Schiffswrack: "Made in China" verrät Alter - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Schiffswrack: „Made in China“ verrät Alter

Chinesische Keramik
Herkunftszeichen auf einem Keramikgefäß, das aus dem Schiffswrack geborgen wurde. (Foto: Field Museum, cat. no. 344404/ Gedi Jakovickas)

Seit hunderten von Jahren liegt das Wrack eines chinesischen Frachters auf dem Grund der Javasee in Indonesien. Doch wie alt dieses Schiff ist, haben erst jetzt Teile seiner Fracht verraten. Denn auf einigen der Keramikgefäße an Bord haben Archäologen nun ein Herkunftszeichen entdeckt – eine Art „Made in China“-Label. Der darin genannte Ortsname enthüllt, dass dieses Schiff schon vor rund 800 Jahren gesunken sein muss.

Die Meerenge zwischen den indonesischen Inseln Java und Borneo ist eine wichtige Route für den Schiffsverkehr – und war es auch schon vor hunderten von Jahren. Kein Wunder daher, dass Fischer in den 1980-er Jahren dort auf ein Schiffswrack stießen, dessen zerfallene Holzplanken für ein bereits hohes Alter sprachen. Als Archäologen zum Wrack hinabtauchten, stießen sie auf eine reiche Fracht: Tausende von Keramikgefäßen, gusseiserne Objekte und Luxusgüter wie Elefantenstoßzähne und wohlriechende Harze lagen auf dem Meeresgrund verstreut.

Schnell war klar, dass dieses Schiff aus China stammte. Wann es jedoch gesunken war, blieb zunächst unklar. „Erste Untersuchungen in den 1990-er Jahren hatten das Schiff auf das späte 13. Jahrhundert datiert“, berichtet Lisa Niziolek vom Field Museum in Chicago – dem Museum, in dem rund die Hälfte der Fundstücke aufbewahrt werden. Doch sicher war diese Datierung nicht. Denn die Methoden der Radiokarbondatierung waren damals noch relativ ungenau, wie die Archäologen erklären.

Keramik „Made in China“

Jetzt aber ist den Forschern ein glücklicher Zufall zu Hilfe gekommen: Unter dem Frachtgut entdeckten sie einige Keramikobjekte mit einem eingeprägten Herkunftszeichen. „Jemand versah diese Gefäße mit einem Label, das im Prinzip besagt: ‚Made in China'“, berichtet Niziolek. „Und weil darin ein bestimmter Ort erwähnt wird, konnten wir dieses Schiffswrack nun besser datieren.“ Auf den Gefäßen wird als Ursprungsort der Regierungsbezirk „Jianning Fu“ angegeben.

Dieses Gebiet aber hieß nur für relativ kurze Zeit so: Es trug diesen Namen nur von 1162 bis 1278 und wurde dann, nach der Invasion durch die Mongolen, in Jianning Lu umgetauft, wie die Archäologen berichten. Ihrer Ansicht nach muss die Fracht des Schiffes daher aus der Zeit vor der Umbenennung stammen. „Angesicht der rund hunderttausend Keramikobjekte an Bord ist es unwahrscheinlich, dass ein Händler für eine lange Lagerung dieser Fracht bezahlt hat“, sagt Niziolek. „Sie wurden vermutlich nicht lange vor dem Verschiffen hergestellt.“

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Frachter aus der Umbruchszeit

Nach Ansicht der Archäologen spricht dies dafür, dass Schiff und Fracht älter sind als bisher angenommen. Gestützt wird dies durch eine neue Radiokarbondatierung von Proben der Elefantenstoßzähne und des Duftharzes mit modernen Analysemethoden. „Als wir die Ergebnisse bekamen, stellte sich heraus, dass diese Proben ebenfalls älter waren als bisher gedacht – ein spannendes Ergebnis“, sagt Niziolek. Demnach waren diese Relikte bereits rund 800 Jahre alt und damit rund 100 Jahre älter als angenommen.

Die neue Datierung bedeutet, dass der Frachter aus einer besonders spannenden Periode in der Geschichte Chinas stammt. Denn wie die Forscher erklären, begann das südchinesische Reich damals, seinen Seehandel stark auszubauen. „In dieser Zeit wurden die chinesischen Händler aktiver im Seehandel und verließen sich mehr und mehr auf die Überseerouten, statt wie bisher auf den Landtransport über die Seidenstraße“, erklärt Niziolek. Dieser Wandel war nicht ganz freiwillig: In Nordchina hatte gerade die Jin-Dynastie die Macht ergriffen und blockierte Südchinas Zugang zu den Handelswegen der Seidenstraße. Den südchinesischen Herrschern der Song-Dynastie blieb daher nur der Handel über das Meer. Das Schiffswrack vor Java gehörte demnach einst zu ihrer Handelsflotte.

Quelle: Field Museum, Fachartikel: Journal of Archaeological Science: Reports

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