Schlechte Chancen bei MRSA - wissenschaft.de
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Schlechte Chancen bei MRSA

Mit dem gegen die meisten verfügbaren Antibiotika resistenten Bakterium Staphylococcus aureus, auch MRSA genannt und bekannt als Krankenhauskeim, infizieren sich vor allem Patienten der Intensivstation. Der Keim kann sich leicht im Krankenhaus ausbreiten und führt immer wieder zum Tod der Betroffenen. Das Risiko an einer solchen Infektion zu sterben ist anderthalb mal so hoch, wie das Sterberisiko bei einer Infektion mit der nicht resistenten Variante, hat ein internationales Forscherteam jetzt bei der Auswertung der Daten einer weltweit angelegten Studie entdeckt.

Durch den vermehrten Einsatz von Antibiotika haben bereits viele Bakterien Resistenzen ausgebildet. Nur noch wenige und meist sehr teure Medikamente können diese Stämme bekämpfen, nicht selten allerdings mit erheblichen Nebenwirkungen. Doch auch gegen solche Antibiotika, wie zum Beispiel das Methicillin ? eine Penicillinvariante, die nicht wie üblich bei resistenten Bakterien von dem Enzym Penicillinase abgebaut wird gibt es schon Resistenzen. Besonders häufig treten sie bei Staphylococcus aureus auf, einem Bakterium, das fast überall in der Natur vorkommt und daher eine gängige Ursache für Infektionen von Patienten auf Intensivstationen ist, deren Immunsystem nur eingeschränkt arbeitet. Da mit einer Resistenz gegen Methicillin, der der Keim seinen Namen MRSA ? methicillinresistener Staphylococcus aureus – verdankt, meist auch eine Resistenz gegenüber vielen anderen Antibiotika einherget, gilt eine MRSA-Infektion als besonders gefährlich. Ob das Risiko, zu sterben, bei MRSA-Infektionen allerdings tatsächlich größer ist als bei Infektionen mit der nicht resistenten Variante Des Keims, war bislang unklar. Frühere Studien dazu hatten widersprüchliche Ergebnisse geliefert.

Daher haben Forscher jetzt unter Federführung der Universität im schwedischen Linköping eine Bewertung vorgenommen, inwieweit die Methicillin-Resistenz eine Rolle beim Überleben von Patienten mit einer S.aureus-Infektion spielt. Sie nutzten dazu die Daten der sogenannten EPIC-II-Studie, bei der an einem bestimmten Tag im Mai 2007 Intensivstationen aus Krankenhäusern in 75 Ländern auf unterschiedlichen Kontinenten verschiedene demografische, physiologische, bakteriologische und therapeutische Informationen gesammelt und jetzt gemeldet hatten. Von 13 796 Krankenhauspatienten identifizierten die Forscher 494 Patienten mit einer MRSA-Infektion. 505 Patienten waren mit dem methicillin-empfindlichen S.aureus, auch MSSA genannt, infiziert.

Die Wissenschaftler verglichen die beiden Patientengruppen, unter Berücksichtigung weiterer Erkrankungen, Alter, Ort der Infektion und geografischer Region. Dabei zeigte sich, dass eine MRSA-Infektion zwar häufiger bei älteren Patienten und solchen mit Krebserkrankungen oder Nierenversagen zu finden war ? und dass sie mit einem deutlich erhöhten Risiko, im Krankenhaus zu sterben, einherging. Diese Beziehung blieb auch bestehen, wenn die anderen Faktoren herausgerechnet wurden: Wer mit MRSA infiziert war, hatte ein um fast 50 Prozent höheres Todesrisiko als jemand, der sich mit der nicht resistenten Variante von Staphylococcus aureus angesteckt hatte.

Warum genau die Sterblichkeit höher liegt, lasse sich aus den vorliegenden Daten nicht ablesen, schreiben die Wissenschaftler. Sie vermuten jedoch, dass vor allem die problematische Behandlung und nicht eine größere Aggressivität des Keims verantwortlich zu machen sind. Im Verdacht stehen hierbei unter anderem die Verzögerung, die entsteht, wenn nicht sofort ein passendes Antibiotikum eingesetzt wird, eine nicht optimale Dosierung der Medikamente oder auch ein schlechteres Ansprechen des Keims auf eigentliche effektive Wirkstoffe.

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?Die Studie zeigt auch, dass jede zweite Staphylokokkenart resistent war gegenüber dem Methicillin?, sagt Håkan Hanberger, Spezialist für infektiöse Krankheiten an der Linköping University und Hauptautor der nun veröffentlichten Studie.
Zwar trete in Schweden MRSA nur zu etwa fünf Prozent auf, aber dennoch betont Hanberger: ?Es ist sehr wichtig dass Patienten mit Staphylokokken isoliert und abgeschirmt werden um das Ausbreiten der Krankheit zu verhindern.?

Ob durch diese Studie weitere Sicherheitsmaßnahmen in Krankenhäusern eingeführt werden, damit eine Infektionsausbreitung mit MRSA eingedämmt werden kann, bleibt abzuwarten.

Håkan Hanberger et al. (Linköping University, Schweden): International Journal of Antimicrobial Agents, doi: 10.1016/j.ijantimicag.2011.05.013 wissenschaft.de – Tabea Osthues/Ilka Lehnen-Beyel
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