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Geschichte|Archäologie

Schiffswrack aus der Hansezeit entdeckt

Wracktaucher
Taucher am Schiffswrack. © Forschungstaucher Christian Howe

In der Trave bei Lübeck haben Archäologen das Wrack eines versunkenen Schiffs aus der Spätphase der Hanse entdeckt. Es handelt sich um einen 20 bis 25 Meter langen Frachtsegler, der wahrscheinlich Mitte des 17. Jahrhunderts gebaut wurde. Für den westlichen Ostseeraum ist dieses Wrack damit einzigartig. Aus Resten seiner Fracht geht hervor, dass das Schiff damals 150 Fässer mit Branntkalk geladen hatte, die vermutlich aus Skandinavien stammten.

Die Hanse dominierte über Jahrhunderte den Seehandel der Ostsee und an den deutschen Küsten. In diesem Handels- und Städteverbund waren zu ihrer Hochzeit fast 300 Städte in Nord- und Mitteleuropa zusammengeschlossen. Eine prominente Rolle spielte dabei die Hansestadt Lübeck. Dort wurde im Jahr 1358 der erste Hansetag abgehalten, im Jahr 1669 fand dort auch der letzte Hansetag statt. Als Hafenstadt an der Trave mit Zugang zur Ostsee war Lübeck schon damals rege am Seehandel beteiligt.

Zufallsfund am Grund der Trave

Davon zeugt nun auch ein Schiffswrack, das durch Zufall in der Trave entdeckt wurde. Als Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts im Februar 2020 eine Routineuntersuchung der Fahrrinne mittels Fächerlotpeilung durchführten, fiel ihnen eine Anomalie am Flussgrund auf. Daraufhin kontrollierten Taucher im August 2021 die Stelle, um eine mögliche Gefahr für die Schifffahrt auszuschließen. Dabei entdeckten sie erste Hinweise auf ein Wrack und informierten die Obere Denkmalschutzbehörde der Hansestadt Lübeck. Diese beauftragte das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Kiel, das Wrack weiter zu untersuchen.

Im November 2021 begannen Archäologen um Fritz Jürgens mit Unterstützung von Forschungstauchern mit der Untersuchung des in elf Meter Tiefe liegenden Schiffswracks. In 13 Tauchgängen mit insgesamt 464 Minuten Tauchzeit sammelten die Forscher genügend Daten und Material, um den Fund einzuordnen. Demnach handelt es sich bei dem Wrack um ein Schiff vom Ende der Hansezeit. „Die unabhängige Altersbestimmung der Schiffshölzer in drei verschieden Laboren ergab, dass das Schiff in der Mitte des 17. Jahrhunderts gebaut sein worden muss“, sagt Jürgens. Damit könnte dieses Schiff schon seit mehr als 350 Jahren auf dem Grund des Flusses liegen.

Frachtsegler mit Kalk am Bord

Auf Grundlage von Fotos und Videos erstellten die Archäologen 3D-Modelle, mit denen sie die ursprüngliche Form und Größe des Schiffes rekonstruieren konnten. Demnach handelte es sich um einen 20 bis 25 Meter langen Frachtsegler, wie er damals häufig als „Arbeitspferd“ des Ostseehandels auf See unterwegs war. „Für den westlichen Ostseeraum ist dieser Fund außergewöhnlich“, sagt Jürgens. „Auf einen solchen Fund hofft man immer und plötzlich liegt er vor einem. Das ist wirklich einmalig – auch für mich persönlich.“ Bisher sind entsprechende Wracks nur aus dem östlichen Ostseeraum bekannt.

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Das Schiffswrack ist allerdings nach Jahrhunderten im Wasser stark erodiert und von Muscheln überwuchert. Erhalten sind vornehmlich die Holzbalken des Schiffsrumpfs sowie Reste der Ladung. Wie die Archäologen feststellten, muss das Schiff Fässer mit Branntkalk transportiert haben, einem zur damaligen Zeit begehrten Baumaterial. „Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hat man Kalkstein abgebaut, gebrannt und abgelöscht. Daraus wurde Mörtel hergestellt“, erklärt Jürgens. Nach ersten Erkenntnissen war das Schiff wahrscheinlich auf dem Weg von Skandinavien nach Lübeck, wo es allerdings nie ankam.

Video: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

Warum das Schiff sank, ist noch unklar. Die Wissenschaftler vermuten aber, dass das Schiff an einer Biegung der Trave auf Grund gelaufen sein könnte, dort stark beschädigt wurde und deshalb sank. Ob dieses Szenario stimmt, sollen nun weitere Untersuchungen klären. Bei den Tauchgängen zeigte sich auch, dass das Wrack massiv durch Erosion und die Schiffsbohrmuschel gefährdet ist. Ohne Schutzmaßnahmen könnte dieses historische Zeugnis des Lübecker Seehandels innerhalb weniger Jahre zerstört werden. Um das zu verhindern, wird bereits an einem Konzept zum Schutz und zur Bergung des Wracks gearbeitet.

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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