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Technologiegeschichte

Schwerter aus der frühen Eisenzeit

Dieses Schwert aus dem damals modernen Werkstoff Eisen wurde einem Toten im heutigen Bayern vor etwa 2800 Jahren ins Grab gelegt. © BLfD

Zeugnisse aus der Ära einer Zeitenwende: In Gräbern der Hallstattkultur haben bayrische Archäologen zwei rund 2800 Jahre alte Eisenschwerter gefunden. Die Waffen stammen damit aus der Zeit des Technologiesprungs von der Bronze- zur Eisenzeit. Sie beleuchten die Anfänge der Eisenverarbeitung im süddeutschen Raum und geben Hinweise auf den Wandel in der Waffentechnik, sagen die Experten.

„Da könnte etwas im Boden schlummern“: Die Planung zum Bau eines neuen Feuerwehrhauses auf einem Feld im Andechser Gemeindeteil Frieding hatte ein Archäologenteam des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) auf den Plan gerufen. Die anschließenden Grabungen bestätigten den Verdacht: Die Archäologen entdeckten auf dem Areal insgesamt acht Bestattungen eingeäscherter Toter, die sie anhand der Grabbeigaben der Hallstattzeit zuordnen konnten. Damit wird die Epoche der älteren vorrömischen Eisenzeit in weiten Teilen Europas ab etwa 800 bis 450 vor Christus bezeichnet.

Unter den Funden befanden sich eine Schälchenkopfnadel, Bronzeschmuck, Gefäße und ein Spinnwirtel, den Frauen damals benutzten, um Fäden herzustellen. Die Archäologen stießen allerdings auch auf martialische Zeugnisse der Hallstattkultur: Sie entdeckten auf dem Areal zwei Eisenschwerter, bei denen es sich offenbar ebenfalls um Grabbeigaben gehandelt hat. Der Datierung zufolge stammen sie aus dem 8. Jahrhundert vor Christus – also vom Beginn der Eisenzeit. Sie zählen zu den nun ältesten bekannten Schwertern aus dem damals modernen Metall, die jemals im süddeutschen Raum gefunden wurden, berichtet das BlfD. „Die beiden Schwerter zeugen von einem Technologiesprung. Sie erzählen von den Anfängen der Eisenverarbeitung und geben uns Hinweise auf den Wandel der Waffentechnik“, sagt Generalkonservator Mathias Pfeil vom BlfD.

Einst hochmoderne Waffen

Die Schwerter wurden in München von einem Restauratorenteam mittels Mikrofeinstrahltechnik vorsichtig gereinigt und genauer untersucht. Wie das BlfD berichtet, zeichnen sich Unterschiede zwischen den beiden Waffen ab, in denen sich eine Entwicklung widerzuspiegeln scheint: In der Übergangszeit zwischen Bronze- und Eisenzeit hatten die Schmiede eines der Eisenschwerter noch in Form und Machart der zuvor gebräuchlichen Bronzewaffen hergestellt. Das andere Schwert, das offenbar etwas später entstanden ist, hatten sie hingegen bereits eher dem neuen, stabileren Material angepasst, schreibt das BlfD.

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Den Experten zufolge handelt es sich um sogenannte Griffzungenschwerter. Bei diesem Typ wurde das Heft auf eine Verlängerung der Klinge aufgesetzt. Die Griffe der Schwerter sind zwar nicht erhalten geblieben – doch die Restauratoren fanden zumindest einen Hinweis auf diese einstigen Strukturen: Sie konnten an einer der Griffzungen Hornspuren nachweisen, die für eine Halterung aus diesem Material sprechen. Außerdem sind vier Nieten erhalten geblieben, die offenbar die Hornplatten auf der Griffzunge gehalten haben.

Grabbeigaben der regionalen Elite

Von der Rolle als Grabbeigaben zeugen den Experten zufolge die Reste eines mehrlagigen Textils sowie einer Schnur, die offenbar zur Befestigung diente. Die Waffen waren also vermutlich in Stoff eingeschlagen den Toten beigegeben worden. „Zweifellos zeichnen Schwertgräber wie diejenigen von Frieding eine regionale Elite aus, zu deren Statussymbolen eben auch die modernsten Waffen der Zeit gehörten“, sagt Jochen Haberstroh vom BlfD. Wie damals üblich waren die Verstorbenen verbrannt worden. Neben den Schwertern fanden die Archäologen eine entsprechend hohe Konzentration menschlicher Überreste, die wohl aus der Einäscherung stammen. Sie gehen davon aus, dass diese in einem mittlerweile zerfallenen Stoffbeutel oder einem Holzgefäß direkt neben den Waffen ins Grab gelegt wurden.

Abschließend zitiert das BlfD den ersten Bürgermeister der Gemeinde Andechs Georg Scheitz, der sich über die erfreulichen Entdeckungen im Zuge der Planung des Feuerwehrhauses in seiner Gemeinde freut: „Ich bin begeistert, wie gut die Funde erhalten sind, dafür, dass auf dem Feld sicherlich oft gepflügt wurde und diese nicht tief über die lange Zeit hinweg in der Erde lagen“, so Scheitz.

Quelle: Bayerisches Landesamtes für Denkmalpflege

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