von Hungersnöten berichtet. Infolge der Missernten konnte Kleopatra auch den Verlauf des römischen Bürgerkriegs kaum durch Getreidelieferungen beeinflussen.

Die Wissenschaftler betonen, dass vielschichtige Entwicklungen zum Fall der Römischen Republik und des ptolemäischen Reichs beigetragen haben. Was ohne den Vulkanausbruch geschehen wäre, kann in diesem Zusammenhang niemand sagen, doch es handelte sich sicherlich um einen wichtigen Stressfaktor in der antiken Welt, sagen die Forscher. „Die neuen Einblicke erlauben es uns nun, die antike Geschichte neu zu überdenken, insbesondere im Hinblick auf Umwelt und Klima“, sagt Manning abschließend.

Quelle: Yale University, Universität Bern, Fachartikel: PNAS, doi: 10.1073/pnas.2002722117

Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Quen|del  〈m. 5; Bot.〉 echter Thymian als Gewürz– od. Heilpflanze [<ahd. quenela, quenil ... mehr

on|ko|lo|gisch  〈Adj.; Med.〉 zur Onkologie gehörend, auf ihr beruhend, mit ihrer Hilfe

On|ko|lo|ge  〈m. 17; Med.〉 Kenner, Facharzt der Onkologie

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige