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Geschichte+Archäologie

SCHATZ für GENERATIONEN

„Steckt womöglich ein wenig Neandertaler in uns?“ Auf diese Fragestellung erhoffen sich Experten nach der Sequenzierung von rund 60 Prozent des Neandertaler-Genoms eine abschließende Antwort. Einer der renommiertesten Neandertaler-Forscher Deutschlands ist Ralf W. Schmitz vom LVR-Landesmuseum Bonn. „Die jetzt geschaffene Genom-Datenbank ist ein Schatz, der die Wissenschaftler noch auf Jahrzehnte hinaus beschäftigen wird“, urteilt Schmitz. Da nun die Kern-DNA des Neandertalers zur Verfügung stehe, könne man klären, ob es im Erbgut der heutigen Europäer noch Neandertaler-Gene gibt. Spannend ist auch die Frage, wie das Sprach-Gen FOXP2 beim Neandertaler strukturiert war – so wie beim modernen Menschen, oder rudimentärer? Außerdem stehen der sogenannte Tau-Locus und das Microcephalin-1-Gen im Mittelpunkt des Interesses. Diese Gen-Orte werden mit der Entwicklung und der Alterung des Gehirns in Verbindung gebracht. Bei Europäern findet man Varianten davon, die möglicherweise von Neandertalern an die vor 40 000 Jahren nach Europa einwandernden modernen Menschen vererbt wurden. „Erste vorläufige Ergebnisse“, erklärt Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, „deuten jedoch darauf hin, dass Neandertaler, wenn überhaupt, nur einen sehr geringen Anteil zu der bei heutigen Menschen gefundenen genetischen Varianz beigetragen haben.“

Pääbo hatte mit seinen Kollegen und neuen Geräten der Firma 454 Life Sciences mehr als drei Milliarden Basen Neandertaler-DNA sequenziert. Sie setzen sich aus sechs verschiedenen Individuen zusammen: dem „Ur-Neandertaler“ aus dem Neandertal, einem aus der Mezmaiskaya-Höhle im Kaukasus, einem aus dem spanischen El Sidron und drei Neandertalern aus Vindija in Kroatien. Die Arbeit an der Datenbank ist jedoch noch lange nicht abgeschlossen. Jetzt werden weitere Sequenzierläufe durchgeführt, um Fehler zu beseitigen. Außerdem wird die DNA eines weiteren Individuums einfließen, das Schmitz 1997 im Neandertal entdeckt hat.

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