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Geschichte|Archäologie

Schon die Indianer domestizierten den Truthahn

Der Truthahn wurde entgegen der bisherigen Lehrmeinung nicht erst von den ersten Europäern in Amerika domestiziert. (iStock/davidsdodd)

Wenn US-Amerikaner Thanksgiving feiern, gehört der Truthahnbraten dazu. Bisher nahm man an, dass diese Vögel erst nach Ankunft der Europäer in der Neuen Welt domestiziert wurden. Doch neue archäologische Funde widerlegen dies nun. Im US-Bundesstaat Tennessee haben Forscher Belege für 400 Jahre alte domestizierte Truthähne entdeckt, ein weiterer Fund in Mexiko deutet auf Hausputer schon vor 1500 Jahren hin.

Nur als wilde Jagdbeute?

Truthähne kamen bereits vor Jahrtausenden in Nord- und Mittelamerika wild vor. Deshalb ist es kein Wunder, dass die Indianer schon lange vor Ankunft der Europäer diese Ressource zu nutzen wussten: Sie verwendeten die Truthahnfedern für ihre Pfeile und als Verzierung für Kleidung und Kopfschmuck. Das Fleisch wurde gegessen und aus den Knochen entstanden Werkzeuge. Sogar einige frühe Schmuckstücke, darunter ein aus Muschelschalen geschnitzter Anhänger, stellen wilde Truthähne dar.

Doch als Nutztiere, so glaubte man bisher, hielten die Indianer diese Vögel noch nicht. Erst die Ankunft der Weißen auf dem Kontinent führte gängiger Lehrmeinung nach dazu, dass die wilden Truthähne gezielt gezüchtet und domestiziert wurden. Auch wenn sich daher die Pilgerväter beim legendären Dankesmahl mit den einheimischen Wampanoag-Indianern im Jahr 1621 an Truthahnbraten labten, stammte dieser von wilden Vögeln – so die bisherige Annahme.

Verräterisch massige Knochen

Jetzt jedoch wird die gängige Lehrmeinung durch gleich zwei Entdeckungen widerlegt. Die erste machten Tanya Peres von der Florida State University und ihre Kollegen bei Ausgrabungen im US-Bundesstaat Tennessee. In den Überesten mehrerer Indianersiedlungen aus der Zeit von 1200 bis 1400 stießen sie auf Truthahnknochen, die von den üblichen Funden abwichen.

Zum einen waren die Vogelknochen deutlich größer und dicker als die der noch heute vorkommenden wilden Truthähne. „Typischerweise führt die Domestikation zu einer solchen Größenzunahme der Tiere“, erklärt Peres. Gezielte Zucht und eine reichhaltige Fütterung beispielweise mit Mais könnte daher erklären, warum diese Truthähne so ungewöhnlich massig waren.

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Eine zweite Auffälligkeit: Die Knochen stammten fast ausschließlich von männlichen Tieren. Bei wilden Truthähnen jedoch gehören einer Schar immer mehr weibliche als männliche Vögel an. Nach Ansicht der Forscher spricht auch dies dafür, dass diese Truthähne gehalten und nicht einfach gejagt worden sind. „Die Indianer bevorzugten wahrscheinlich die männlichen Truthähne, weil diese buntere Federn hatten und ihre Knochen besser für Werkzeuge geeignet waren“, sagt Peres. Beide Auffälligkeiten zusammen belegen nach Ansicht der Wissenschaftler, dass die Indianer dieser Gegend schon einige hundert Jahre vor dem ersten Thanksgiving-Mahl Truthähne als Nutzgeflügel hielten.

Nutztiere schon vor 1500 Jahren

Die zweite Entdeckung machte ein Forscherteam im mexikanischen Oaxaca. Heather Lapham von der University of North Carolina und ihre Kollegen stießen dort im Rahmen einer Ausgrabung auf fünf noch intakte Truthahneier und sieben direkt nach dem Schlupf getötete Jungtiere. Diese Relikte befanden sich auf dem Gebiet einer 1500 Jahre alten Zapoteken-Siedlung.

„Die Tatsache, dass wir hier eine ganze Ansammlung von nicht ausgebrüteten Truthahneiern zusammen mit Knochen von Jungtieren und nicht weit entfernt liegenden Knochen von ausgewachsenen Vögeln gefunden haben, spricht dafür, dass diese Vögel domestiziert waren“, sagt der Archäologe Gary Feinman vom Field Museum. Demnach hielten die Indianer Mitttelamerikas sogar schon gut 1000 Jahre vor Ankunft der Europäer Truthähne als Nutztiere.

Die Forscher vermuten, dass die Truthahneier damals von den Zapoteken als rituelles Opfer dargebracht wurden. Noch heute haben Truthähne für die Bewohner der Region eine große Bedeutung: „Die Vögel werden als Speise aufgezogen, verschenkt und auch heute noch in Ritualen verwendet“, erklärt Feinman. „Die Truthähne werden bei Geburtstagsfeiern, Taufen, Hochzeiten und religiösen Festen gegessen.“

Quelle: Florida State University, Field Museum
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