Schlesische Klöster zwischen Aufhebung und neuer Berufung - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Schlesische Klöster zwischen Aufhebung und neuer Berufung

Am 16. Mai, dem diesjährigen Internationalen Museumstag, öffnet das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen (Hösel) seine Pforten für die große Sonderausstellung „Herrenlos! Schlesische Klöster zwischen Aufhebung und neuer Berufung“. Dabei wird ein großer Bogen von der Rolle der Stifte und Orden bis hin zur kulturellen und religiösen Entwicklung Schlesiens gespannt.

Im Herbst 2010 jährt sich zum 200. Mal die Aufhebung der Klöster und Stifte im preußischen Teil Schlesiens. Dieses Ereignis führte im religiösen und kulturellen Leben Schlesiens zu einem großen Umbruch. Das ist Anlass für das Oberschlesische Landesmuseum, dieses Thema erstmals in einer großen Sonderausstellung mit bedeutsamen Leihgaben zu behandeln.

Schlesien kann als eine Klosterlandschaft gesehen werden. Die Ordensgemeinschaften haben dort das christliche Leben, die Kultur und die Landesentwicklung seit dem 12. Jahrhundert maßgeblich geprägt. Im Laufe der Jahrhunderte erlebte die Klosterwelt mehrmals entscheidende Brüche und Neuanfänge. Wichtige Zäsuren in der Geschichte waren die Reformation, die Klosteraufhebungen im habsburgischen Bereich (1782/83) und in den preußischen Landesteilen (1810) sowie die beiden Weltkriege mit ihren Folgen.

Eine bedeutende kulturelle Blüte erlebten die Klöster in der Zeit des Barocks. Damals richtete sich die gesamte katholische Kirche nach der Reformation neu aus. Diese Entwicklung war in der Kunst und im Glaubensleben (etwa im gezielt verbreiteten Heiligenkult) sichtbar. Die schlesischen Klostermaler nehmen Bezug auf die Kunst des deutschsprachigen Raumes, besonders Böhmens und Österreichs. Sie ließen sich aber auch von den Werken niederländischer und italienischer Meister beeinflussen. Der bekannteste damals in Schlesien wirkende Maler war Michael Willmann (1630-1706). Die Gemälde des „schlesischen Rembrandt“ schmücken bis heute Sakralbauten in Schlesien.

Mit dem preußischen Säkularisationsedikt vom 30. Oktober 1810 endete das meist jahrhundertelange Wirken von rund 70 Abteien. Die entscheidende Rolle kam dabei dem staatlichen Beauftragten Johann Büsching (1783-1829) zu. Er reiste 1810 bis 1812 durch Schlesien. Aus seiner Sicht maßgebliche Archivalien, Druckschriften und Kunstwerke ließ er nach Breslau transportieren. Daraus wurden die zentralen Sammlungen von Archiven, Bibliotheken und Museen gebildet.

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Im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden in Schlesien neue Ordensgemeinschaften, insbesondere mit karitativen Aufgaben und als Schulorden. Die beiden Weltkriege und die unmittelbare Nachkriegszeit veränderten im 20. Jahrhundert das Klosterleben nochmals erheblich.

Die Aufhebung der Klöster (Säkularisation) hängt mit der seither fortschreitenden Verweltlichung der Gesellschaft (Säkularisierung) zusammen. Das wirkt sich auf unsere heutige Gesellschaft aus. Neben historischen bzw. kunsthistorischen Einheiten werden somit die christlichen Wurzeln in der mitteleuropäischen Entwicklung am Beispiel Schlesiens deutlich. Die Ausstellung will auch einen Beitrag leisten zur Rückbesinnung auf die christlichen Wurzeln in der mitteleuropäischen Geschichte am Beispiel Schlesiens.

Ausgewählte Objekte zeigen die Vielfalt und Schönheit künstlerischer Schaffenskraft. Eine Vielzahl wichtiger Leihgaben kommt zum ersten Mal aus der heutigen Republik Polen und aus der Tschechischen Republik in die Bundesrepublik Deutschland. Die großflächige Ausstellung orientiert sich gestalterisch an einem Klosterbau. So wird eine Art „Kreuzgang“ genutzt, um die Geschichte der wichtigsten Klöster vorzustellen. Im angrenzenden „Scriptorium“ werden Handschriften und Altdrucke präsentiert. Im „Kapitelsaal“ geht es um herausragende Persönlichkeiten, so Äbte und Künstler. Im Mittelpunkt steht die „Kirche“, in der wertvolle liturgische und sakrale Gegenstände zu sehen sein werden. Der „Wirtschaftshof“ verweist auf die Landwirtschaft und Heilkunde. Danach wird die Entwicklung nach den Klosteraufhebungen bis zur gegenwärtigen Situation dargestellt. Auf diese Weise wird der Besucher in die Klosterwelt eingeführt. Er erfährt die Vielfalt des geweihten Lebens der auch in Schlesien wirkenden Ordensgemeinschaften..

Die Bedeutung der Präsentation zeigt sich auch in der Einbindung kirchlicher Einrichtungen. Ausdruck dafür ist das Ehrenpatronat, das die Erzbischöfe der Schlesien umfassenden Metropolitanbistümer Breslau (Marian Gołębiewski), Kattowitz (Damian Zimoń) und Olmütz (Jan Graubner) sowie der heimischen rheinischen Kirchenprovinz Köln (Joachim Kardinal Meisner) über die Ausstellung übernommen haben. Die feierliche Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, dem 16. Mai 2010 um 15 Uhr. Kardinal Meisner und Erzbischof Graubner haben ihre Teilnahme an der Eröffnung bereits zugesagt.

Quelle: Oberschlesisches Landesmuseum
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