Scans offenbaren Mumie in einer Buddha-Statue - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Scans offenbaren Mumie in einer Buddha-Statue

Links die Statue und rechts was die CT-Scans über ihr Inneres aufgedeckt haben. (Foto: Drents Museum)

Niederländische Forscher haben das innere Geheimnis einer fast 1000 Jahre alten Buddha-Statue aus China offenbart: In dem Kunstwerk schlummert die Mumie eines meditierenden Mönchs. Das Drents Museum, in dem die Statue im vergangenen Jahr ausgestellt war, äußerte dazu die Spekulation: Es könnte sich um einen Fall von Selbstmumifikation gehandelt haben.

„Es war der älteste Patient, den wir jemals hatten“, schreibt das Meander Medical Center in Amersfoort in einer Mitteilung. An dieser medizinischen Einrichtung untersuchten Forscher, Experten und medizinisches Personal das geheimnisvolle Kunstwerk, das als Leihgabe aus China ins Drents Museum gekommen war. Um möglichst zerstörungsfreie Einblicke ins Innere der lebensgroßen Statue zu ermöglichen, untersuchten die Experten sie mittels eines Computertomographen (CT) und Endoskopie.

Die CT-Scans offenbarten die menschlichen Überreste im Inneren auf beeindruckende Weise. Die Mumie im Lotossitz war offenbar mit einer Art Pappmasche bedeckt worden, um sie in eine Statue zu verwandeln. Auch die endoskopischen Untersuchungen führten zu einer interessanten Entdeckung: Man hatte dem Toten offenbar die Organe entfernt und sie durch Papier ersetzt, auf dem sich chinesische Schriftzeichen befanden. Den Experten zufolge handelt es sich bei der Mumie um die Überreste eines buddhistischen Meisters namens Liuquan, der um 1100 in China gestorben war.

In einer Broschüre warf das Drents Museum die Frage auf, ob sich der buddhistische Meister dem sogenannten Sokushinbutsu – der Selbstmumifizierung unterzogen haben könnte. Bei diesem grausam erscheinenden Ritual fasteten die buddhistischen Mönche zunächst intensiv und tranken dann einen Tee, der zum Erbrechen und vermehrter Ausscheidung von Flüssigkeiten führte. Anschließend begaben sie sich noch lebendig in ein Grab, in dem sie in Meditationsstellung verharrten. Gelegentlich läuteten sie hier eine Glocke, um zu verkünden, ob sie noch lebten. Wenn dieses Zeichen verstummte, ließ man den Toten noch 1000 Tage ruhen. Dann wurde das Grab geöffnet, um nachzusehen, in welchem Zustand er sich befand.

War er nicht in Verwesung übergegangen, sondern hatte ein Prozess der Mumifikation eingesetzt, wurde er als Buddha angesehen und zur Verehrung im Tempel ausgestellt. Man glaubte, er habe den Weg ins Nirwana gefunden. Ob dies auch als Hintergrund für den Meister in der Statue zutrifft, bleibt nun allerdings völlig unklar. Der Befund, dass die Organe entfernt wurden, passt aber eigentlich nicht zum typischen Verfahren des Sokushinbutsu.

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In der Zwischenzeit ist die geheimnisvolle Statue vom Drents Museum nach Ungarn umgezogen: Nun kann man das skurrile Ausstellungsstück im Hungarian Natural History Museum in Budapest bewundern.

Quelle: Meander Medical Center / Drents Museum
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