"Samson Leuchter": Ein Chanukka-Leuchter und seine Geschichte - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

„Samson Leuchter“: Ein Chanukka-Leuchter und seine Geschichte

Chanukka-Leuchter, Halberstadt von 1713, aus der Sammlung Dr. David und Jemima Jeselsohn, Schweiz. (Foto: Sotheby’s)

Die Ausstellung „Samsons Leuchter“ des Jüdischen Museums München spürt noch bis zum 16. März 2014 der Geschichte eines zu Beginn des 18. Jahrhunderts gefertigten Chanukka-Leuchters nach. Chanukka ist das achttägige jüdische Lichterfest im Dezember, bei dem unter anderem durch das Anzünden von Kerzen an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem durch Judas Makkabäus im Jahr 164 v.Chr. erinnert wird.

Der „Samson-Leuchter“ gelangte wohl kurz nach seiner Fertigung 1713 in den Besitz des österreichischen Hofjuden Samson Wertheimer (1658–1724) – möglicherweise als Geschenk des Halberstädter Hofjuden Issachar Behrend Lehmann (1661–1730). Unter den direkten Nachfahren Samson Wertheimers wurde er über sieben Generationen weitervererbt. Nach Stationen in Wien, München, Bayreuth und Regensburg befand er sich seit 1912 im Besitz von Sigmund Oppler (1873–1942) in Hannover, einem Sohn des Architekten Edwin Oppler (1831–1880), der unter anderem die Synagogen von Breslau, Hameln und Hannover erbaute.

1929 gelang es dem Münchner Familienforscher Michael Berolzheimer, die Besitzgeschichte des Chanukka-Leuchters bis auf Samson Wertheimer zurückzuverfolgen. Knappe zehn Jahre später verliert sich vorerst seine Spur. 1942 entzog sich der letzte Besitzer, Sigmund Oppler, mit seiner Frau in Amsterdam der bevorstehenden Deportation durch Selbstmord.

In den 1950er Jahren gelangte der Leuchter in die Sammlung der Central Synagogue in New York. Ein Gemeindemitglied – der in den Nachkriegsjahren für das American Jewish Joint Distribution Committee in Europa tätige Morris Troper (1892–1963) – schenkte ihn zusammen mit anderen jüdischen Ritualgegenständen seiner Synagogengemeinde. Wie der Leuchter in seinen Besitz kam, lässt sich nicht mehr feststellen. Auch das Wissen um seine Geschichte war zu diesem Zeitpunkt verloren gegangen.

Als die Central Synagogue den Leuchter 2006 in eine Judaica-Auktion bei Sotheby’s einlieferte, konnte er dank der Aufzeichnungen Michael Berolzheimers und einer Fotografie, die dieser 1929 von Sigmund Oppler erhalten hatte, als Raubkunst identifiziert werden. Die Central Synagogue zog den Leuchter daraufhin aus der Auktion zurück und restituierte ihn 2007 an die Nachfahren der Familie Oppler in Washington, die ihn 2010 bei Sotheby’s versteigern ließen. Seither befindet sich der Chanukka-Leuchter mit seiner außergewöhnlichen Geschichte in der Sammlung Dr. David und Jemima Jeselsohn, Schweiz, die ihn für diese Ausstellung als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat.

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Die Ausstellung ist noch bis 16. März 2014 täglich (außer Montags) von 10 bis 18 Uhr im Studienraum des Jüdischen Museums München zu besichtigen.

Das Geschichtsmagazin DAMALS widmete sich in Heft 12-2013 dem Thema „Juden in Deutschland – Zwischen Emanzipation und Ausgrenzung“. Das Heft kann im Internet bestellt werden: http://www.damals.de/de/16/Ueberblick.html.

Quelle: Jüdisches Museum München / Redaktion DAMALS
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